AC/DC / Let There Be Rock
Let There Be Rock Spielzeit: 94:00
Medium: DVD
Format: PAL
Sprache: Dolby Digital 2.0, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Französisch, Portugiesisch, Polnisch, Türkisch, Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 4:3 - 1.33:1
FSK: Ohne Altersbeschränkung
Label: Warner Home Video, 2011
Stil: Classic Rock

Review vom 04.07.2011


Mike Kempf
Es sind erst wenige Wochen her, dass die Live At River Plate-DVD von AC/DC erschien. Und ich kann es kaum glauben: folgt nun mit "Let There Be Rock" gleich die nächste Bild- und Tonkonserve des australischen Aushängeschilds, wenn's um Rockmusik geht! Doch Vorsicht, so neu ist die Geschichte gar nicht, im Gegenteil, mit einer über 30-jährigen Vergangenheit begibt sich der Musikfreund eher auf eine Zeitreise, denn das Bildmaterial wurde bereits am 9. Dezember 1979 in Paris eingefangen, zumindest was die Konzertmitschnitte angeht. In einigen Ländern wurde der Film auch mit "Live At The Pavillion In Paris" angeboten. Was vielleicht nicht alle wissen, an diesem Tag gab es zwei Konzerte, eins am Nachmittag und eins am Abend! Aus den entstandenen vier Stunden blieben letztlich gut neunzig Minuten Film übrig. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich mir damals eine VHS-Cassette erwarb und später noch eine DVD des Films zulegte. Deshalb gibt es für mich nichts Neues zu entdecken, außer, dass Highspeed Productions das Teil remastert und in Dolby-Digital-Qualität aufgepeppt haben. Während sich die englischen Kommentare in 5.1 widerspiegeln, wird alles Weitere 'nur' im normalen 2.0-Stereo angeboten. Dass man im Menü die Option 'Deutscher Untertitel' auswählen kann, betrachte ich für die Intermezzi als guten Service, stören aber während des Abspielens der Songs. Also, trotz der zeitgemäßen Überarbeitung des Filmmaterials darf man keine Wunderdinge erwarten, auch wenn das Scheibchen neben meinem vorliegenden als Blue Ray angeboten wird!
In vierundneunzig Minuten werden dreizehn Klassiker präsentiert, die fast jeder kennt und deren Besonderheit ist, dass damals niemand ahnen konnte, dass diese Dokumentation zu den letzten bewegten Bildern AC/DCs mit Bon Scott ( 19. Februar 1980) zählen würden! Kenner wissen, dass es sich nicht nur um einen reinen Konzertmitschnitt handelt, sondern reichlich interessante Interviews, Bilder aus dem Backstage und gar ein Musikclip beigemischt wurden. Es ist schon bemerkenswert und heute undenkbar, dass damals gut 20 Tonnen Equipment, für die man 2 LKWs, 2 Busse und 14 Roadies benötigte, ausreichten, um eine perfekte Rock-Show abzuliefern. Bevor diese mit "Live Wire" und "Shot Down In Flames" beginnt, wird in der Halle, während die Roadies ackern, fleißig geknödelt! Hierbei sticht besonders Malcolm hervor, der später in einem Intermezzo auf einem schönen Rasenplatz seine 'filigrane' Ballbehandlung unter Beweis stellt. Wobei beim Betrachten der Szenen eher die Lachmuskeln beansprucht werden, als dass die Einlage ungläubig bestaunt werden könnte.
Warum auch immer, Angus spielte an diesem Abend ohne üblichen Gitarrensender! Man munkelt, dass dieser an diesem Tag seinen 'Geist' aufgab (Angabe ohne Gewähr) und er deswegen mit Kabel spielen musste. Es grenzt schon fast an ein Wunder, dass er sich nicht einmal mit dem Kabel verhedderte und auf die 'Schnauze' fiel! Das machte er dann doch lieber freiwillig, wie z. B. bei "Sin City". Und hier bitte genau hinschauen, denn beim Aufrichten hinterlässt Angus eine fette Schweißpfütze! Es sind für mich die Einzelheiten, die das Bilddokument interessant machen. Dass er von Anfang bis Ende dermaßen energiegeladen über die Bühne wirbelt, so als hätte er sich zweier Atomkraftwerke angeschlossen, muss ich nicht extra erwähnen. Doch ich denke, das gab, gibt und wird es so schnell auch nicht wieder geben: einen Gitarristen, der Nonstop so viel Power produzierte wie Angus im Alter von Mitte Zwanzig!
