Beyond The Fields / The Falcon Lives
The Falcon Lives Spielzeit: 46:47
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2015
Stil: Celtic Folk Pop

Review vom 29.04.2015


Sabine Feickert
Celtic Folk Rock vom Bodensee, der nach eigenen Angaben irische und amerikanische Folk-Traditionen mit Rock- und Punk-Einflüssen mischt, trudelte Ende letzten Jahres in meinen Briefkasten und verursachte beinahe einen Treppensturz... - aber dazu später mehr.
Rund um Singer/Songwriter André Bollier, der zum Gesang auch die Akustische zupft, haben sich bei Beyond The Fields vier weitere professionelle Musiker gesellt. Bassist Marcel Bollier, der als Musiklehrer und Berufsmusiker »von Jazz über Salsa bis Gospel und Rock« alles spielt und unterrichtet, deckt ein ähnlich breites Portfolio ab wie Geigerin Eva Wey. Eddy Sloof an Drums und Percussion studierte Musik und Tontechnik in Holland, sammelte Erfahrungen als Tour-Drummer und verfügt mittlerweile über ein eigenes Tonstudio am Bodensee. Und auch Uwe Schaefer an Mandoline und Gitarre ist sicherlich nicht nur im Hinblick auf das eigenhändig restaurierte Haus in den Schweizer Alpen ein versierter Handwerker. Fünf Musiker also, die technisch einiges auf dem Kasten haben; was können. Genau da liegt für mich so ein bisschen der Knackpunkt sie können es 'zu gut' für diese Musikrichtung. Ganz sicher scheiden sich da auch immer wieder die Geister, bei mir springt der Funke nicht so wirklich über.
Nicht dass "The Falcon Lives" ein schlechtes Album wäre, aber emotional erreicht es mich nicht. Der Opener "Perfect" hat beispielsweise schon Pep. Auch "The Artist's Song" hat was, ist einer dieser Songs, der unter anderen Umständen so ein melancholisches Gefühl auslösen könnte. Wäre da nicht dieses zu offensichtlich aufgesetzte knarzige Element im Gesang. Das, was vielleicht als punkige Anleihe gedacht ist, weckt bei mir eher Assoziationen an Stimmbandkatarrh denn an durchsoffene Kneipennächte. Kleines Highlight ist das Geigenintro zu "The Canterbury Tales Part 1: The Traveller's Lament" - überhaupt die Fiddle gefällt mir insgesamt recht gut. "Blue Murder", die Hommage an den gebürtigen Schotten Alistair Hulett, der später in Australien mit Roaring Jack bekannt wurde, lässt mich in der Beyond The Fields-Version die Backing Vocals vermissen, noch bevor ich das Original mit selbigen überhaupt gehört habe.
Nun noch zum sechsten Song - "Dark Waters", der zum oben schon angedeuten Beinahe-Treppensturz geführt hätte. Die CD lief ein Stockwerk tiefer im Rechner; dieser Song ließ mich auf- und die Treppe runterspringen, in der Befürchtung, YouTube hätte sich selbsttätig aktiviert. Aber nein, da war kein "Passenger" aus zusätzlicher Quelle im Spiel, der wird hier nur überreichlich deutlich 'zitiert'... die 'emotionale Berührung' ist allerdings keine Positive. Zig nochmal hören und noch genauer hinhören später fällt mir dann auch endlich ein, wen ich bei dieser Nummer als 'Einfluss' noch stark durchhöre Midnight Oil. Bei mir persönlich (ich mag Iggy und Midnight Oil, wie auch Irish Folk ausgesprochen gerne - jedes für sich) fällt "The Falcon Lives" durch diesen Stilmischmasch glatt durch durchaus in dem Bewusstsein, dass das eine ziemlich subjektive Geschichte ist. Genauso wie der Aspekt, dass sie mir einfach zu 'glattgebügelt' ist.
Wer in der Hinsicht nicht so 'zimperlich' ist, kann auf "The Falcon Lives" vieles entdecken, was die Grundzutaten für Irish Folk in der kontinentalen Variante so hergeben. Und radiokompatibel wäre die ein oder andere Nummer darauf mit Sicherheit auch, das oben angesprochene "The Canterbury Tales Part 1: The Traveller's Larment" beispielsweise.
Line-up:
André Bollier (Gesang, Akustikgitarre)
Marcel Bollier (Bass)
Uwe Schaefer (Mandoline)
Eddy Sloof (Schlagzeug, Percussion)
Eva Wey (Fiddle)
Tracklist
01:Perfect
02:One Of Those Days
03:The Artist's Song
04:The Canterbury Tales Part 1: The Travellers Lament
05:Blue Murder
06:Dark Waters
07:Beyond The Fields
08:The Falcon Lives
09:Home
10:I Wonder If You're The One (Guess I'll Never Know)
11:All I Really Need
12:Any Time
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