Don Airey / All Out
All Out Spielzeit: 55:44
Medium: CD
Label: Mascot Records, 2011
Stil: Classic Rock

Review vom 17.11.2011


Joachim 'Joe' Brookes
Ob man Don Airey wohl noch hinter seinem Equipment sehen kann? Bei seinem Keyboard-Fuhrpark wohl kaum. Gemessen am spielerischen Anteil auf dem neuen Album "All Out" dürfte das wohl auch nicht der Fall sein. Diese Platte könnte man als Werkschau für die unterschiedlichsten Keyboard-Instrumente durchgehen lassen. Schwarze und weiße Tasten, wohin man hört.
Irgendwo hämmert einer den Takt auf die Felle sowie Becken und Bassistisches bekommt man auch mit. Darrin Mooney am Schlagzeug und Tieftöner Laurence Cottle sind gut und erfüllen ihre Aufgabe als Adlaten des Protagonisten schon sehr gut. Der ansonsten bei Deep Purple auf der Gehaltsliste stehende Don Airey erlaubt uns, sich einen Überblick über seine eingesetzten Instrumente zu geben und die Liste im Booklet ist fast genauso lang, wie seine Danksagung. Bei zwanzig unterschiedlichen Keyboards hatte ich keine Lust mehr, weiterzuzählen.
Zweifelsohne ist Don Airey ein hervorragender Mann an den Tasten, aber für "All Out" scheint er mir einen (oder zwei) Schritte zu weit zu gehen. In der großen Breite des stilistischen Angebots ist der Hörer mehr als verwirrt, überhaupt so etwas wie Eigenständigkeit der anderen Musiker herauszuhören. Der Sänger Carl Sentance hat es da noch sehr gut, denn ihn hört man, wenn er ins Mikrofon shoutet.
Okay, "All Out" ist jetzt kein Album der unteren Kategorie. Da gibt es zum Beispiel guten Hard Rock und wir wissen ja nicht erst seit einem halben Jahr, dass dieser Stil und die Klassik gut zueinander passen. Airey geht auch auf Klassik-Wegen und das mainstreamige "Running From The Shadow" passt in fast jede Radionische.
Ein Keyboard-Spezialist stürzt sich auf einen Song des Gitarrenzauberers Jimi Hendrix. Da hört man doch glatt auch einen Sechssaiter durchschimmern. Es scheint, als wäre "Fire" demontiert und nicht wieder richtig zusammengesetzt worden. "Fire" hat ohne Zweifel Feuer, zieht aber von irgendwo her falsche Luft.
Es gibt allerdings auch ganz feine Tracks auf "All Out". Ein Joe Bonamassa hat da wohl deutlicheres Durchsetzungsvermögen, denn er ist in "People In Your Head" sehr wohl gut zu hören und steuert einen nicht unerheblichen Anteil am Gelingen des Songs bei. Bonamassa mal abseits seiner sonst gewohnten Pfade. Bernie Marsden hatte auch ein gehöriges Wort mitzureden. Er ist im fetzigen Opener "The Way I Feel Inside" dabei und setzt einen sehr guten Kontrast zum Tasten-Airey.
Die Ausritte in die Klassik hinterlassen einen klasse Eindruck. Da kommt der Hörer ins Schwärmen. Ein "Right Arm Overture" passt auch in die Emerson, Lake & Palmer-Vitrine und das mit Streicher- sowie Bläser-Klängen daher kommende "B'cos" fällt ebenfalls auf fruchtbaren Boden. Liegt es hier vielleicht daran, dass der Gitarrist Rob Harris ordentlich mitmischt?
Mit seiner philosophischen Länge von fast elf Minuten endet "All Out" in "Tobruk". Da kommt richtige Freude auf! Airey tastet sich sogar in den Jazz hinein und diese Nummer ist quasi der Klappentext zur gesamten Platte. Hier ist das musikalische Aufgebot groß und selbst Pink Floyd kommt plötzlich in der Geschichte vor.
Auf dem Coverbild ist Herr Airey nur zur Hälfte abgebildet. Nach dem Hören der Scheibe hat man diesen Endruck auch auf die Musik bezogen. Es hat den Anschein, als habe der Protagonist gar nicht alle Register gezogen. Einige Tracks sind imposant, andere eben nicht so prickelnd.
Line-up:
Don Airey (keyboards)
Carl Sentance (vocals)
Rob Harris (guitar)
Laurence Cottle (bass)
Darrin Mooney (drums)

Special Guests:
Joe Bonamassa (guitar)
Bernie Marsden (guitar)
Keith Airey (guitar)
Tracklist
01:The Way I Feel Inside (4:24)
02:Estancia (5:37)
03:People In Your Head (5:01)
04:B'cos (4:55)
05:Running From The Shadow (3:42)
06:Right Arm Overture (7:13)
07:Fire (5:14)
08:Long Road (4:35)
09:Wrath Of Thor (4:26)
10:Tobruk (10:37)
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