5Bridges / The Thomas Tracks
The Thomas Tracks Spielzeit: 74:23
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2009
Stil: Neo Prog

Review vom 06.06.2009


Ingolf Schmock
Immer wieder grüsst das Murmeltier, und es erscheint dem Rezensenten, als würden sich die musikalischen Muster einiger neuer Tonträger aus dem progressiven Umfeld ständig wiederholen. Aber Hand aufs Herz, welcher traditioneller Genre-Fan möchte schon auf großartige kompositorische Neuerungen oder sogar auf die wunderbaren Arrangements einiger früher musikalischer Vertreter aus dem vereinigten Königreich, welche die Matrize sozusagen vorgaben, verzichten.
Genesis, Yes und Kollegen haben mit ihren Werken geradezu Einschnitte mit salomonischen Dimensionen hinterlassen, welche nacheifernden Musikern dieses wieder erblüten Genres wenig Spielräume zur gestalterischen Freiheit offenbaren, und wenn doch, einer Mutprobe gleichkämen.
So haben eben auch fünf musikalisch begabte Jungs aus dem Land der klappernden Mühlen und Holzschuhe, dem Mekka berauschender Heilpflanzen, das Rad auf ihrem durchaus ernst zunehmenden Debüt, nicht gerade neu erfunden, und verlustieren sich in Melodien ihrer kreativen Väter.
5Bridges aus Haarlem, einem Amsterdamer Vorort, musizieren fast schon symptomatisch ihre teils ausufernden Hommagen an Mitsiebziger Neo- und Symphonicprog-Helden, und lassen den aufmerksamen Konsumenten konzeptionell an einer romancierten Geschichte des Schlagzeugers Rob van der Linden (De Handelingen van Thomas) mit teilhaben, zwingen dem Hörer in übergangslos verwebten Kompositionen sehr viel Durchhaltevermögen bzw. einen langen Atem ab.
Kryptische Texte und artifiziell mit Tastenschwällen überbordete Melodien verstricken sich über weite Strecken im süßlichen Geflecht verminderter Genesis-Qualitäten, und rudern sich behäbig unter Mithilfe origineller musikalischer Geistesblitze, wie technoider Dancerhythmen im Opener, sowie einer gelegentlich intonierten Steel-Gitarre durch den instrumentalen Sumpf, um sich nicht in Eintönigkeit fest zu fahren. Trotz hörbarer Dogmen ewiger Prog-Pioniere, versuchen die Niederländer, wenn auch etwas verkrampft, den doch antiquierten Sound mit einem eigenen Charakter zu prämieren.
Dabei sind die Protagonisten in ihren weitestgehend instrumentalen Strecken so manchen klassisch neoromantischen Arrangements verpflicht, was irgendwie, wen wundert's, deren Namensgebung nach einer Emerson'schen Komposition, einen Sinn verleiht.
Enzo Gallos schwingender und stilistisch dem Hackett'schen adaptierten Gitarrensound, welcher sich durchaus an zahlreichen akustischen Intermezzen messen lässt, und eine wohltemperierte dem erigierenden Schönklang versklavte Tastenburg, vollbringen das Kunststück, so manchem traditionellen Proggie eine klangvolle Zeitreise unter dem Kopfhörer zu suggerieren. So lag es wohl irgendwie nahe, über die pituresken Synthesizer-Arpeggios mit Piet Roelofsen einen sicheren Gabriel'schen -Gesangsklone zu schustern, um vollends die Altmeister der Siebziger zu reinkarnieren und deren brillant konstruierte Kompositionen auch für eine mittlerweile herangereifte Hörerklientel wieder freizuschaufeln.
Zum Glück verzapfen die offensichtlich fachkundigen Instrumentalisten keine vergniedelten Selbstdarstellungen, sondern dienen der Formation, auch wenn schon mal Interaktionen zwischen Luke d'Aracenos Keyboards und Gallos Saiten, bei dieser tadellosen Produktion, das Spielfeld dominieren. Abgesehen von ihrer Weichspülerei, welche mit sehr viel Raffinesse den Pathos vom Neo Prog und der rohen Emotion taktfreudiger Musizierarten zu nähren vermag, wären die zehn erschöpfenden Stücke ohne Martin Thoolens tieftönendem Rickenbacker- und Taurus' Pedal-Qualitäten, mit Rob van der Lindens differenzierten Trommeln, insbesondere dem akzentuierten Spiel der Becken, wie das Auslöffeln einer salzlosen Kraftbrühe. Niemals vordergründig technisch, stets eine Melodie nach der anderen fabrizierend, eine teilweise als Singstimme fungierende Sechssaitige nebst reichlich aufgesetzten Tasten, so jonglieren die Fünf wie eine musikalische Blaupause dazu.
Niemals vordergründig technisch, stets eine Melodie nach der anderen fabrizierend, eine teilweise als Singstimme fungierende Sechssaitige nebst reichlich aufgesetzten Tasten... so jonglieren die Fünf wie eine "Wind And Wuthering"-Blaupause über deren glitschiges Parkett, ohne dabei ernsthaft ins Trudeln zu geraten. Eben erst über die gesamte Distanz entfaltet die Scheibe ihren manigfaltigen Charakter, auch wenn die Einspielungen gelegentlich etwas bemüht wirken. Für eine Eigenproduktion haben die Niederländer ein respektables Debüt ohne zuviel Ecken und Kanten hergestellt, lassen gar so manchen abgetakelten Genreverdächtigen die vornehme Blässe ins Antlitz treiben.
Die vorliegenden "Thomas Tracks" werden sicherlich nie zum Meilenstein geraten bzw. zu Genre-Gradmessern mutieren, weil es dafür zu klein bleiben möchte, in gelungenen Momenten aber, kann sich der Hörer an einer frischen Klangbrise erquicken, oder mehr als eine Stunde lang, in eine nostalgische Wolke entschwinden.
5Bridges sind jedenfalls mit Stilbewusstsein und mit einer spielerischen Haltung gesegnet, deren Musik ein wunderbar erwachsenes Vergnügen bereitet, Gründe genug, um den Genreliebhaber beim nächsten Abstecher zu unseren Landesnachbarn, vielleicht zu einem Besuch im Plattenladen neben dem nächsten Coffeshop zu animieren.
Tracklist
01:Didymus
02:Babylonian Curse Reversed
03:On Calpe's Rock
04:The Spell Of Eternity
05:Martialis' Reveries
06:Tricks & Treason
07:Lovernius' Song
08:Batavian Revolt
09:Amazons & Haven
10:Sign On The Wall
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