Babylon Bombs / Babylon's Burning
Babylon's Burning Spielzeit: 49:40
Medium: CD
Label: Babylon On And On Records, 2009
Stil: Sleaze Rock


Review vom 02.12.2009


Moritz Alves
Ganze drei Jahre sind ins Land gezogen, seit die Babylon Bombs ihren saustarken Vorgänger Doin' You Nasty unters Volk brachten. Eine verdammt lange Zeit ist das, wenn man bedenkt, dass diese Truppe zweifelsohne zu den besten ihre Zunft gehört und neben Hardcore Superstar und Crashdiet die Speerspitze des aktuellen Szene darstellt. Nach einer solch langen Pause war es immens wichtig, ein echtes Juwel nachzulegen, um sich bei den Anhängern wieder in den Synapsen festzubeißenů
Dass das den Schweden-Sleazern gelungen ist, darf ich gleich mal verraten. "Babylon's Burning", so der Titel der neuen Langrille, kommt mit mindestens zehn Oberknallern um die Ecke und sleazt sich derartig schön in die Ohrmuscheln, dass es eine wahre Freude für jeden Skandi-Sleaze-Fan ist, sich dieses Album mit voller Lautstärke in die Fresse zu geben.
Dabei ist die vorab erschienene Single "Goobye Good Luck" (der Track konnte schon Ende 2008 begutachtet werden) bei weitem nicht der beste Song, den uns die Schweden anno 2009 kredenzen. Dieser steht nicht nur in der Trackliste weit hinten, sondern muss auch vom Hitpotenzial her eher abseits vom sonstigen Material einsortiert werden. Die wirklichen Knaller werden einem nämlich schon zuvor serviert, und da fällt es mir wirklich schwer, mich bei den Nummern 1 bis 10 zu entscheiden, welche Songs hier eine Idee mehr herausstechen. Angefangen beim von Streichern unterstützten Opener "Liberation", bleiben die catchy Refrains und Bridges von "Resurrection Love", "Nobody's Home", "It's Alright", "Winding Road", "Rattle My Bones" sowie vom Titeltrack wie dicker Sirup in den Gehörgängen kleben. Solche Arrangements lassen die Bombs meilenweit aus dem Sleaze-Brei herausragen und sichern dieser Scheibe ganz nebenbei einen Platz unter den Alben des Jahres.
Hier sleazt und rockt es an allen Ecken und Enden, hier trieft das Make-up und klebt das Haarspray, hier fließen Schweiß und Bier in Strömen, so dass man nur noch begeistert die Fäuste in die Luft recken und mitgröhlen kann. Auch die ein oder andere Dosis Jack Daniel's gehört zweifelsohne dazu, wenn einem lyrische Glanztaten der Marke »You put me down in the name of jealousy/ It don't matter at all/ 'Cause I'm an old school son of a bitch/ I do the talkin' with my fist/ Got your six-guns loaded/ But you can't catch me/ It don't matter at all/ 'Cause I'm a handsome son of a gun/ Raisin' hell and havin' fun« entgegen geschleudert werden. Hier wird das Rock'n'Roll-Rebellentum gelebt und zelebriert!
Wenn man ob so viel Attitüde doch lieber die ein oder andere Träne vergießen möchte, ist das völlig okay, denn auch dafür sind die vier Schweden gut und verabreichen mit der kraftvollen, an Cinderella erinnernden Ballade "It's Alright" sogleich das Allheilmittel gegen Trennungsschmerz. Der lebensbejahende Kracher "Resurrection Love", der ziemlich zerbrechlich beginnt, schlägt in eine ähnliche Kerbe, ermutigt er doch alle einsamen und gebrochenen Herzen zu einem Neuanfang. "Nobody's Home" versprüht, ganz wie die Bandhymne "Babylon's Burning" haushoch Attitüde und reckt den Stinkefinger trotzig allen Zweiflern und Hassern entgegen, und wenn man bei der zweiten Single "Liberation" dazu aufgefordert wird, endlich seinen müden Hintern zu bewegen, aus seinem lahmen Lebenstrott auszubrechen und die Nacht mit seinem Haarspray einzufärben (»The clock is tickin' you need to get away/ Paint the night with your hair spray«), dann muss jeder Rocker einfach nur dankbar sein für diese großartige Band.
Wer es bisher nicht glauben wollte, dem sei ganz einfach gesagt, dass die Babylon Bombs sich damit endgültig als ernstzunehmende Größe in der Szene etabliert haben. Soviel Herzblut und Ausdrucksstärke, soviel Attitüde und Großkönnerei habe ich lange nicht mehr auf einer Silberscheibe vernehmen dürfen. Doch "Babylon's Burning" haut mit dreckig-rockigen, eingängigen Sleaze-Perlen ordentlich auf die Zwölf, macht insgesamt einfach nur Spaß und weckt bei jedem Hörer den Hunger auf echten Rock'n'Roll - diese Scheibe ist extrem ansteckend! Ganz dicker Tipp!
Line-up:
Dani (vocals & guitars)
Jon (guitars)
Swaint (drums & percussion)
Ricky (bass)
Tracklist
01:Liberation (3:54)
02:Babylon's Burning (3:44)
03:Resurrection Love (3:48)
04:Nobody's Home (4:31)
05:Angel Eyes (3:18)
06:It's Alright (4:57)
07:Anywhere The Wind Blows (5:27)
08:Winding Road (4:04)
09:Rattle My Bones (4:00)
10:Shine On (4:21)
11:Goodbye Good Luck (3:36)
12:Fade Away (4:02)
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