Bad News Reunion / Just One Night (Live)
Just One Night Live Spielzeit: 66:20
Medium: CD
Label: Sireena Records, 2012 (1997)
Line Music (1998, ohne Bonus)
Stil: Rock


Review vom 16.06.2012


Ulli Heiser
Vor ziemlich genau zehn Jahren fand meine erste Begegnung mit Bad News Reunion statt. Und es war eine gute Begegnung.
Sireena sorgt nun für ein Wiederhören und zwar mit einem Live-Mitschnitt aus der Hamburger Fabrik vom 7. Mai 1997.
Hamburg - das ist auch die Heimat der Band und wenn man sich diese Show anhört, muss man den Hut ziehen, denn was diese Truppe um den Gitarristen Abi Wallenstein auf der Bühne zelebriert, ist mitnichten deutsche Hausmannskost. Abi, den man nicht zu Unrecht als »Vater der Hamburger Blues-Szene« oder »lebende Legende des Blues« bezeichnet ist in der Tat eine Größe unter den deutschen Musik-Urgesteinen. Seit über 45 Jahren steht der Mann auf den Bühnen und im letzten Jahr bekam er verdientermaßen den German Blues Award.
Ihm zur Seite stehen Michael Schlüter (Gesang und akustische Gitarre), Jochen Brückner (Gesang, akustische Gitarre und Percussion), Martin Prill (Bass), der NDR-Redakteur und Moderator des Eurovision Song Contests Peter Urban (Piano und Orgel), Uli Kringler, seines Zeichens studierter Musiker [u. a. klassische Gitarre] (elektrische und akustische Gitarre, Mandoline, Backing Gesang sowie Percussion) und Schlagzeuger Heinz Lichius, Dozent an der Hamburg School of Music (einzige staatlich anerkannten Berufsfachschule für Rock, Pop und Jazz in Norddeutschland), dem man nachsagt, er sei »einer der besten Drummer Europas«. Eine gewaltige Schlagkraft also: mehrstimmiger Gesang und gleich vier Gitarren.
Brachial geht es aber nicht zu, eher angenehm im folkigen Westcoast-Gewand mit Bluesanleihen der intelligenten, der spannenden, der anderen Art. Willie Dixons "Hoochie Coochie Man" gibt es in einer dermaßen entstaubten, groovigen, ja, fast funkigen Version auf die Lauscher, dass einem Hören und Sehen vergeht. Und der Klassiker zeigt auch sofort die Klasse von Bad News Reunion, denn sicher spielen den "Hoochie Coochie Man" alleine im Hamburger Umland etwa 361 andere Bands auch. Aber anders, näher am Original angelehnt. Nicht so Abis Truppe, denn mit den Fähigkeiten der beteiligten Musiker ist eine andere Ebene möglich. Und auf dieser anderen Ebene geht es mit spürbarer Freude aller Beteiligten gut zur Sache.
Gleich der Opener "Tears" zeigt, dass das berühmte Händchen für das Songwriting vorhanden ist. Packend, rockig und mit einer starken Hookline wird dem Hamburger Publikum eingeheizt. Besonders Perlen wie "Warm Love", "True Love Of My Life" oder "Sixteen Days" zeigen, mit welcher Leichtigkeit und Luftigkeit eine Atmosphäre geschaffen wird, die das eine oder andere Mal an Bands wie Steely Dan, Little River Band, Phil Carmen oder auch an Lee Clayton (nach dessen Country-Phase) gemahnt. Auch die eben Genannten sind bekannt für vordergründig scheinbar locker-flockigen Drive, der zwar wie aus dem Handgelenk geschüttelt daherkommt, aber durch unbändigen Groove den Hörer zu fesseln und zu begeistern vermag. Und durch den mehrstimmigen Gesang (herrlich hier das mit akustischen Gitarren veredelte "Sixteen Days") sind Parallelen zu den Meistern dieser vokalen Kunst, Crosby, Stills, Nash & Young, nicht von der Hand zu weisen ("Everybody Knows").
Es ist eine Ohrenfreude, den Kompositionen zu folgen, den eingebauten Gitarrenparts, die mal akustisch und mal elektrisch die Tracks veredeln. Und spätestens wenn die Orgel ihre Klangteppiche webt, muss man sich daran erinnern, dass hier eine Hamburger Band zugegen ist. Erinnerung kommt auch hoch beim Beatles-Cover "Ticket To Ride". Vielleicht hätten Bad News Reunion besser eine anderes Stück der Fab Four nehmen sollen. Geht das Pop-Stückchen bei Sir Paule und den Jungs in Ordnung, unterfordert es das Line-up der Hamburger doch enorm. Zumindest dann, wenn man vor der heimischen Anlage sitzt. Auf der anderen Seite bekommt man mit solchen Gassenhauern live aber immer dankbare Publikumsblicke. Kritik auf hohem Niveau also.
Ganz anders das nächste Coverstück. Attestiert man, was man unbedingt muss, dem
Rudi Madsius eine fast schon unheimliche stimmliche Nähe zu Van Morrison, so kann man Michael Schlüter durchaus Ähnliches zusprechen. Allerdings ist der Vergleich in diesem Fall mit Bob Dylan zu ziehen. Dessen "Like A Rolling Stone" ist einfach nur erstklassig dargeboten. Dieses »erstmals auf einem Tonträger zu hörende« Stück ist Bonus im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht alleine wegen Michaels Stimme, sondern auch wegen starken Gitarrenparts und natürlich die Orgel wiederů
Sireena hat mit Bad News Reunions Liveplatte ein schönes Zeitdokument für die Freunde guter Rock- und Blues Rock-Musik aufgelegt und sind wir mal ehrlich: Man muss das Festland nicht verlassen, um hervorragende Musik zu finden.
Line-up:
Michael Schlüter (vocals, acoustic guitar)
Abi Wallenstein (vocals, electric guitar)
Jochen Brückner (vocals, acoustic guitar, percussion)
Uli Kringler (electric & acoustic guitar, mandolin, backing vocals, percussion)
Peter Urban (piano, organ)
Martin Prill (Bass)
Heinz Lichius (drums & percussion)
Tracklist
01:Tears (4:32)
02:All The Woman That I Want (4:03)
03:Warm Love (4:01)
04:True Love Of My Life (7:47)
05:Two Steps Forward (3:40)
06:Sixteen Days (8:05)
07:Hoochie Coochie Man (8:55)
08:Everybody Knows (4:42)
09:Our Old Song (4:40)
10:Ticket To Ride (5:56)
11:Silver City (3:47)
Bonus Track:
12:Like A Rolling Stone (6:14)
Externe Links: