Animal Machine / Delirium Tremens
Delirium Tremens Spielzeit: 59:05
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2015
Stil: Blues, Soul u. a.

Review vom 23.02.2016


Mike Kempf
In letzter Zeit wurde ich mit sehr guten Blues Rock-Alben verwöhnt. Da kommt mir "Delirium Tremens" von Animal Machine gerade recht, denn ich kann jetzt eine musikalische Abwechslung gut gebrauchen.
Die Ursprungsquelle des 'Deliriums' der mir vorliegenden 'Tiermaschine' stammt aus Wien und besteht aus Jakob Wallner (Gesang, Gitarre), Tobias Pöcksteiner (Bass, Gesang) und Paul Peham (Schlagzeug, Gesang). Für ihre Debütplatte haben sie fünfzehn Songs entworfen, die sie in einer knappen Stunde als "Delirium Tremens" präsentieren und bereits im letzten Jahr dem Kunden zum Erwerb angeboten haben.
Bevor die Platte mit "Blind Elephant" beginnt, wird dem Zuhörer durch Alltagsgeräusche der Gang zu einer Privatfete suggeriert. Nach nur ein paar Sekunden hörbaren Small Talk heißt es 'bitte anschnallen', denn der 'Blinde Elefant' nimmt im Nullkommanix volle Fahrt auf und scheint dabei weder nach links noch nach rechts zu schauen, sondern donnert wie 'ne Mure durch meine Sinnesorgane. Ich kann mir gut vorstellen, dass beim Konsumenten bleibende Schäden, ob nun positiv oder negativ, nicht gänzlich ausgeschlossen werden können.
Fortlaufend stelle ich fest, dass sich das Austria-Trio nur schwer in eine bestimmte Genre-Schublade pressen lässt. Allein "Motorture" kommt gesangstechnisch derart schräg rüber, dass der Musikfreund das Teil vermutlich sehr interessant findet oder es am liebsten vor Aggressionsschüben in die Tonne treten möchte, denn ich kann hier kein gesundes Mittelmaß feststellen. Auch das anschließende "Plastic Surgery" verlangt wahre Nehmerqualitäten, denn die Band tobt sich so richtig aus und feuert aus allen Rohren. Doch bevor man nun geneigt ist, sich mit 'ner Ladung Baldriantropfen zu beruhigen, drosselt die Combo radikal das Tempo und lässt das Lied schon fast seriös austrudeln.
Trotzdem möchte ich die Schmuserockliebhaber, sensiblen Menschen und alle anderen Freunde ausgewogener Rockmusik warnen, denn "Delirium Tremens" ist nichts für Weicheier oder Zuhörer mit anfälligem Nervenkostüm. Allerdings gibt es mit "Frozen Sunshine" und "Bb-Motor" sogar radiotaugliche Songs, die sich völlig gefahrlos verköstigen lassen. Alle anderen Stücke der Tonkonserve können schon mal leichtes Sodbrennen verursachen. Stellvertretend sei hier noch einmal "Plastic Surgery" erwähnt.
Sicher, Animal Machine haben die Rockmusik nicht neu erfunden und rein vom instrumentalen Können sowie vom Gesang her, werden sie vermutlich nie einen Grammy abgreifen. Doch wenn ich bedenke, dass sich die Ösis neben 'normalen' Rockklängen mit reichlich experimenteller Musik auseinandersetzen, finde ich die Umsetzung ihres musikalischen Gedankenguts nicht nur mutig, sondern auch recht passabel. Mit "Delirium Tremens" hat die Kapelle nun ihr Erstwerk veröffentlicht und ich denke, dass sie sich noch in einer Entwicklungsphase befindet und das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht ist. Allein schon aus diesem Grund behalte ich die Band fest im Auge.
Line-up:
Jakob Wallner (Gesang, Gitarre)
Tobias Pöcksteiner (Bass, Gesang)
Paul Peham (Schlagzeug, Gesang)
Tracklist
01:Blind Elephant (4:16)
02:Spread Your Wings (4:29)
03:Delirium (3:56)
04:Motorture (1:39)
05:Plastic Surgery (5:44)
06:Fruits Of Rage (6:08)
07:Frozen Sunshine (4:15)
08:Aeroplane (4:13)
09:Bb-Motor (2:00)
10:Naked Skin (5:00)
11:Eastbound & Down (4:51)
12:Eat The Sky (3:47)
13:Over (2:36)
14:Motorkill (1:06)
15:Hornet (5:06)
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