Die Ärzte
31.12.2006, RheinEnergieStadion, Köln
Die Ärzte in Köln
Ärzte
RheinEnergieStadion Köln
31. Dezember 2006
Konzertbericht
Stil: Punk-Rock/Pop
Fotos: Stefan Üblacker

Artikel vom 05.01.2007


Udo Gröbbels
Hitfeuerwerk an Silvester vor Mitternacht
Unter dem Motto 'Ärzte statt Böller' gaben die Ärzte aus Berlin bereits Mitte des Jahres bekannt, dass man am 31.12.06 ein Konzert im Kölner RheinEnergieStadion (ehemals Müngersdorfer Stadion - dazu später noch mehr) spielen werde. Die Idee, ein Open-Air mitten im Winter zu veranstalten, war zwar sehr ungewöhnlich, aber die Fans waren begeistert und entsprechend schnell war das Konzert auch ausverkauft. Was die Anhänger der Ärzte dort genau erwarten würde, wusste zu diesem Zeitpunkt noch keiner.
Turnschuhe und Fans aus ganz Deutschland

Ärzte Einige Wochen vorher kamen dann konkrete Infos über die Homepage der Band: Das Konzert beginnt um 21.00 Uhr, und ohne Vorband wird bis Mitternacht gerockt. Was für die meisten Bands als unmöglich angesehen würde, ist für die drei älteren Herren aus Berlin nichts Besonderes, denn ein 'normales' Ärzte-Konzert dauert immer zweieinhalb bis drei Stunden.
Außerdem hatte die Band bzw. besonders Farin Urlaub dazu aufgerufen, am Abend des Konzertes alte Turnschuhe mitzubringen, die dann am Stadion gesammelt und später nach Mexiko versendet werden sollen, da man dort dringend auf Turnschuhe angewiesen sei. Genauere Infos über diese Aktion finden sich auf der Homepage der Ärzte.
Am Silvester-Abend war es dann endlich soweit und die Fans, welche schon über ein halbes Jahr mit den gekauften Karten ausharren mussten, kamen wie erwartet in Strömen und aus allen Himmelsrichtungen ins Stadion. Auf dem Parkplatz fanden sich Nummernschilder aus ganz Deutschland, im Publikum waren Hamburger, Berliner oder Fans aus Stuttgart keine Ausnahme.
Endlich wieder auf der Bühne vereint

Ärzte Um kurz vor 21.00 Uhr ging das Licht aus und pünktlich drei Stunden vor Mitternacht eröffneten die Ärzte mit Pyros und "Schrei Nach Liebe" den langen Konzertabend. Sofort fiel der für ein Open-Air-Konzert ungewöhnlich gute Sound auf, was daran lag, das mitten im Stadion zusätzliche Lautsprecher installiert waren, welche die Tribünen beschallten.
»Habt ihr uns vermisst ?« fragte Sänger und Gitarrist Farin Urlaub nach dem zweiten Lied und bekam ein aus 45.000 Kehlen gebrülltes »Ja« als Antwort. Die Band hatte nach den letzten Konzerten im Sommer 2005 eine längere Pause eingelegt (u.a für diverse Soloprojekte der einzelnen Musiker) und dies war nach über eineinhalb Jahren das erste gemeinsame Konzert. Man war nach eigenen Angaben selber auch aufgeregt und hatte ausnahmsweise sogar geprobt. Es folgte zunächst ein zweistündiger Block mit Hits aus allen Schaffensphasen der Band. Uraltnummern wie "Teddybär", "Teenager Liebe" oder "Zitronen-Eis" wurden genauso abgefeiert wie 'neuere Klassiker' à la "Schunder-Song", "Hurra" oder "Deine Schuld". Natürlich wurden zwischen den meisten Liedern wieder ausgiebige Ansagen getätigt: Die Ärzte sind für dieses Phänomen ja bekannt. Auf den Live-CDs (u.a. das legendäre "Nach Uns Die Sintflut"-Doppel-Album) sind auch immer ihre besten Live-Sprüche und Ansagen gesammelt.
Hommage an Jürgen Zeltinger

Ärzte Da es für die Ärzte kein Konzert wie jedes andere war, hatte sich die 'beste Band der Welt' auch wieder ein paar Specials einfallen lassen. So wurde gegen Abschluss des ersten Blocks um kurz vor 23.00 Uhr der alte Zeltinger-Klassiker "Müngersdorfer Stadion" gespielt und die Ärzte versuchten sich erstmalig in kölschem Gesang, was ihnen meiner Meinung nach erstaunlich gut gelang. Der Song ist die deutsche Version des Ramones-Klassikers "Rockaway Beach" und war einer der größten Erfolge von Zeltinger vor mehr als 25 Jahren. Nach "Ist Das Alles?" wurde eine kurze Pause eingelegt und Bela verabschiedete sich mit den Worten: »Wir müssen jetzt mal eben ins Sauerstoffzelt, bis gleich.«
Der Countdown beginnt

Ärzte In der letzten Stunde des Jahres 2006 gab es dann einen knapp einstündigen Zugabenblock, bei dem die Ärzte erneut in die reichlich gefüllte Hitkiste griffen. Höhepunkte waren sicherlich "Der Lustige Astronaut", aber auch der letzte große Hit, "Unrockbar", aus dem Jahre 2004, wurde mächtig abgefeiert. Für das Auge gab es auch noch ein paar Schmankerl wie die zwei Leinwände an den Bühnenseiten, die interessante Kameraeffekte zeigten oder auch Farin und Bela, die, laut Bela, endlich mal zusammen Silvester feiern konnten. Zwischendurch kamen die beiden sogar als Hase und Hahn verkleidet auf die Bühne.
Kurz vor Mitternacht wurde nach der Sylt-Hymne "Westerland" der größte Klassiker der Ärzte angestimmt, und 45.000 Zuschauer klatschen den Rhythmus von "Zu Spät" mit. Mitten im Song wurde dann runtergezählt und um 24.00 Uhr startete direkt über dem Stadion ein Feuerwerk. Da man seinen Mitreisenden erst mal ein »Frohes Neues Jahr« wünschen wollte und auf 2007 anstoßen musste, wurde auf der Bühne eine kleine Pause eingelegt.
Ärzte Gegen 0.10 Uhr verkündete Bela den Fans, dass man 2007 wieder ein neues Album veröffentlichen werde, was natürlich für Jubelschreie sorgte (immerhin das erste Studioalbum nach 4 Jahren). Anschließend wurde "Zu Spät" zu Ende gespielt und obwohl man um Mitternacht das Konzert hätte beenden sollen, gab es doch noch, in Form von "Dauerwelle vs. Minipli" und einer grandiosen Version von "Elke", eine allerletzte Zugabe.
Um 0.15 Uhr war endgültig Schluss und auf den Leinwänden gab es mit »Baut keinen Scheiß!« noch einen gut gemeinten Ratschlag der Ärzte für ihre Fans.
Nicht nur für mich war dies sicherlich eine völlig neue Art Silvester zu feiern, und dank der sehr milden Temperaturen von knapp 12 Grad noch um Mitternacht, war dieses Konzert eine sehr schöne Alternative zu den üblichen Silvesterparties mit Fondue und Bleigießen.
Ein gelungener Einstieg in das Jahr 2007.
(Danke an dieser Stelle an Stefan Üblacker für die Erlaubnis der Fotoveröffentlichung)
Bilder vom Konzert
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