Atomkraft / Looking Back To The Future
Looking Back To The Future Spielzeit: 70:15 (Disc 1), 58:01 (Disc 2), 57:07 (Disc 3)
Medium: 3CD
Label: Minotauro Records, 2014
Stil: NWoBHM /Heavy Metal

Review vom 17.07.2014


Andrea Groh
Es war einmalů in Newcastle
Newcastle, England, 1979: Drei Typen gründen eine Metal-Band.
Wer hat da Venom gerufen?
Die sind nämlich nicht gemeint. Sondern die anderen Drei: Atomkraft.
Obwohl das Trio um Tony Dolan schon von Anfang an (personelle) Berührungspunkte hatte und auch beim gleichen Label, nämlich den ortsansässigen Neat Records, veröffentlichte, blieben sie stets im Schatten der legendären Cronos-Abaddon-Mantas-Truppe.
Woran lag das? Die Atom-Thematik war typisch End-70er und 80er und nicht so originell wie das überzogene Okkult-Image von Venom, die damals damit Aufsehen erregten. Doch das kann es nicht alleine gewesen sein. Musikalisch nicht soo weit entfernt, gelangen Atomkraft (meiner Meinung nach und damit bin ich wohl nicht alleine) nicht diese 'Boah'-Momente, die ich beispielsweise beim ersten Hören des Songs "Black Metal" hatte.
Auch hing man zeitlich stark hinterher. Der Schlangengift-Dreier debütierte 1981 mit "Welcome To Hell", während Tony und Co. erst 1985 ihren Erstling "Future Warriors" vorlegten. Zu dieser Zeit war der Markt schon deutlich gefüllter mit aufstrebenden (Extrem-)Metal-Bands. Die Thematik 'Krieger in einer zukünftigen (postapokalyptischen) Welt' wurde beispielsweise von Carnivore krasser gebracht.
»Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben« - scheint hier zuzutreffen. Rumpeliger Spät-NWoBHM schien damals nur noch am Rande zu interessieren (kam mir zumindest so vorů).
Denn dies sollte die einzige Full-Length-Veröffentlichung von Atomkraft bleiben. Der Rest der Diskografie besteht aus Demos, EPs und Compilations. 1988 löste sich dann die Band erst mal auf. Seit 2005 sind sie wieder aktiv. Zwischenzeitlich versuchte sich Tony 'Demolition Man' Dolan als Schauspieler und von 1989 bis 1992 war er Mitglied vonů Venom (wer hätte DAS gedacht), ersetzte vorübergehend Cronos. Bei "Zero Tolerance" von Mantas tauchte er 2004 auf und ist seit 2010 bei M:Pire Of Evil, die man als 'Sammeltruppe für Ex-Venom-Members' bezeichnen könnte.
Zurück in die Zukunft schauen
Doch es wäre falsch, zu behaupten, es hätte nie bzw. würde auch aktuell kein Interesse an Atomkraft gegeben. 1987 - quasi als Abschluss der damaligen Phase - gab es die Compilation "Atomkraft" und 2004 - quasi als Wiederanfang - die "Total Metal: The Neat Anthology".
2014 bringt das italienische Label Minotauro Records die ziemlich fette 3er-CD "Looking Back To The Future" heraus, die als Ergänzung zu der "Total Metal: The Neat Anthology" Sinn macht. Denn die enthaltenen 49 (!) Songs sind eine Zusammenstellung von mehreren Demos (von Anfang der 80er bis 2011, also nach der Re-Formation), Rehearsals und Live-Aufnahmen. Da hat man sich wohl wirklich einige Mühe beim Suchen von Material gemacht.
Klar, dass dabei dann einige Tracks mehrfach auftauchen und dass man oft Abstriche bei der (Sound-)Qualität machen muss - ist unter diesen Umständen eben anders, als wenn im Studio sauber überarbeitet wurde.
Looking Back To The Future Dafür gibt es Bilder (Plakate und Fotos) von damals, Liner Notes von John Tucker mit einigen Aussagen von Tony Dolan und ein kleines Poster. Man merkt: Das ist für die Fans gemacht. Genauso sollte man diese Veröffentlichung betrachten.
Ob man diese braucht, hängt von der persönlichen Einstellung ab:
Wer schon immer dachte »Atomkraft? Nein danke« und damit nicht (nur) den bekannten Aufkleber-Spruch aus den 80ern, sondern die Band meinte, die übrigens ihren Namen dem deutschen Slogan entnommen hatte, wird auch jetzt seine Meinung nicht ändern.
Neugierige können sich einen Eindruck in die Geschichte einer Gruppe verschaffen, die nie durchstarten konnte. Atomkraft-Anhänger (klingt irgendwie seltsam, oder? ... hier ist der Begriff rein musikalisch zu sehenů) können ihre Sammlung ergänzen.
Aktuelles Line-up:
Tony 'Demolition Man' Dolan (bass, vocals)
Steve Mason (drums, seit 2005)
Payre Hulkoffgarden (guitars, seit 2005)
Tracklist
Disc 1:
Atomized Demoed Album 1988
01:Annihilate The Bride
02:Sell It Fast
03:Tsunami
04:Dance Of The Immortals
05:Atomized
Conductors Of Noise Demos 1987
06:Rich Bitch
07:Teutonic Plague
08:Vision Of Belshazzar
09:Foliage
10:Requiem
11:The Cage
Demos 1980
12:Maniac Man
13:Warfare
Demos 1983
14:Total Metal
15:Death Valley
Rehearsal 1983
16:Un-named rehearsal
Rehearsal 1984
17:Made Of Iron (Funeral Pyre)

Disc 2:
Demos 1985
01:Pour The Metal In
02:Burn In Hell
03:Carousel
Demos 1993
04:S.M.B.
05:Yo Mutha
06:Head Smashed In Buffalo Jump
07:Break Beast
2011 Demos
08:Cold Sweat
09:Dead Again
10:The Darkening
11:Gripped
Live 1985
12:Original live intro
13:Future Warriors
Live In London
14:Total Metal
15:Vision Of Belshazzar
16:Foliage
17:Demolition

Disc 3:
Live In Poland 1988
01:Requiem
02:Teutonic Pain
03:Children Of The Grave/Four Horsemen
04:Welcome To Hell (with Wolfspider and Abaddon)
Live In Holland 2005
05:Pour The Metal In
06:Dead Again
07:Queen Of Death
08:The Darkening
09:Carnivorous
10:Funeral Pyre
11:ICGAF
12:Whiskey Drinkers
13:Rich Bitch
14:Cold Sweat
15:Total Metal
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