Peter M. Roese / Allgäu Sixties
Allgäu Sixties 656 Seiten
Broschiert
Medium: Buch
Lindemanns Bibliothek
Auflage: 2012
ISBN 9783881906302
14,80 EUR (D)

Review vom 16.10.2012


Sabine Feickert
"Allgäu Sixties", so der Titel, der mich neugierig macht und mich vermuten lässt, einen kurzweiligen Abriss über das Lebensgefühl der damaligen Zeit zu erhalten. Und die Musik, so vermute ich, wird darin eine prägende Rolle spielen, denn warum sonst, sollte das Rezensionsexemplar unserem Rockmagazin angeboten werden? Ok, ein bisschen einschränken muss ich das gleich wieder, denn manchmal kriegen wir auch ziemlich Abseitiges auf sonderbaren Medien angeboten. Warum also nicht ein Roman über die wilden Sixties?
Spannend hab ich mir das vorgestellt, wenn ein Zeitzeuge über Beatles, Stones, Woodstock und all das erzählt, was ich als 'Spätgeborene' nur vom Hörensagen, aus Filmen und natürlich der Musik kenne.
Vielleicht hätte mich das "Allgäu" schon stutzig machen sollen, denn als revolutionäres Zentrum machte diese Gegend eher weniger von sich reden. Aber so ein kleines bisschen revolutionärer Zeitgeist kann sich doch durchaus auch ins Alpenvorland verlaufen haben, oder?
Der Autor verbrachte seine Bundeswehrzeit Anfang der 60er Jahre dort. Sehr detailliert schildert er das Leben in der Kaserne, im Manöver und in der Freizeit. Sehr beschaulich ging es dabei (zumindest für heutige Verhältnisse) zu. Und die Musik? Spielt allenfalls eine Statistenrolle in der Form, dass Liedtitel aufgezählt werden, die der Wurlitzer der örtlichen Eisdiele oder auf einer Party laufen. Auch in diversen (Musik-)Kneipen hielt sich der Autor auf.
So weit - so gut!
Weniger Musik, mehr Zeitdokument wäre ja auch noch interessant wenn, ja wenn es denn lebendig und spannend geschrieben wäre. Leider ist keines der beiden wirklich der Fall. Lange Passagen des Buches sind in wörtlicher Rede verfasst. Allerdings so gesetzt und wohlformuliert, dass das Ganze von großer Behäbigkeit und Trägkeit erfüllt wird. Hier hätte ein beherztes Lektorat etliche Längen verhindern können. Es wäre hilfreich gewesen, wesentliche Passagen stärker auszuarbeiten und dafür Belangloses zu kürzen oder ganz zu streichen.
Dass die Welt zu der Zeit mehrfach kurz vor einem Atomkrieg stand, führt der Autor zwar im Epilog kurz an, im Buch gehen jedoch die entsprechenden Passagen einfach unter. Und auch der Zeitgeist wäre wahrscheinlich greifbarer und erlebbarer gewesen, wenn Einzelepisoden in den Blickpunkt geholt und ausgeführt worden wären. Statt Aufzählungen von Songtiteln hätten die damit verbundenen Gefühle, Reaktionen und Erlebnisse mehr Raum verdient.
Schade, denn interessant fände ich das Thema immer noch...
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