...nicht von der Spur abweichen, sondern auch zu
100% Accept-typische Songs machen!
Wolf Anlässlich der bald anstehenden Europa-Tournee zum aktuellen, im August über Nuclear Blast erschienenen Überalbum "Blood Of The Nations", die Accept zu Beginn des nächsten Jahres durch ganz Europa und später auch in die USA führen wird, bekam RockTimes die Gelegenheit, ein Interview mit Wolf Hoffmann, dem kreativen Kopf der Band, zu führen.



Interview vom 30.12.2010


Marius Gindra
Nachdem der Maestro Ende November an einem verregneten Donnerstag um ca. 17:30 Uhr MEZ aus seiner Wahlheimat Nashville, USA durchklingelte, wurde zuerst mal ein kurzer Smalltalk entfacht. Schnell wurde, ich gebe es ja zu, die anfängliche Nervosität des Schreibers abgelegt und man konnte locker flockig ins eigentliche Interview mit dem Meister des Teutonen Metal-Sounds starten! Viel Spaß beim Lesen!
RockTimes: Starten wir mal mit dem aktuellsten Thema: die im Januar anstehende Europa-Tournee! Geht Ihr da mit großer Vorfreude heran, wieder ausgiebige Tourneen zu fahren?
Blood Of The Nations Wolf: Ja, klar! Letztendlich haben wir diese ganze Aktion mit der CD auch nur gemacht, um uns auf das Eigentliche vorzubereiten. Und das sind eben die Live-Auftritte! Wir sind eine Liveband mit Herz und Nieren, eine Vollblut-Liveband, und darauf freuen wir uns immer am meisten! Das ist eben der eigentliche Zweck dieser Aktion. Das ist immer der Höhepunkt des Schaffens, deswegen macht man das alles! Gerade nach den vielen Jahren wieder in Deutschland unterwegs zu sein, ist natürlich toll. Wir hatten in diesem Jahr schon einiges gemacht, was aber mehr oder minder nur Stippvisiten waren. Das Rock Hard Festival oder die Gigs mit AC/DC müsste man noch erwähnen. Das waren schon tolle Sachen, aber die eigentliche Tour kommt halt jetzt!
RockTimes: Welche Setlist erwartet uns auf der Tournee in etwa? Eine Mischung aus alten und neuen Songs oder habt Ihr Euch sogar vorgenommen, die neue Platte am Stück zu spielen, wie das beispielsweise Maiden 2006 mit A Matter Of Life And Death gemacht haben? Ich könnte mir gut vorstellen, dass Ihr durch den Erfolg, den "Blood Of the Nations" hat, an so etwas mal gedacht habt!
Wolf: Hatten wir auch schon einmal angedacht, aber ich denke, dass wir erstens jeden Abend eine leicht unterschiedliche Setlist spielen werden und zweitens ja auch so viele alte Songs haben, die die Leute auch wieder hören wollen, gerade nach der langen Abwesenheit. Nicht, dass das Programm zu lang wird. Wir hatten schon ganz unterschiedliche Setlists gespielt und ich bin mir selbst noch nicht ganz sicher, wie das dann ausfallen wird. Das hängt dann immer auch ein bisschen von der Tageslaune ab. Während der Rehearsal-Phase gehen wir die Songs noch einmal einzeln durch und entscheiden dann letztendlich, welche am besten zusammen passen. Es ist noch nicht alles in Stein gemeißelt, was da kommen wird, aber wir haben auch so viele klassische Accept-Songs, die dann fehlen würden, wenn wir sie nicht spielen. Insofern lassen wir uns mal überraschen! Es wird sicherlich eine bunte Mischung aus Althergebrachtem, was man sowieso erwarten würde und neuen Songs.
RockTimes: Ich bin gespannt, weil ich Euch in Geiselwind mal einen Besuch abstatten werde! Wie sieht's aus mit Supportbands? Habt Ihr da schon was Definitives?
