Black Sabbath / Paranoid - Classic Albums
Paranoid - Classic Albums Spielzeit: 97:00
Medium: DVD
Technische Daten:
DVD 5, Dolby Digital Stereo
Bild: 16:9
Ländercode: NTSC Region 0
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Sprache: Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch und Portugiesisch
Label: Eagle Vision, 2010
Stil: Rock



Review vom 10.07.2010


Markus Kerren
Als Black Sabbath Ende 1969 zum ersten Mal in ein Aufnahmestudio gingen um ihr Debütalbum aufzunehmen, so geschah dies eher nebenbei zwischen endlosen Bar-Konzerten und der Hauptgrund war, ihren Eltern, die den vier Musikern konstant damit im Nacken saßen sich endlich einen 'vernünftigen' Job zu suchen, etwas vorzeigen zu können. Nach zwei Aufnahme-Sessions von jeweils zwölf Stunden ging es dann Hals über Kopf zurück auf Tour und irgendwie geriet das kurze Studio-Abenteuer bei der Truppe recht schnell wieder in Vergessenheit bis die Band plötzlich in einem Musikmagazin entdeckte, dass sich da unverschämter Weise irgendeine andere Combo denselben Namen ausgesucht und mit ihrer Scheibe in Top 20 der englischen Charts eingestiegen war Da war erstmal jede Menge Überzeugungskraft von außen erforderlich, um den vier Jungs aus Birmingham begreiflich zu machen, dass es sich dabei um ihr eigenes Album handelte.
Nach diesem fantastischen Überraschungserfolg ging es dann nur wenige Monate später zurück ins Studio, um einen Nachfolger einzuspielen. Und genau mit dieser - "Paranoid" getauften - Scheibe befasst sich die "Classic Albums"-DVD-Reihe. Alle vier Musiker konnten für Interviews gewonnen werden und auch der damalige Sound-Ingenieur Tom Allom kommt ausgiebig zu Wort, während die Entstehungs-Geschichte dieses Klassikers nacherzählt wird. Wer diese Serie bereits kennt, darf und wird auch hier keine Neuerungen bzw. Veränderungen im Konzept erwarten. Der Inhalt besteht wie gewohnt aus bereits erwähnten Interviews, dem Analysieren der einzelnen Tracks am Mischpult sowie alten Live-Ausschnitten, wobei hier auf Konzerte aus den Jahren 1970, 1974 (California Jam), 1978 (bereits als "Never Say Die" erschienen) und kurze Schnipsel aus dem Beat-Club zurückgegriffen wurde.
Wie für den Erstling wurden die meisten Songs für "Paranoid" ebenfalls im Tourbus oder beim Jammen auf der Bühne geschrieben, Und auch für diese Scheibe wurden lediglich ein paar Tage im Studio verbracht. Aber mehr war auch gar nicht nötig, da das Quartett nach jahrelangem, schier nie enden wollenden Touren eine dermaßen gut geölte Maschine war, dass die meisten Tracks nach nur ganz wenigen Takes im Kasten waren. Ebenso wird noch einmal deutlich, welch einen großen Einfluss der sich damals in voller Blüte (wenn man dieses Wort in diesem Zusammenhang überhaupt verwenden kann) befindende Vietnam-Krieg auf die Texte hatte. Also nix mit Satan, Teufelsanbetern und dem ganzen Quatsch
Obwohl alle Musiker der Band grundsätzlich immer als Co-Komponisten genannt werden, hatte ich in den letzten Jahren - spätestens nachdem ich erfuhr, dass Geezer Butler für 98 % der Texte zuständig war - doch so meine Zweifel, was die Beiträge von Ozzy Osbourne und Bill Ward betraf. Besser belehrt wurde ich allerdings durch diese DVD, herrlich eingefangen z. B. von der ersten Aufnahme des Songs "Paranoid". Ozzy hat da tatsächlich schon genau die Melodie am Start, die in die Musikgeschichte eingehen sollte. Geezer schrieb als Ersatz für Ozzys Improvisationen zwar einen komplett neuen Text, aber die komplette Gesangsmelodie wurde beibehalten. Und so geschah es lt. Aussage von Iommi und Butler bei 19 von 20 aller von der Band komponierten Tracks.
Natürlich ist durch die Beiträge von Musikjournalisten und der Black Flag-Legende Henry Rollins auch ein bisschen Beweihräucherung mit dabei, aber das steht dem Album auch zu und stört nicht. Die drei Instrumentalisten geben uns noch Anschauungsunterricht was, beziehungsweise wie und warum sie bestimmte Riffs und Noten an bestimmten Stellen gespielt haben, bzw. wie der Sound von Iommis Gitarre zustande kam und auch an Anekdoten mangelt es nicht.
"Paranoid" wurde seit seinem Erscheinen im September 1970 bisher ca. zwei Millionen Mal verkauft und hatte von jeher einen riesigen Einfluss auf die Kreation eines vollkommen neuen Genres, das sich später Heavy Metal nennen sollte, wie auch auf unzählige aufstrebende junge Gitarristen. Absolut würdig also, um von der "Classic Albums"-Serie berücksichtigt zu werden. Knapp 100 Minuten allerbeste Unterhaltung - und ganz nebenbei auch noch geile Musik - werden hier geboten, sodass man, vorausgesetzt man erwartet keinen Konzertfilm oder ausgespielte Songs, mit dieser DVD ganz hervorragend bedient wird. Speziell natürlich, wenn man an der Geschichte und den Hintergründen dieser Band interessiert ist. Bezüglich der Lächerlichkeit, dass diese DVD mit der Altersbeschränkung 'Ab 12 Jahren' gekennzeichnet wurde, erspare ich mir hier lieber mal jeglichen Kommentar.
Sehr gelungen!
Line-up:
John 'Ozzy' Osbourne (vocals)
Tony Iommi (guitars)
Terry 'Geezer' Butler (bass)
Bill Ward (drums)
Externe Links: