Akrea / Lügenkabinett
Lügenkabinett Spielzeit: 46:33
Medium: CD
Label: Drakkar, 2010
Stil: Melodic Death Metal

Review vom 26.10.2010


Andrea Groh
Im ersten Moment dachte ich beim Anblick der Akrea CD "Lügenkabinett" bedingt durch den deutschen Titel und das Covermotiv, das ist bestimmt wieder neue deutsche Härte oder Gothic-Kramů
Nee, doch nicht, es gibt hier ordentlich Death Metal auf die Glocke, was mir schon lieber ist. Allerdings, wie der Zusatz 'melodic' schon andeutet: eher die moderne Variante davon. Oder wie das Info meint: Die Bands aus dem Süden der Republik schielen gerne nach Schweden.
Akrea wurden 2004 in Erbendorf (Bayern) gegründet, allerdings zunächst als Inner Aggression. Unter diesem Banner erschien 2007 die Eigenproduktion "Beginning Of An Inner War".
2008 wechselten sie ihren Namen, als sie den Plattenvertrag bei Drakkar Records unterschrieben. Akrea steht für eine Fantasiewelt, die jedoch eine Metapher für die (Psyche der) Menschen darstellen soll.
2009 erschien das Debüt "Lebenslinie". Nach einer Tour im Vorprogramm von den Apokalyptischen Reitern folgt nun 2010 "Lügenkabinett", in welches uns die Gestalt auf dem Cover einlädt. So gesehen macht das Motiv durchaus Sinn und es wurde auch jeder Song mit einem Bild oder Foto illustriert.
Texter Sebastian Panzer rechnet in den komplett in Deutsch gehaltenen Lyriks ab mit der Manipulation durch eine Gesellschaft, in der (Spaß-) Medien eine heile Welt vorgaukeln und eine Informationsflut das eigene Denken und Widerspruch zu ersticken versucht. Erscheinen Titel wie "Auf los gehts los!", "Versprochen ist versprochen" und manche andere Formulierungen auf den ersten Blick vielleicht etwas phrasenhaft, so haben sie doch Bedeutung und Aussage, mal eher symbolisch, mal eher direkt.
Musikalisch verpackt wurde diese Botschaft vorwiegend in Death Metal, obwohl auch Einflüsse aus anderen Sparten zugelassen werden. Manchmal kommt etwas blackmetallische Raserei dazu, wobei es nicht wirklich richtig böse wird, dafür sorgen dann wieder tempogebremste Parts oder melodischere Elemente (bei den Leadgitarren).
Dennoch ist es meistens Rumpelgrunz, wobei die Stimme auch mal keifen darf und man vor ruhigeren Zwischenspielen nicht zurückschreckt. Richtig sanft wird es allerdings nur bei dem Instrumental "Ach was bist du schön...", welches die Einleitung für "...so schön" darstellt.
Die vergangene Tour mit den Apokalyptischen Reitern hat wohl ihre Spuren hinterlassen, manchmal wirkt es fast so, als wollten Akrea eine dumpf-deathige Version der Thüringer sein, wobei sie von deren Abgedrehtheit und Souveränität weit entfernt sind, trotz aller Bemühungen im Songwriting. Dazu fehlt dann doch noch einiges, wozu auch der etwas matschig wirkende Sound beiträgt.
Akrea kommen meiner Meinung nach trotz gutem Willen (noch) nicht aus dem Mittelfeld heraus, in dem sich leider noch viele andere Bands tummeln. Fans der Apokalyptischen Reiter und / oder (modernerem) Death Metal, insbesondere schwedischer Prägung, können trotzdem mal reinhören, vielleicht findet manch eine/r ja Gefallen daran.
Neben der normalen CD gibt es auch eine limitierte Auflage mit Bonustracks (die mir leider nicht vorliegt), auf dieser sollen zusätzlich sein: "Ahnenrausch", ein Song aus Inner Aggression-Zeiten und eine Coverversion der finnischen Cello-Metaller Apocalyptica ("Distraktion").
Line-up:
Sebastian Panzer (vocals)
Stephan 'Schäffer' Schafferhans (lead guitar)
Fabian Panzer (guitar)
Christian Simmerl (bass)
Jonas Nelhiebel (drums)
Tracklist
01:Vier Sonnen (4:07)
02:Meteor (4:02)
03:Auf los gehts los! (4:53)
04:Versprochen ist versprochen (5:47)
05:Bühne frei (5:30)
06:Guten Tag (3:31)
07:Ach was bist du schön...(1:40)
08:...so schön (3:41)
09:Auf leisen Sohlen (4:04)
10:Zwischen den Welten (4:44)
11:Wilde Flut (4:34)

Bonus Tracks limitierte Version:
12:Ahnenrausch
13:Distraktion [Apocalyptica Interpretation]
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