Wolf: Da ist schon was im Gespräch, aber ich will es noch nicht endgültig bekannt geben. Das entzieht sich auch manchmal meiner Kenntnis, weil das meistens gar nicht von der Band selbst entschieden wird, sondern viel mehr von den Promotern und Managern. Da geht es dann letztendlich auch nicht darum, wen wir gerne hätten, sondern wer Zeit hat und wer auch vom Konzept buchungstechnisch am besten zur Band passt. Ich kriege diese Frage immer wieder gestellt. Viele Fans stellen sich das so vor, dass die Band quasi im Kreis sitzt und sich aus dem Hut irgendwelche Namen zieht und wo es dann nur darum geht, wen wir gerne hätten. Darum geht's allerdings meistens gar nicht. Vielmehr ist es eine Entscheidung, die hinter den Kulissen gefällt wird von, wie gesagt, Managern und Bookern. Aber ich weiß, das jemand im Gespräch war, das klang auch sehr vielversprechend und das wird auch eine gute Mischung werden! Ich will mich aber noch nicht festlegen und da was verkünden. Wenn es dann doch wieder jemand anderes ist...
RockTimes: Wie läuft bisher der Vorverkauf?
Wolf: Super, was ich gehört habe. Ich glaube, es ist ein guter Erfolg.
RockTimes: Habt Ihr von der Tour selbst geplant, eine Live-CD/DVD zu machen?
Wolf: Ja, ist im Gespräch. Wir wollen so viel wie möglich aufnehmen, sowohl Audio als auch Video und dann eventuell eine Live-CD/DVD davon machen. Das ist ganz fest eingeplant!
RockTimes: Als "Blood Of The Nations" im August herauskam, stieg sie ja bis auf Platz vier der deutschen Charts. Wie hast Du das empfunden, dass Ihr wieder an der Spitze der Charts seid?
Wolf: Das war wie ein Märchen. Das ist unglaublich, nach den ganzen Jahren der Abwesenheit kommen wir so zurück! Und dann gleich mit so einem Hammer wieder einzusteigen, ist schon... Also, ich glaube, das gab es so in dem Sinne auch noch nicht. Ist schon ein ziemlicher Knaller! Wir sind uns schon der Ehre bewusst und freuen uns tierisch darüber.
RockTimes: Ihr könnt Euch auch zu Recht darüber freuen! Ihr habt eine super Platte gemacht und ich muss ganz ehrlich sagen: Würde es Gerechtigkeit auf dieser Welt geben, hättet Ihr vor der neuen Maiden gestanden!
Wolf: [lacht] Das kann man aber nicht erwarten. Man muss auch ganz klar sagen, dass sich Bands wie Maiden ihren Status durch ihre Beharrlichkeit und jahrelange Tourneen gefestigt haben, da kommt man nicht so einfach dran. Die haben ihren Platz in der Welt völlig zurecht und es ist auch müßig, zu sagen, dass die Platte besser als die andere ist. Da geht's dann letztendlich auch um den langsamen Aufbau mit den Fans und das haben die ja auch jahrzehntelang gemacht. Ob die Platte dann letztendlich so geil ist, wie sich die Fans das erhofft haben, ist dann manchmal gar nicht so wichtig in dem Geschäft! Beharrlichkeit und Ausdauer zählt da auch sehr viel. Maiden ist halt eine Institution, die es schon viele Jahre gibt. Aber Accept ist sicherlich auch irgendwo eine Hausordnung, die die Leute schon kennen und in gewisser Weise sind wir auch schon eine Institution geworden über die Jahre.
RockTimes: Naja, Euch gibt's ja auch schon länger als Maiden, nebenbei bemerkt! Ihr existiert seit 1971, Maiden seit 1975!
Wolf: Nee, also das offizielle Erscheinungsjahr war für uns 1979, als die erste Platte herauskam. Die Uranfänge gehen sicherlich schon länger zurück, aber das ist bei Maiden ja auch so, dass es irgendwelche Vorformen gab.
RockTimes: Stichwort Nuclear Blast: Wie seid Ihr mit den Jungs zufrieden?
Wolf: Super! Also da haben wir echt ein super Team zusammen. Bisher läuft die Zusammenarbeit astrein! Die fanden das ganze Packaging von der Platte geil, da wurde sogar eine Vinyl-Edition gemacht. Das ist schon super! Auch der Vertrieb läuft klasse, wir sind also sehr zufrieden.
RockTimes: Ist für 2011 noch eine CD-Single-Auskopplung eines "Blood Of The Nations"-Stückes geplant?
Wolf: Ich glaube nicht. Das sind auch wiederum Sachen, die sich das Label überlegt. Die haben dazu auch einen besseren Draht, was gerade von den Fans gefragt wird und was nicht. Wir machen im Grunde genommen nur die Musik, die Vermarktung liegt dann bei dem Label. Kauft denn überhaupt noch einer Singles heutzutage? Kann ich mir gar nicht denken.
RockTimes: Sammler würden garantiert zuschlagen!
Wolf: Sammler, klar! Wir haben da ja auch schon verschiedene Sachen gehabt, zum Beispiel die Picture-7-Inch von "Teutonic Terror" und "The Abyss". Ob da jetzt noch mehr davon gemacht wird, kann ich gar nicht sagen!
RockTimes: Was ist Dein persönlicher Favorit von "Blood Of The Nations"?
Wolf: "Teutonic Terror", "Pandemic" und "No Shelter".
RockTimes: Um noch einmal auf die einzelnen Komponenten der Platte sprechen zu kommen: Sie ist abwechslungsreich - Balladen, Uptempo-Songs und klassische Stampfer stehen nebeneinander - hat aber eben die gewohnten Trademarks, die man eben von Accept kennt! Logischerweise wird man vom Riffing her auch an die alten Klassiker erinnert. War das schon Absicht oder hat sich das automatisch ergeben, weil Ihr, als Ihr wieder zusammen gespielt habt, gemerkt habt: DAS ist unser Sound und den wollen wir haben!
Wolf: Einerseits ist das automatisch: Wenn die gleichen Leute an der Gitarre und am Bass, die gleichen Songschreiber, wieder am Werke sind, kommen natürlich auch ähnliche Elemente wieder zum Vorschein. Anderseits haben wir auch bewusst Wert darauf gelegt, dass wir nicht von der Spur abweichen, sondern auch zu 100 % Accept-typische Songs machen. Wir hatten auch sehr viele andere Ideen, die irgendwie gut waren und die uns auch gefallen haben, aber wo man jetzt auch sagen könnte, dass das jemand anderes ist. Die haben wir dann eher sein gelassen und uns gesagt: Wir machen nur noch Songs, die beim ersten Hören direkt nach Accept klingen. Keine anderen Einflüsse, die die Fans vielleicht verwirren würden. Als Songschreiber will man sich ja quasi immer ein wenig weiterentwickeln und nicht stehen bleiben, mal was anderes probieren. Das finde ich auch superwichtig! Aber diesmal war es nach der langen Abwesenheit, dass wir zurückkommen wollten mit neuem Sänger und da haben wir uns ganz klar zur Aufgabe gesetzt, keine Experimente zu wagen!
RockTimes: Wenn man sich das Booklet durchliest: Bei dem, was Du da geschrieben hast, merkt man schon auffällig, dass Du sehr begeistert bist von der Zusammenarbeit mit Andy Sneap [Produzent des Albums - Anm. d. Verf.]. Da lässt Du ja nur gute Worte an ihm! Da wäre noch einmal dahingehend meine Frage: Ist weiterhin eine Zusammenarbeit mit ihm geplant?
Wolf: Ja, klar! Ohne Andy Sneap gehe ich nicht mehr ins Studio! Der gehört jetzt uns! Es hätte keinen Besseren geben können! Das war ein riesiger Glücksfall, aber manchmal gibt es eben solche Dinge im Leben. Wie ich das da geschrieben habe, so ist es auch! Das ist echt so zusammengekommen, dass man es sich nicht hätte besser wünschen können! Die Tatsache allein, dass der Andy ein lebenslanger Accept-Fan war bzw. ist und sich mittlerweile zum Weltproduzenten hochgearbeitet hat: Da kamen so viele Sachen zusammen, die perfekt waren. Das war einfach genial! Und dann ist er auch noch Gitarrist, versteht das ganze Riffing und die ganzen Kleinigkeiten beim Aufnehmen kennt er natürlich selbst. Von daher gab es da auch ein totales Einverständnis, wie so etwas zu klingen hat und aufzunehmen ist. Hätte nicht besser sein können! Und dann war er auch total davon überzeugt, dass wir das hinkriegen mit dem Mark. Weil das war ja auch im Vorfeld gar nicht klar, ob das mit einem neuen Sänger überhaupt klappt.
