Been Obscene / The Magic Table Dance
The Magic Table Dance Spielzeit: 45:12
Medium: CD
Label: Elektrohasch, 2010
Stil: Stoner Rock

Review vom 16.10.2015


Michael Breuer
Eine Österreich-Trilogie Teil 3
Back to the Roots - der direkte Weg zum Rock'n'Roll kennt wohl keine Straße, die nicht über den Underground führt. Und von dort aus hätten sie an die Spitze kommen können, die vier Jungs aus Salzburg, die sich einst aufmachten, dem etwas einseitigen Begriff der modernen Stonermusik ein modernes Gesicht zu verpassen. Sie waren auf dem Weg dorthin, waren Österreichs liebstes Kind der aufbegehrenden Musikgeneration und dann war es plötzlich zu Ende. Ich werde den Tag wohl nie vergessen. Immer schon eng verbunden mit dem Schaffen der Band, erreichte mich die Nachricht von der Auflösung genau in dem Moment, als ich mich auf ein aufregendes
Space Debris-Konzert am Abend freute. Ich hätte heulen können, an jenem Freitag. Mir war kotzübel, weil ich es einfach nicht verstehen konnte.

Das ist Geschichte.
Damals aber, in jenen Tagen des Jahres 2010, da verzauberte eine kleine vierköpfige Kombo aus dem Herzen Salzburgs die Stonerwelt mit einer von Stefan Koglek und Elektrohasch verlegten, kleinen Musiksensation. "The Magic Tabledance". Eine Scheibe, die alles vereinte, was Rockmusik zu bieten hat. Ein manchmal fast artrockiges Ambiente mit dezenten Gitarren, sensiblem Gesang voller Harmonie und Einfühlsamkeit und dann wieder Riffgewitter aus psychedelisch aufgeladenen Gitarren und tief gestimmten Bässen, voller rhythmischer Exzesse und Exkursionen. Mann, da fegte dir der astrale Wind des rockmmusikalischen Universums um die Ohren, nur um im nächsten Moment in krautrockigen Rhythmusverspieltheiten deinen musikalischen Verstand einzufordern. [siehe auch das Review von Joe, die Redaktion].
Been Obscene nannten sich die vier Jungs aus der Kultur-Weltstadt, aber obszön war ihre Musik nie, eher das Gegenteil. Mit ihrem kultiviert harmonisierten Stil gaben sie der Stonermusik, zu der man sie prinzipiell zählen muss und die man eigentlich mit dem Begriff Retro Rock in vielen Fällen besser definieren würde, auf alle Fälle eine völlig neue Ausrichtung. Schon der instrumentale Opener und gleichzeitig das Titelstück zeigte, dass Been Obscene einen Plan hatten. Einen Plan für grandiose neue Musik. "Uniform" und "Impressions" sind zwei weitere fantastische Kompositionen, die sie auch live ganz besonders stilsicher und innovativ interpretierten. Aber diese Scheibe birgt ein Juwel, welches mir bis zum heutigen Tag als einer der schönsten Rocksongs des neuen Jahrtausends so manchen erregten Abend bereitet hat. Macht Euch bereit für "Demons":
Ein Stück, das mit sphärisch melodischer Gitarre ein stetig anwachsendes Crescendo heraufbeschwört, beginnend mit sanften Saitenklängen, von Thomas mit unglaublich viel Gefühl eingesteuert, bis hin in die Riff geschwängerten, ekstatischen Ausbrüche der Leadgitarre von Peter; ein Parforceritt, bis du dich eingefunden hast auf den Vibes der Band. Und über allem thront der Steuermann am Schlag, Robert, der mit aberwitzigen und unkalkulierbaren Rhythmen und seinem Dicke-Saiten-Mann Philipp an seiner Seite ein Feuerwerk abreißt, dass es nur so kracht.
Doch dann nehmen sie sich zurück und vermitteln ihre Botschaft. »Watch the demons coming, coming from the west«. In diesen Tagen der immer dramatischer eskalierenden, weltweiten politischen Entwicklungen klingt diese Warnung wie ein Aufschrei eines gerechten Universums. Geopolitische Kriegstreiber, abartige Waffenlobbyisten und über allem ein untoter transatlantischer Pleitegeier eines pervertierten Bankenkartells, der in Agonie mäandernd die westliche Welt in ein morbides Zukunftsszenario reißen möchte, das alles bestimmt inzwischen unsere Welt und da klingt das »Watch the weather changing« fast noch human. »The demons come from the west«? Ja Mann, und wie sie kommen. Been Obscene haben uns schon damals darauf hingewiesen, dezent und einen Schuss weit höflich, wie es immer ihre Art war, und wir sollten diese Botschaft endlich verstehen.
Aber wie sehr man den Song auch ökologisieren oder politisieren mag, vor allem ist "Demons" eine unfassbar geile Komposition, ein Rocksong wie aus den Geschichtsbüchern, ein modernes
Child In Time oder Stairway To Heaven, voller dramatischer Momente und Steigerungen, voll von inspirierender Kraft und Melodik.
Been Obscene haben fantastische Songs geschrieben und diese perfekt umgesetzt, zu allerletzt sogar in einem hinreißenden Unplugged-Kostüm. Nur wahrhaft gute Musik kann auch auf Elektrik verzichten, wer damals dabei war im Zirkuszelt auf der Salzburger Festwiese, der weiß, was ich meine.
Genau das war mein großes Glück, die Band begleiten zu dürfen durch einige ihrer genialsten Momente, mögen sie für immer in unseren Herzen erhalten bleiben. Been Obscene ist Geschichte, aber die Jungs sind es noch lange nicht. Ich hoffe Euch endlich und bald wieder auf der Bühne zu sehen, denn da gehört Ihr hin. Darum beende ich meinen Ausflug in die Rockmusik unseres 'kleinen' Nachbars mit einem Wunsch. Dem Wunsch, dass aus den fruchtbaren Wurzeln der Been Obscene schon bald ein neuer Spross alpenländischer Rockmusik erwachsen möge, der uns gerne mal wieder über die Grenze lünkern lassen wird. Auf geht's, Buam!
Line-up:
Thomas Nachtigal (vocals, guitar)
Peter Kreyci (guitar)
Philipp Zezula (bass)
Robert Schoosleitner (drums)

Additional Vocals:
Haris Turkanovič (#2,3,5)
Angela Luger (#3)
Emanuel Krimplstätter (#8)
Tracklist
01:The Magic Table Dance (5:15)
02:Uniform (3:55)
03:Come Over (5:20)
04:Freakin' Rabbit (2:12)
05:Impressions (4:52)
06:Demons (13:57)
07:Ring Ring (1:28)
08:How It Feels (8:12)
Externe Links: