Big Walker / Root Walking
Root Walking Spielzeit: 46:04
Medium: CD
Label: BWK Records, 2012
Stil: Blues

Review vom 23.07.2012


Joachim 'Joe' Brookes
Derrick Roy Michael Walker aka Big Walker hat eine bewegte Vergangenheit vorzuweisen. Der 1953 geborene Bluesmusiker zog 1962 mit seiner Mutter nach San Francisco und wenn man sich für Musik interessierte, war es klar, dass unter anderem Jimi Hendrix, Janis Joplin oder
Jefferson Airplane Einfluss ausübten.
Bei Paul Butterfield hatte er Harp-Unterricht und Bobby Forte (B.B. King) sowie Nole Juks (Jimmy Witherspoon) brachten ihm den Umgang mit dem Saxofon bei. Walker setzt das Holzblasinstrument übrigens auch auf vorliegender Platte ein. »Derrick played with The Eddie Ray Rhythm And Blues Band, and the Luther Tucker Band backing artists such as Lowell Fulson, Percy Mayfield,
Big Mama Thornton, Sonny Roads, Jimmy McCracklin and Sugar Pie De Santos. Derrick played with Michael Bloomfield and he was on his LP recording "Cruising For A Bruising".«
The Soul Rebels war eine weitere Station und Mitte der Achtzigerjahre war er in Europa unterwegs. Er gründete The Black & White Blues Band und von 1987 bis '92 war er Mitglied von The Grinders, die in Norwegen, Island, Schweden Dänemark und Deutschland tourte. Big Walker ist auch Schauspieler (Broadway-Musical "Big River") und hat für einige Filme Songs komponiert. Außerdem spielte er auf einigen Eric Bibb-Alben mit.
Neben "Root Walking" veröffentlichte er noch ein weiteres Album unter dem Titel "Still Dream Walking" (2009). Hier ist nicht nur Eric Bibb als Gast aufgeführt, sondern auch noch Jimmy Dawkins und Zora Young.
Ein wenig Künstler-Geschichte lohnt sich immer. Nun aber zu "Root Walking". Unten auf dem Cover steht: »Afro-American poems from 17-1800 put to music and original songs.« Walker hat den einen oder anderen Originaltext bearbeitet, damit er in die heutige Zeit passt. Ihm wurden die Gedichte bereits vorgetragen und er gab sie weiter an seine Kinder. Einige Lyrics stammen aber auch aus der Feder von Big Walker persönlich.
"Root Walking" ist Blues... verdammt guter Blues, zu dem nicht nur der in jeder Hinsicht überzeugende Protagonist beiträgt. Stevie Klasson spielt eine ganze Menge an Saiten-Instrumenten und aus seinem Dunstkreis kommt der Bassist Surjo Benigh. Eine besondere Freude war es, The Duke Of Honk (unter anderem The Bitter Twins, Diamond Dogs, Midnight Scraper,
The Solution) im Line-up von "Devil's Cloth" zu finden. Hier geht es mächtig in Richtung New Orleans und an dieser Stelle ist auch gleich der Chor zu nennen. Was Nevada Cato sowie Derek January an Soul- und Gospel-Feeling in die Songs einbringen, hat mich beim ersten Hören von "Raise A Ruckus" umgehauen. Na ja, nicht ganz, denn ich war bei der Autofahrt angeschnallt. Aber nichtsdestotrotz... die beiden singen verdammt gut.
Musikalisch geht es quer durch das Blues-Beet. Gospel und New Orleans hatten wir schon. Der traditionelle 12-Takter mit einem Chicago-Rhythmus darf natürlich auch nicht fehlen und was uns Big Walker als Schlusspunkt und Ausrufezeichen mit "Slave" serviert, ist eine Art Trance-Gospel-Soul-Blues auf höchstem Niveau. Mit über neun Minuten ist es der Spielzeit-Ausreißer auf der Platte. So oder so ein Highlight, denn nach dieser brillanten Nummer folgt noch ein verstecktes Stück Voodoo-Blues mit dem Titel "She Hoo Doo Me". Ein gigantisches CD-Ende!
Ganz gleich welchen Track man auf "Root Walking" ansteuert, der Zeiger der Begeisterung schlägt immer bis zum Anschlag aus und hier kann man beim Hören nur Freude haben. Klar, Klasson spielt mit seinen vielen unterschiedlichen Saiteninstrumenten eine wichtige Rolle, aber was der Protagonist persönlich auf der Harp beziehungsweise dem Saxofon zelebriert ist erste Kajüte. Big Walker... eine Entdeckung des bisher verregneten Sommers 2012.
Hin und weg ist man von dem treibenden "Raise A Ruckus", der Klasson Slide-Gitarre auf "Wild Black Bill", dem durchschimmernden Country bei "The Hypocrite Blues" oder dem Southern-Flair von "Papa Guede" mit feiner Gitarre à la Derek Trucks. "Root Walking" kommt so schnell nicht in den Plattenschrank. Hats off, Big Walker!
Line-up:
Derrick Big Walker (all lead vocals, harmonica, saxophone)
Stevie Klasson (guitars, acoustic guitar, slide guitar, acoustic slide guitar, tremolo guitar, mandolin, baritone mandolin, background vocals)
Maxie Dread (guitars)
Slim Notini (piano)
The Duke Of Honk (organ)
Surjo Benigh (double bass, Fender bass, percussion, background vocals)
James Bradley Jr. (drums, background vocals)
Frederik Hellberg (drums)
Calle Drugge (percussion)
Bai Jack (percussion)
Nevada Cato (background vocals)
Derek January (background vocals)
Paris Renita (background vocals)
Consuelo Del Pilar (background vocals)
Tracklist
01:It's Hard (3:31)
02:Raise A Ruckus (2:32)
03:Wild Black Bill (3:26)
04:Run Nigri Run (3:50)
05:The Hypocrite Blues (2:05)
06:Can't Take That Train (4:03)
07:Midnight Special (4:31)
08:You Git A Home In That Rock (3:09)
09:Papa Guede (2:44)
10:Devil's Cloth (2:56)
11:Thirteenth Full Moon (3:56)
12:Slave/She Hoo Doo Me (9:22)
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