RockTimes: Kommen wir doch noch einmal kurz auf den Gig beim Rock Hard Festival zu sprechen! Ich muss dazu halt auch sagen, dass ich selbst da war. Es war der erste Auftritt in Deutschland in dieser Besetzung und man hat ja schon gemerkt, dass die Resonanz überwältigend war. Als Ihr auf die Bühne gekommen seid, habt Ihr ja wahrscheinlich selbst nur noch Köpfe gesehen!
Wolf: Das Rock Hard Festival war unsere Feuertaufe für Deutschland! Das war ein Auftritt, wo man sich auch einmal beweisen musste und wo viele Leute standen, die nicht von vornherein demgegenüber optimistisch eingestellt waren!
RockTimes: Ihr habt sie auf jeden Fall bestanden!
Wolf: Ja, klar! Das hat uns auch tierisch gefreut. Das war super! Aber ich würde sagen, dass man schon als Band gespürt hat, dass das nicht so ist, als würden wir jahrelang immer wieder kommen. Es gibt Situationen, da ist das Publikum schon von vornherein auf deiner Seite! Das war da eigentlich noch nicht so hundertprozentig gegeben, sondern da waren auch schon Leute, die sich überzeugen lassen wollten. Wir hatten also durchaus Skeptiker im Publikum, aber zum Glück haben die dann gleich gemerkt, dass alles hundertpro nach Accept klingt. Wir hatten Spielfreude und einen guten Vibe auf der Bühne. Der Mark bringt die Sache super rüber, hat das einen Riesenauftritt werden lassen und so war es eigentlich weltweit! Nach der ganzen Abwesenheitsphase kommen auch schon Leute im Publikum, die haben die Platte gehört und die finden es super, aber es gibt auch sicherlich Leute, die sind noch nicht so hundertprozentig mit allem wieder familiär. Und die lassen sich erst einmal wieder überzeugen! Man muss während den ersten ein, zwei Songs schon ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten, dann sind die Arme aber oben und es geht los.
RockTimes: Also, ich muss ganz ehrlich sagen, so wie ich es erlebt habe: Als Ihr auf die Bühne gegangen seid, ihr habt ja mit "Metal Heart" angefangen, war es auch zuerst ziemlich laut! Anfangs stand ich direkt vor den Boxen und es hat auch ganz schön auf die Ohren gedrückt! Hatte einen guten Druck, der Sound! Aber ich war glücklich an dem Abend!
Wolf: Klasse, wir auch!
RockTimes: Wie sieht es momentan innerhalb der Band aus? Wie ist die Harmonie zwischen Euch? Wie hat sich der Mark eingegliedert?
Wolf: Oh, toll! Das ist gar keine Frage! Ich meine, wir sind alle keine 20 mehr, haben natürlich auch eine gewisse Lebenserfahrung und wissen, wie so eine Band intern funktioniert. Es ist natürlich nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen! Man hat auch schon einmal Spannungsmomente, das ist ganz normal in jeder Band. Aber ich muss sagen: Insgesamt ist die Band besser drauf als je zuvor! Wir haben eine bessere, harmonischere Arbeitsbeziehung als je zuvor, ziehen alle am gleichen Strang und haben alle das gleiche Ziel. Von daher könnte es im Moment nicht besser sein! Es gibt natürlich Leute, die auch immer noch nach Udo fragen. Das Thema hat sich längst erledigt! Wir sind eigentlich so glücklich wie nie zuvor, wünschen Udo alles Gute. Er soll seinen Weg weiter gehen, wir gehen unseren und fertig. Es ist jetzt ein ganz neues Kapitel angefangen worden und da bleiben wir auch dabei. Also wirklich: Wir sind besser drauf denn je!
RockTimes: Wir kommen noch einmal kurz zu Mark Tornillo: Er war ja vorher bei TT Quick, die in den 80ern mit "Metal Of Honor" einige kleinere Erfolge einfahren konnten. War er schon Profimusiker und hat davon gelebt, bevor er bei Accept eingestiegen ist? Oder hatte er einen anderweitigen Beruf, denn TT Quick waren ja nicht sooo bekannt gewesen!