Für mich sind alle Songs der DVD richtige Kracher, werden von Rockröhre Bon bestens vorgetragen und er darf sich nebenbei den Erfinder der zerrissenen Jeans nennen. Denn was seit gut einem Jahrzehnt Mode ist, aufgerissene Designer-Jeans zu tragen, praktizierte Scott schon Ende der 70er! Während der Paris-Auftritte reißt seine Leinenhose im Genitalbereich immer mehr auf und es verwundert, dass sein 'Gehänge' alsbald nicht in der frischen Luft baumelt. Da legt Frontmann-Kumpane Angus noch einen drauf und zeigt bei seinem Strip von "Bad Boy Boggie" für einen Bruchteil einer Sekunde sein blankes Hinterteil! Mittlerweile ist diese Showeinlage auch als Rarität einzustufen, denn schon in den 80ern ließ er seine Klamotten nur noch bis zur Boxershorts fallen.
Ein weiteres Highlight wird mit "Walk All Over You" geboten. Phil Rudd, der schon damals eine Vorliebe für schnelle Sportwagen hatte, düst mit einem Porsche 928 über einen Acker und wird aus der Luft von einem alten Doppeldecker verfolgt. Ebenfalls erwähnenswert ist "Rocker", hier lässt sich der kleine Lead-Gitarrist auf den Schultern eines Roadies in die Menge treiben. Nur das Ende des Gitarrenkabels beendet den Ausflug und der Träger dürfte froh gewesen sein, lebend die Bühne erreicht zu haben, um Angus dort unbescholten abzuliefern. Die Fans sind völlig am Ausrasten, suchen während des Publikums-Trips unerbittlich den Körperkontakt zu ihrem Idol und feiern die Band letztlich enthusiastisch ab!
Fazit: Für AC/DC-Neueinsteiger muss ich eine Kaufempfehlung aussprechen! Zumal sich die Zeitreise ideal anbietet, um die Entstehung der australischen Band einigermaßen nachzuvollziehen. Von der Bild- und Tonqualität gibt's nicht allzu viel an Verbesserung zu notieren. O.K., der Bass kommt schon gewaltiger rüber als von meiner alten DVD, doch bei den bewegten Bildern kann ich keine entscheidenden Vorteile erkennen. Wie auch? Das Material ist eben über dreißig Jahre alt und kann nicht neu aufgenommen werden. Der alteingesessene AC/DC-Spezi muss das Teil nicht unbedingt erwerben, spiegelt es doch genau den Film von 1980 wieder. Aber ich weiß ja wie es ist, selbst wenn es nächste Woche eine remasterte Version von "Live At River Plate" geben sollte, ich würde sie mir zulegen. Und noch ein Tipp in eigener Sache: Liebe RockTimes-Kollegen, Verwandte, Freunde und alle die mich kennen, sollte ich jemals aus irgendwelchen Gründen in ein Koma fallen, spielt an meinem Krankenbett bitte ein AC/DC-Album aus der Bon Scott-Ära ab! Die Chance, aus dem Tiefschlaf zu erwachen ist bei mir ziemlich groß!
Line-up:
Bon Scott (vocals)
Angus Young (lead guitar)
Malcolm Young (rhythm guitar)
Cliff Williams (bass)
Phil Rudd (drums)
Tracklist
01:Live Wire
02:Shot Down In Flames
03:Hell Ain't A Bad Place To Be
04:Sin City
05:Walk All Over You
06:Bad Boy Boogie
07:The Jack
08:Highway To Hell
09:Girls Got Rhythm
10:High Voltage
11:Whole Lotta Rosie
12:Rocker
13:Let There Be Rock
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