Baden Bah! / Futuro/a
Futuro/a Spielzeit: 21:58
Medium: EP
Label: Eigenproduktion, 2014
Stil: Rock

Review vom 10.11.2014


Steve Braun
Schon mal von Baden Bah! gehört? Ich setze mal einen Fünfer auf ein 'Nein' als Antwort! Es gibt Platten, die auf 'normalen Wegen' niemals auf unseren Schreibtisch gelangen würden. Was einem dabei entgehen kann, demonstriert dieses Quartett aus Salamanca, tief im Heartland Spaniens gelegen.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, über keine befriedigende Einblicke in die spanische Rockszene zu verfügen (was sich unbedingt ändern muss). Deshalb muss ich altbekannte Kultrocker wie die Heroes del Silencio oder Amaral bemühen, die allerdings beide in Baden Bah!s "Futuro/a" durchaus trefflich auszumachen sind. Erstere sind in ihrem energisch vorwärtstreibenden Rock auszumachen - letztere finden sich in geschmeidig-poppig eingängigen Strukturen wieder. Als unverwechselbar eigenständige Note bringt Bassist Damián Peña Steffen fette 'Hörner' - in "Alma" auch Streicher - in die Kompositionen. Diese klingen täuschend echt - man muss das Booklet schon ganz genau studieren, um zu realisieren, dass hier keine Bläserfraktion am Werk war, sondern 'nur' ein Keyboard eingesetzt wurde.
Seit zwei Jahren ist die Band nun unterwegs und legt nach dem ersten Album, "Aleph" (2012), mit "Futuro/a" eine EP nach. Allerbeste Unterhaltung in gut zwanzig Minuten, bei der man nachspüren kann, wie gut das spanische Idiom in der Rockmusik integriert werden kann!
Bereits "Futuro" stürmt in den siebenteiligen Songreigen, als ob es (Achtung, Wortspiel) kein Morgen gäbe - ein treibender Rocker, der den Heroes bestens zu Gesicht gestanden hätte. "Iguazú" zieht durch die gleiche Furche, während "Invicto" frappierend an den Sound von Gianna Nannini erinnert und sich als ein herber, aber trotzdem sehr eingängiger Ohrwurm entpuppt, der vor allem durch messerscharfe Bläsersätze glänzt. Als die natürliche Single stellt sich das glänzende "Cajón" heraus. Gesangslinie wie Melodieführung der Gitarre fräsen sich gleichermaßen tief ins musikalische Langzeitgedächtnis ein.
Aber auch die balladesken Kapriolen hat Baden Bah! bestens drauf. "Universo" ist genau das, was man als eine Powerballade, mit schöner Piano- und Bläseruntermalung, bezeichnen mag. Das abschließende "Alma" zieht zwar das Tempo wieder an, jedoch bringen Cello- und Violinenklänge einen Hauch der typisch spanischen Melancholie in dieses Stück, das - wie (lediglich) im Begleitschreiben erwähnt - einen Bonustitel darstellen soll.
Baden Bah! offenbart sich nach den Boo Devils als die zweite faustdicke Überraschung aus Spanien in diesem Jahr. Es bleibt abzuwarten, ob es das Quartett auch 'in voller Länge' bringt. Diese Band sollte man also im Auge behalten - hoy y en el futuro/a!
Line-up:
Juan Carlos 'Jimmy' López Encinas (voz, guitarras)
Pepe Lomo (guitarras)
Damián Peña Steffen (bajo, teclados y voces)
Jorge Orejudo (batería)
Tracklist
01:Futuro (3:13)
02:Iguazú(3:08)
03:Invicto (3:13)
04:Universo (3:04)
05:Ruleta (3:52)
06:Cajón (2:51)
07:Alma (2:47)
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