Metal Of Honor Wolf: Also, wir hatten ja alle in dem Moment, in dem wir uns wieder getroffen haben, andere Sachen im Leben. Keiner von uns war Vollprofi in einer Band oder als Musiker unterwegs! Wir haben zwar alle noch Musik gemacht und auch der Mark hat mit seiner alten Band mal das ein oder andere Konzert gegeben. Aber im Grunde genommen waren wir alle sozusagen im Ruhestand. Er hatte einen völlig bürgerlichen Beruf: Er war Elektriker und hat eigentlich ein ganz normales Leben geführt. Aber wie man so schön sagt: Einmal Musiker, immer Musiker. Das Feuer lässt einen nicht in Ruhe und als sich diese Gelegenheit ergeben hat und wir mit ihm gesprochen haben, ob er bei Accept einsteigen will, war er sofort dabei! Er hat nur kurz seine Familie gefragt und die haben auch gesagt: »Hey Mark, das ist doch das, was Du am liebsten im Leben machst und hier ist deine Chance. Das wäre doch blöd, wenn Du die nicht wahrnehmen würdest! Weil sonst würdest Du immer zu Hause sitzen und Dich fragen, was gewesen wäre, wenn... «. Wir machen natürlich alle am liebsten im Leben Musik. Aber zu diesem Zeitpunkt waren wir alle anderweitig tätig. Ich ja auch, denn ich war eigentlich 10 bzw. 15 Jahre Fotograf. Ich habe immer darüber nachgedacht und davon geträumt, auf Tour gehen zu können mit Accept, habe mir aber auch keine große Hoffnungen gemacht, weil Udo immer sagte, dass er nicht mehr will. Insofern sagte ich mir, dass das halt nicht geht. An die Möglichkeit, es mit einem anderen Sänger zu probieren, haben wir gar nicht gedacht, bis wir eines Tages dem Mark gegenüber standen.
RockTimes: Wie war es für Euch gewesen zu Beginn, als Ihr das Projekt gestartet habt? War auch gleich klar, dass das alles unter dem Namen Accept läuft?
Wolf: Ja, selbstverständlich!
RockTimes: Hattet Ihr anfangs ein wenig Angst, dass die Sache Accept mit einem anderen Sänger auch floppt wie 1989 die "Eat The Heat"-Scheibe mit David Reece?
Eat The Heat Wolf: Klar, das ist uns schon durch den Kopf gegangen. Das ist ja ganz logisch, aber erstens muss man überlegen, dass wir nichts zu verlieren hatten. Denn wir hatten sonst nur die Wahl, gar nichts zu machen, zu Hause zu bleiben, aber die hat man ja immer. Wie man so schön sagt: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Man kann natürlich jetzt vor lauter Angst auch zu Hause bleiben und sich sagen: Nee, vielleicht klappt es nicht. Das kann man aber als Musiker schlecht machen, denn da kommt man nirgendwo hin und ich war noch nie der Meinung, dass sich solch eine Einstellung im Leben lohnt. Ich dachte mir immer: Leute, lasst uns das doch machen! Was ist denn die Alternative? Mit Udo geht's ja nicht und da ging ich persönlich lieber das Wagnis ein. Und letztendlich hatten wir dann ja auch die feste Überzeugung, dass es mit Mark klappen kann, weil er wirklich so ein geiler Typ ist. Da sagten wir uns: Jetzt oder nie! Lasst uns das machen!. Dann haben wir uns da mit voller Wucht hinein gestürzt und letztendlich hat sich das auch ausgezahlt. Es ist natürlich müßig, es mit der Situation damals mit David Reece zu vergleichen. Da waren völlig andere Voraussetzungen gegeben, eine ganz andere Zeit, ein ganz anderer Punkt in unserer Karriere. Das eine hat mit dem anderen so gut wie nichts zu tun! Und den Rückschluss zu ziehen, den ja viele gemacht haben, nach dem Motto 'Es hat ja schon damals nicht geklappt, dann kann es gar nicht klappen!', das ist so, wie wenn jemand sagt, dass er schon einmal verheiratet war und deswegen nie wieder zu heiraten braucht: Denn es klappt ja nicht. Wie viele Leute haben beim ersten Anlauf den falschen Partner und beim zweiten Mal klappt es? Es war einfach nicht die richtige Kombination damals, eine andere Zeit... Vieles war damals der Grund!
RockTimes: Man kann "Eat The Heat" auch einfach nicht mit "Blood Of The Nations" vergleichen!
Wolf: Das tun aber viele Leute! Einfach nur, weil es auch da schon einmal einen anderen Sänger gab. Da haben die Leute gleich gesagt, dass das der Beweis sei und es ja nicht ginge!
RockTimes: "Eat The Heat" hat sich ja sehr am Hair Metal der 80er orientiert...
Wolf: Das war eine ganz andere Zeit. Aber wir sind 20 Jahre weiter im Leben!
RockTimes: Was sind Deine Pläne für die Zukunft nach der Tournee? Ich denke, da werden ja noch ein paar Dates kommen. Ich weiß ja nicht, wie lange die dauert...
Wolf: Das ist eine richtige Welttournee. Wir gehen noch nach Australien, in die USA, Südamerika, Japan, Russland... überall!
RockTimes: Wollt Ihr danach weitere Platten aufnehmen? Sind auch schon neue Songs geschrieben?
Wolf: Klar! Sie sind zwar noch nicht geschrieben, aber wir haben dran gedacht, sie zu schreiben. Wir sammeln schon Ideen und es geht schon weiter im Kopf! Keine Frage: Das wird nicht allzu lange dauern! Wir waren jetzt nur so viel unterwegs und sind noch gar nicht richtig zur Ruhe gekommen. Dann geht's im Januar schon weiter. Wir brauchen dafür einfach ein bisschen Ruhe. Und sobald die ganze Tourneekiste vorbei ist, werde ich mich schon wieder ins Studio setzen und anfangen, an neuem Material zu arbeiten.
RockTimes: Mit dem Punkt Accept sind wir jetzt mal durch. Es kommen noch vier Fragen, die mich als Fan persönlich interessieren. Zuerst würde mich mal interessieren, wie Deine Ansicht über den traditionellen Metal momentan ist! Findest Du, es gibt auch genug Nachwuchs und neue, empfehlenswerte Bands?
Wolf: Oh Gott! Die Frage kriege ich immer wieder gestellt und immer wieder muss ich sagen, dass ich der gänzlich Falsche bin, so etwas zu beantworten. Ich habe gar keinen Überblick mehr über die Szene wie zum Beispiel Du jetzt. Man ist als Musiker ja eigentlich immer so ein bisschen in seiner Kapsel drin und beschäftigt sich eigentlich auch fast nur mit internen Sachen. Ich habe gar nicht so die Zeit, mich um andere Bands zu kümmern. Wo man mal ab und zu Bands sieht und hört, ist halt auf Festivals. Wir waren jetzt gerade in Japan auf dem Loud Park Festival und auch auf diesen Festival spielen eher 'alte' Leute. Zum Beispiel Halford war wieder da. Ab und zu kommen mal wieder ein paar neue dazu, aber es gibt relativ selten jemanden, der mich völlig begeistert. In Schweden haben wir mal gespielt, da waren Volbeat, über die wird momentan viel gesprochen. Ich fand die aber auch irgendwie nicht so spannend. Hat mich auch nicht so vom Hocker gehauen!
RockTimes: Ich finde auch nicht, dass das die neuen Heilsbringer des Metals sind!
Wolf: Nee, überhaupt nicht! Aber da sagten die Leute: »Boah, das musst Du Dir angucken! Das ist was Besonderes!«. Habe ich mir mal angeschaut, aber es hat mich auch nicht begeistert. Ich muss auch sagen, es sind immer noch die klassischen Metalbands von früher. Egal, ob das jetzt Motörhead, Iron Maiden und Judas Priest ist. Die sind ja alle noch da und die sind eigentlich immer noch die richtigen Bringer für mich. Das Publikum auf Festivals sieht dann doch immer noch lieber solche Bands, die es schon lange gibt und die neuen haben es unheimlich schwer, dagegen anzukommen.
RockTimes: Die haben es mittlerweile auch echt schwer, denn der Markt ist ja auch überflutet von den ganzen neuen Bands, die sich kürzlich erst gegründet haben! Und jede Band meint, unbedingt ein Album so schnell wie möglich rausbringen zu müssen. Da kommt man als Fan auch kaum hinterher...
Wolf: Schau mal, wenn Du als Fan schon nicht hinterher kommst, wie soll ich es dann? Ich bin in dem Sinne kein Fan, sondern eher ein Macher. Ich bin ja kein Konsument im Eigentlichen, der alles mit verfolgt. Dazu habe ich gar nicht die Zeit und die Intention. Wenn ich mal selbst Musik höre, dann auch manchmal klassische Musik und ganz andere Sachen! Aber dazu komme ich gar nicht so oft.
RockTimes: Wo wir dann auch beim Thema Klassik angelangt wären: Du hattest 2003 die "Classical" [Diese Platte enthielt von Wolf neu eingespielte Versionen klassischer Lieder - Anm.d.Verf.] veröffentlicht. Das war ja eher ein Spaßprojekt, aber ist davon eine Fortsetzung geplant?
Classical Wolf: Ja! Und die ist auch schon mehr oder minder im Kasten. Aber sie ist noch nicht erschienen, weil es gab für die Platte auch ein leicht anderes Konzept, das ich auch eines Tages machen will. Das ist ein bisschen größer angelegt. Diese "Classical"-CD war damals mehr ein, wie Du schon sagtest, Spaßprojekt. Die habe ich mehr oder minder ganz alleine gemacht mit zwei, drei Freunden, die mir ein bisschen ausgeholfen haben. Aber da waren keine anderen Musiker großartig dabei. Es war ja alles nur Gitarrenmusik in dem Sinne. Da haben wir leicht andere Pläne für den Nachfolger und das macht die Sache relativ kompliziert. Wird aber hoffentlich eines Tages in Angriff genommen! Aber seit wir die Sache mit Mark im Mai letzten Jahres ins Leben gerufen haben, bin ich vollends mit Accept beschäftigt. Doch sobald sich das ein bisschen beruhigt und eine kleine Pause eintritt, gehe ich da heran!
RockTimes: Deine Fotografen-Karriere liegt wahrscheinlich jetzt auch auf Eis. Geht's da auch weiter?
Wolf: Das mache ich nach wie vor, wenn ich mal einen Tag Zeit habe. Ich mache das super gerne, aber meine erste Liebe ist schon immer die Musik gewesen. Und wenn die Musik ruft, lasse ich sofort die Kamera fallen und renne auf die Bühne. Nur ist man natürlich nicht jeden Tag unterwegs und wenn ich zu Hause bin und irgendwie Zeit habe, mache ich auch schon einmal hier und da ein Fotoshooting. Ich will das auch nach wie vor immer parallel ein bisschen weiter laufen lassen, so lange ich kann. Aber so richtig intensive Sachen habe ich da in letzter Zeit eher weniger gemacht, weil ich eben so viel unterwegs war.
RockTimes: Wir sind auch schon bei der allerletzten Frage angelangt! Und zwar eine für mich höchstpersönlich interessante Frage: Ich selbst bin gebürtiger Mainzer und wohne dort auch schon immer. Du bist ebenfalls hier geboren. Hast Du einen persönlichen Bezug zu dieser Stadt oder als Kind dort gelebt? Accept wurden ja als Solinger Band bekannt...
Wolf: Ich war erst sechs Jahre, da sind wir schon dort weggezogen. Insofern habe ich daran nur ganz wenige Erinnerungen, aber einen kleinen Bezug habe ich dazu immer noch. Ich kann mich noch an den Karneval als Kind erinnern. Das war ja eine riesige Sache, der Mainzer Karneval. Meine Eltern haben das dann immer noch weiter gepflegt, aber ich hatte da später überhaupt keinen Bezug mehr dazu gehabt und fand das eher etwas albern. Meine Eltern hatten dazu aber immer mehr Bezug als ich und sich so etwas wie "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" im Fernsehen angeschaut [allgemeines Gelächter]. Was hatte ich dazu nur an Bezügen? Ich glaube, ich bin dort in den Kindergarten gegangen, aber habe trotzdem relativ wenig Erinnerungen an Mainz, muss ich gestehen.
RockTimes: Natürlich hast Du die abschließenden Worte des Interviews!
Wolf: Ja, wie gesagt, es freut mich, dass wir mal geredet haben und es ist klasse, dass Accept wieder zurück kommt. Wir freuen uns alle tierisch auf die Tour speziell im Januar und auf die kommenden Zeiten! Das ist eine spannende Zeit gerade im Leben!
Abschließend geht unser besonderer Dank an Sebastian Hubl von Brainstorm Music Marketing, der es uns ermöglichte, dieses Telefonat zu führen. Die einzelnen Tourtermine können hier eingesehen werden.
Externe Links: