Aphrodite's Child / End Of The World
End Of The World Spielzeit: 41:11
Medium: CD
Label: Esoteric Recordings, 2010 (1968)
Stil: Prog Pop


Review vom 12.08.2010


Ulli Heiser
Aphrodite's Child - wer es noch nicht weiß, könnte anhand des Göttinnennames aber drauf kommen: Die Band stammte aus Griechenland. Gegründet 1968 in Paris von Demis Roussos, Evangelos 'Vangelis' Papathanassiou, Lucas Sideras und (später) Silver Koulouris.
Genau, er ist es: Demis Roussos, der Mann, der später wohlbeleibt und in wallende Gewänder gehüllt, im Schlager-Mainstream sein Ein- bzw. Auskommen fand. Lässt man den Nachnamen weg, bleibt mit Vangelis ein weiteres, diesmal rein musikalisches, Schwergewicht, welches besonders, aber nicht nur, im Genre Filmmusik tätig ist.
Die Band veröffentlichte gerade mal drei Alben und das vorliegende "End Of The World" ist ihr Debüt. Spielt man die größten Hits an, wird wohl ein jeder »kenn' ich« sagen. Allerdings sind "Rain And Tears" und "It's Five O'Clock" nicht geeignet, Aphrodite's Child vollständig, oder besser korrekt 'einzuordnen'. Dazu muss man "666" kennen, ein Doppelalbum der musikalischen Umsetzung der "Offenbarung des Johannes". Dieses Konzeptalbum ist sicherlich eine der Mütter des Prog. Kommen (Rock-) musikalische Besucher in unser Haus, macht es mir immer wieder Freude, beim '»Weißt du, wer das ist?«-Spiel', auch "666" aufzulegen.
»Ja, die Stimme Irgendwie bekannt. Ich komme jetzt nicht drauf, aber ich hab diese Stimme schon mal gehört«. Wenn ich dann auflöse und der Name Demis Roussos fällt, hat sich schon mancher mit der Hand an die Stirn geklatscht. Im Zweifel helfe ich der Erinnerung nach und lege die Single "Schönes Mädchen aus Arcadia" oder "Goodbye My Love Goodbye" auf. Ja, zu Lern- und Demozwecken befindet sich auch solche (geerbte) Musik in der Sammlung. Auf jeden Fall folgten schon manche Kinnladen der Schwerkraft, indem sie nach unten klappten. Aber Demis und Schlager sowie das Album "666" sind eine andere Geschichte.
Das 1968er Debüt hat mit den beiden Chartsnummern "Rain And Tears" und "End Of The World" sicherlich zwei Ohrschmeichler am Start. "Rain And Tears" ist die Definition einer Schnulze (gewesen). Perfekt, um im pubertären Nahkampftanz Schlachten zu gewinnen. Aber Im Kontext des Albums und vor allem aus der zeitlichen Distanz betrachtet, ist das Stück gar nicht mehr so 'verdammungswürdig'. Ähnlich 'kuschelig' ist der Titeltrack, wobei "End Of The World" allerdings diesen Hauch psychedelischen Beats mitbringt. So klang einiges in den Sechzigern: Nicht Fisch, nicht Fleisch. Kein reinrassiges Psycho-Gebräu, keine leichte Beatnummer. Irgendwo dazwischen schmeichelt sich der Track angenehm in die Lauscher. Müsste ich entscheiden, welche beiden Stücke Aphrodite's Childs ein jeder in der Sammlung haben müsste, wären das zweifellos "End Of The World" und "The Four Horsemen" ("666").
Griechische Folklore, psychedelische und progressive Attitüden schlängeln sich durch das Album, dem man in diese Auflage mit der Single "Plastics Nevermore" und deren B-Seite "The Other People" zwei Bonustracks spendiert hat. Wenn auch nicht so 'extrem', wie in späteren Jahren, ist Demis' Stimme schon eine Nummer für sich. Wer dieses gepresst wirkende, ab und an fast weinerliche Timbre nicht ab kann, wird seine Probleme haben. Für mich ist dieser Schmelztiegel griechisch angehauchten Prog-Psychedelic-Pop-Beat-Rocks mit einem anderen Sänger fast undenkbar.
Abwechslungsreichtum ist eine weitere Hausnummer auf dem Weg zum 'Ende der Welt'. Eine Mischung aus Jahrmarkt und griechischer Tanzstimmung in "Mister Thomas", psychedelischer Grundtenor mit gesprochenen Passagen im meisterlichen "The Grass Is No Green", reinrassiger Beat bekommt man mit "Valley Of Sadness" und rockig präsentiert sich "You Always Stand In My Way", dessen Melodiefolge gar an "All Along The Watchtower" denken lässt. Psychedelisch, orientalisch angehaucht und vielleicht bereits in Richtung "666" weisend: "The Shepherd And The Moon". Auch "Day Of The Fool" hat mehr von "666", denn von "Rain And Tears". "Plastic Nevermore", der erste Bonustrack klinkt sich irgendwo dazwischen ein, mit seinen tiefstimmigen backing vocals, der fröhlichen Flöte und dem getragenen Rhythmus. Auch "The Other People" ist gut gewählt für dieses Album.
Wenn man den Output des späteren Schlagermenschen Demis Roussos sowie das Aphrodite's Childs Meisterwek "666" kennt, wird man auf "End Of The World" hier und da Wegweiser finden. Die Mischung aus den beiden musikalischen Ausrichtungen, die gegensätzlicher kaum sein können, macht den Flair vorliegenden Albums aus.
Line-up:
Vangelis Papathanassiou (keyboards, percussion, vibes, flute, vocals)
Demis Roussos (vocals, bass guitar, guitar, bouzouki)
Lucas Sideras (drums, percussion, guitar, vocals)
Tracklist
01:End Of The World
02:Don't Try To Catch A River
03:Mister Thomas
04:Rain And Tears
05:The Grass Is No Green
06:Valley Of Sadness
07:You Always Stand In My Way
08:The Shepherd And The Moon
09:Day Of The Fool

Bonustracks:
10:Plastic Nevermore
11:The Other People
Externe Links: