Reneé Austin / Sweet Talk
Sweet Talk
Danksagungen in Booklets sind ja etwas ganz Normales. So auch hier. Nimmt man die CD aus dem Juwelcase hat Reneé Austin eine kleine Überraschung parat: Sie bedankt sich beim Hörer:
»For letting me share a part of who I am with you. From my heart it is my sincere hope that these songs touch you...«.
So und nicht anders ist es. Austin bringt es in diesem kurzen Text auf den Punkt und musikalisch auch.
Ihre Stimme umfasst ein 5-stöckiges Haus und in jeder Etage fühlt sich Reneé Austin wohl.
Lehne ich mich zu weit aus dem Fenster, wenn ich feststelle, dass sie bei einem Delbert McClinton anzusiedeln ist? Diese Fragen können/mögen die beantworten, die die Musik der Austin kennen oder sich am Ende der Rezension entscheiden, sich auf die Suche nach diesem Silberling zu machen. Jetzt schon wünsche ich viel Spaß dabei.
Sie ist zweifelsohne im Blues verwurzelt. Auf den 11 Tracks ihres Albums "Sweet Talk", auf dem sie uns in ihren Lyrics nicht nur 'süße Worte' vermittelt, schaut sie sich aber auch gekonnt um und liefert eine Vielfalt an unterschiedlichen Liedern auf dem Teller des Blues.
Fetziges als auch Slowsongs, alle haben ein besonderes Flair und die vier Tracks, die von Bruce McCabe (1), Joanna Cotton (1) und Kevin Bowe (2) geschrieben wurden, sind passgenau für die Austin gemacht.
Wo fange ich nun an? Viele Songs bleiben schon beim ersten Hören in den Kleidern (äh, Gehörgängen) hängen. Insbesondere aber zwei, die ich mal als die ersten Aufhänger für den Rundling auflisten möchte: "Bury The Hatchet" und "Fool Moon".
Die ersten Gitarrentöne von Kevin Bowe, das Piano gesellt sich dazu und spätestens nach dem Einsatz der Sängerin ist man im Spinnennetz gefangen und Reneé Austin macht es einem echt schwer, dem vor dem Ablauf der Stunde zu entkommen.
Sie kann (auch) so richtig dreckig, wie in "Bury The Hatchet", singen. So wie man es sich in Songs dieser Klasse wünscht!
Wer spielt hier Slide-Gitarre? Andy Dee. Der hat's, die Klasse des famosen Kevin Bowe. Von mir aus lasst uns das Kriegsbeil wieder ausgraben und dann wieder begraben. Immer wieder!
Mit "Fool Moon" sitzen wir in dieser vielzitierten, verrauchten Bar. Piano, der Gitarrist hat die Halbakustische mit ihrem warmen Klang geschultert, der Schlagzeuger greift zu den Jazzbesen und der Bassmann produziert sanfte, relaxte tiefe Töne.
Und hier haben wir dann eine weitere Seite der wandlungsfähigen Stimme der Sängerin. Diesen bluesig-jazzigen Titel interpretiert sie hingebungsvoll. Ihre Präsenz strotzt nur so vor Kraft und Einfühlungsvermögen.
Kommen wir zu weiteren Highlights des Albums: "Pretend We Never Met". Das kommt doch nicht von ungefähr, dass sie ein Duett mit Delbert McClinton singt?
Ja, wenn man sich die gesamte CD angehört hat, kommt man zu dem Schluss, dass sie eine musikalische Verwandtschaft zu dem Herrn hat.
Sie bekommt es nicht nur stimmlich hin zu glänzen. Hatte ich vorgestern noch diverse CDs anderer Ladies im Player, haut mich der Gospel von "Bottom Of A Heart" heute um.
Manche würden Freudensprünge machen, wenn sie einen Song wie "Not Alone" ihr eigen nennen könnten. Austin teil uns mit, dass man irgendwie nie alleine ist.
Joe T. Cook versprüht mit seiner Harmonika Blues-Feeling satt und wir werden von dem Rhythmus so richtig schön eingelullt, aber wenn Bowe sein Gitarrensolo hinlegt werden wir wieder hellwach.
Sie kann es auch so richtig rockig: "Poor The Sugar Slowly". Alles, was einen Song dieses Genres auszeichnet, hat Bowe dem Track gegeben. Riffige Gitarre, Hooks und Breaks.
Seinen großen Auftritt hat Andy Dee im letzten Song: "Black Pearl". Joe T. Cook ist auch wieder mit von der Partie und der typische Bluessong ist ein mehr als würdiger Abschuss.
Ohne weitere Nummern des Albums näher zu betrachten, bleibt einfach nur festzustellen: Reneé Austin hat es, kann es und man kommt aus dem oben erwähnten Spinnennetz nicht raus.
Besonders empfehlenswert!!!
Line-up:
Reneé Austin (lead vocals/background vocals)
Delbert McClinton (duet vocals - #2)
Kevin Bowe (lead/rhythm guitar/background vocals)
Dik Shopteau (bass)
Bruce McCabe (piano/electric piano/clavinet)
Paul Diethelm (lead/rhythm guitar)
Billy Thommes (drums/percussion)
Jeff Victor (organ/electric piano)
Andy Dee (slide guitar)
Joe T. Cook (harmonica)
Joanna Cotton (vocal harmonies - #3)
Daryl Burgess (vocal harmonies - #3)
David Jensen (trumpet)


Spielzeit: 45:01, Medium: CD, Blind Pig Records, 2003, (Soul-) Blues
01:Not Alone (4:03) 02:Pretend We Never Met (3:52) 03:When Something Is Wrong (3:30) 04:Pour The Sugar Slowly (3:51) 05:Bottom Of A Heart (4:00) 06:Fool Moon (4:50) 07:Bury The Hatchet (4:19) 08:Unraveling (4:40) 09:Bitter Water (3:56) 10:Ain't Nobody (3:58) 11:Black Pearl (4:02)
Joachim Brookes, 27.08.2006