Al Atkins / Demon Deceiver - The Sin Sessions
Demon Deceiver - The Sin Sessions Spielzeit: 55:00
Medium: CD
Label: Diesel and Glory, 2007
Stil: Heavy Metal

Review vom 26.05.2007


Stefan Gebauer
Außer eingefleischten Judas Priest Anhängern dürfte der Name Al Atkins den meisten Rock- und Metal-Fans weitestgehend unbekannt sein. Der mittlerweile fast sechzigjährige Sänger gründete 1969 die Band, aus der später die wohl einflussreichste Heavy Metal-Institution aller Zeiten werden sollte. 1973 verließ er Judas Priest in dem Glauben, dass doch nie etwas aus der Truppe werden würde. Eine Fehleinschätzung, die er sicher noch heute bereuen dürfte. Für ihn stieg ein gewisser Robert Halford ein und der Rest ist bekanntermaßen Geschichte. Nach seinem Ausstieg bekam Al Atkins musikalisch lange kein Bein mehr auf den Boden. Nach diversen fehlgeschlagenen Versuchen mit anderen Kapellen, veröffentlichte Atkins 1989 sein erstes Soloalbum "Judgement Day". Mit wenig Erfolg wohlgemerkt.
Mit "Demon Deceiver - The Sin Sessions" legt der Brite nun sein viertes Soloalbum vor.
Ich werde, wie schon beim Vorgänger "Victim Of Changes"(1998), den Verdacht nicht los, dass Al Atkins noch immer etwas verbittert und frustriert über seinen Ausstieg und den späteren Welterfolg seiner ehemaligen Kollegen ist. Schon beim Albumtitel erkennt der eingeweihte Priest-Fan Querverweise zu den Metal-Göttern aus Birmingham. Des Weiteren ist es dem Sänger erneut nicht zu peinlich, alte Priest-Klassiker neu aufzunehmen. Mag ja sein, dass er an der Entstehung einiger Nummern beteiligt war, aber von einem Übersong wie "Victim Of Changes" (der hier schon zum zweiten Mal von Mister Atkins aufgenommen wurde) sollte man doch besser die Finger lassen. Dieses Stück wurde bereits 1976 auf dem Album "Sad Wings Of Destiny" und 1979 in der Liveversion auf "Unleashed In The East" mit Rob Halford am Mikro zum unsterblichen Klassiker und bedarf beim besten Willen keiner Neueinspielung. Recht gelungen ist hinhegen das Remake von "Dreamer Deceiver", das nicht zuletzt durch die schöne Soloarbeit des Ex-Budgie-Gitarristen Simon Lees veredelt wurde.
Eigentlich hätte der Sänger solche Effekthascherei überhaupt nicht nötig und müsste sich nicht auf alten Lorbeeren ausruhen, denn sein eigenes Songmaterial kann sich durchaus hören lassen. Die übrigen Stücke bieten kernigen urbritischen Heavy Metal/Hard Rock. Schön gradlinig und direkt mit Ecken und Kanten, so wie es sein soll. Stücke wie das flott rockende "Bleeding", "Cradle To The Grave" oder "Blood, Demons And Whiskey", bei dem Diamond Head-Gitarrist Brian Tatler als Gastmusiker in die Saiten greift, versprühen den Charme alter NWOBHM-Songs, klingen dabei aber trotzdem nicht altbacken und sind perfekt auf die raue, rauchige Rock-Röhre des Frontmanns zugeschnitten. Komischerweise schielt das getragene "Drown", der einzige Song der Platte den Atkins nicht mitgeschrieben hat, erneut ein wenig in die Priest-Richtung, da er mich von der Rhythmik und vom Aufbau her etwas an "Solar Angels" erinnert. Dieser Titel hat sich zusammen mit "Bleeding" mittlerweile zu einem meiner absoluten Favoriten dieser Scheibe entwickelt.
Zusammenfassend muss man sagen, dass "Demon Deceiver - The Sin Sessions" abgesehen von der etwas fragwürdigen Neueinspielung von "Victim Of Changes" ein wirklich gelungenes klassisches Metal-Album geworden ist, das zwar wenig spektakulär aber dafür sehr unterhaltsam daher kommt. Alte Säcke, die mit dem Metal und Hard Rock der Siebziger und frühen Achtziger groß geworden sind, sollten mal ein Ohr riskieren.
Line-up:
Al Atkins (vocals)
Simon Lees (guitar)
Pete Emms (bass)
Mick 'The Anvil' Hales (drums)
Tracklist
01:Demon Deceiver
02:Money Talks
03:Blood, Demons And Whiskey
04:Drown
05:Sentenced
06:Victim Of Changes
07:Bleeding
08:God Help Me
09:Cradle To The Grave
10:Dreamer Deceiver
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