Angher / Hidden Truth
Hidden Truth Spielzeit: 39:48
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2008
Stil: Heavy Metal

Review vom 04.10.2008


Dion Kass
Angher - Seltsamer Name, seltsame Entstehungsgeschichte. Im Grunde als Ein-Mann-Projekt entstanden, nachdem das logischerweise einzige Gründungsmitglied, der Cellist Greg Korniluk, als Gastmusiker bei Apocalyptica (bzw. auf deren Album "Reflections") Blut geleckt hatte. Das war um 2004 herum, in welchem auch erste Probe-Aufnahmen gemacht wurden. Schnell merkte der Cellist aber, dass er alleine nicht weit kommen würde. So suchte man sich flugs ein paar gewillte Mitstreiter zusammen, um aus dem Projekt eine richtige Band zu formen. Einzig der Posten des Sängers war schwierig zu besetzen, bis mit dem variablen, aber bis dato unbekannten Adriano Almeida auch diese Lücke geschlossen war. Jetzt erscheint das erste Album der fünf Jungs, mit dem klangvollen Namen "Hidden Truth".
Und wie klingt das Ganze nun? Auf jeden Fall nicht wie Apocalyptica. Das ist auch gut so, denn einen weiteren Klon hätte es, bei dem eingeschränkten Spektrum an Musik, welche Apocalyptica dank der starken Fokussierung auf die Celli bieten, wirklich nicht gebraucht. Angher funktioniert eher anders herum. Hier wird relativ moderner Metal, mit Thrash Metal- (Richtung Pantera) und Metalcore-Versatzstücken gespickt, gezockt. Das alles wird dann noch von einem sehr elektronisch verzerrt klingenden Cello unterstützt, was aber seltener als man denkt zum Einsatz kommt. Verwunderlich, da Greg Korniluk das Ganze ja zum Leben erweckt hat.
Im Endeffekt geht jeder Song einfach nur gut nach vorne. Es ist schwer, schlechte Laune bei der gebotenen Musik zu bekommen, dazu ist der Kopfnick-Faktor einfach zu hoch. Die Cello-Passagen sind dabei immer sehr passend gewählt, fallen nie störend auf und ordnen sich stets den Riffs unter. Soweit ist das gut gelöst, am meisten Spaß machen Angher aber, wenn die Riffs vollends ausgespielt werden. Man mag es zwar kaum sagen, aber eigentlich ist das Cello schon fast ein wenig überflüssig. Wenn man diese Komponente in Zukunft aus verständlichen Gründen nicht entfernen will, so sollten sich Angher zumindest einen zweiten Gitarristen suchen. Denn klasse Songs schreiben können sie.
Wobei man aber auch sagen muss, das auf "Hidden Truth" ein gewisser Hang zur Trivialität herrscht. Manchmal wird auch einfach zu lange auf einem mehr oder weniger langweiligen Part bzw. Riff herumgeritten. Verbesserungsmöglichkeiten gibt es also genug. Es ist eben schwer, den schmalen Grat zwischen Spielfreude und Zurückhaltung zu finden.
Als Bonus gibt es noch eine etwas überflüssige DVD. Auf der sind Videoaufnahmen fast aller Songs, die auch auf dem Album sind enthalten. Leider haben die Aufnahmen einen furchtbaren Sound und werden so wahrscheinlich nicht mehr als einmal angeschaut. Sehenswerter ist da schon die knapp 20-minütige Dokumentation über die Aufnahmen, die man allerdings auch mal locker um die Hälfte hätte kürzen können.
Also, wer auf modernen Metal steht, dürfte durchaus Gefallen an der Scheibe finden. Leider haben Angher derzeit keinen Plattenvertrag, deshalb kann man "Hidden Truth" nur über die Bandhomepage ordern. Der Umstand lohnt sich aber, wenn auch in Zukunft noch einiges verbessert werden kann. Massig Potenzial ist aber vorhanden.
Line-up:
Adriano Almeida (vocals)
Grégoire Korniluk (cello)
Thibault Abrial (guitar)
Hugo Coste (bass)
Yves-Marie Lebert (drums)
Tracklist
01:Anger
02:Delusion
03:Twisted Brain
04:Emerge And Be
05:Unsaid
06:Numb
07:Prophecy
08:On The Ground Of Sanity
09:Hidden Truth
10:Going Down
11:Borderline
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