Bleach & Chlorine ging 2009 aus der Band Noir hervor. Noir gab es seit 2005 und zu dem Zeitpunkt war es zunächst ein Solo-Projekt von Markus Pott (Vocals). 2007 kam Marvin Ruppel (Drums) dazu und langsam aber stetig wuchs man zu einer Band heran. Nach ersten Gigs veröffentlichte Noir einen Tonträger namens "Demo(n)" und hatte Auftritte beim Dortmunder Festival 'Rock in den Ruinen' beziehungsweise 'ChaRocky' in Neuss. Als Support-Band war man mit Jack Frost und End Of Green unterwegs.
Nun geht es mit Bleach & Chlorine auf zu neuen Ufern und man hat sich »ein wenig von den relativ deutlichen Gothic-Einflüssen« verabschiedet. Das Quartett aus dem geografischen Dreieck Dortmund, Münster und Osnabrück bringt in den zehn Kompositionen sehr wohl rockige Härte und phasenweise dunkle Ecken unter. Mit nur einem Sechssaiter, gespielt von Hannes Bigge, baut man gigantische Gitarrenberge auf. Die Riffs sind geschmiedete Klangkaskaden und reichen durchaus bis ins metallische Metier.
Die Combo gibt sich auf ihrem Debüt unter dem Namen Bleach & Chlorine einen deutlichen Stempel der Eigenwilligkeit und versteht es auf überzeugende Art mit Tempo und Dynamik zu jonglieren. So finden sich immer wieder Strecken, in denen die Band sich deutlich von der Härte verabschiedet und herrliche Phasen der Besinnung einfließen lässt.
Markus Pott verfügt über eine energische Stimme und kann auch in höheren Tonlagen überzeugen, auch wenn er sich eindeutig mehr in der zupackend-tieferen Abteilung tummelt. Besonderer Respekt gebührt der Gruppe, wenn man bedenkt, dass "Life At The Bottom Of The World" eine Eigenproduktion der Band ist. Man spürt deren musikalische Erfahrungen auch im Sound der Scheibe. Da bleibt beim Hörer, selbst bei heftiger Betriebsamkeit, kein Ton auf der Strecke und Bleach & Chlorine versteht es sogar, einen mit einem Abstecher in elfenhafte Gefilde zu überraschen, wenn Harfen- oder Streicher-Klänge produziert werden.
Wow, die Riff-Ideenkiste ist verdammt groß und wenn Bigge zu seinen Soli anhebt, geht es rund mit der vielzitierten Paula. Balladeske Momente werden in das überzeugende Songwriting eingeflochten wie Selbstverständlichkeiten. Man kann auch sagen, dass dieses eines ihrer Markenzeichen ist. Der Vierer macht richtig Tempo und man findet stante pede eine Verbindung zur Musik, vielleicht auch gerade deswegen, weil Bleach & Chlorine mit Klängen aufwartet, die man nicht unbedingt von einer Gitarre erwarten.
Ohne eine gut aufspielende Rhythmusfraktion ist eine Kapelle ja fast nur die Hälfte Wert. Marvin Ruppel sowie Thomas Jachan (Bass) bauen genau das richtige Fundament für die hinlangende Musik. In den einzelnen Tracks setzen Bass und Drums unüberhörbare Akzente, die sich, bezogen auf das Schlagzeug nicht nur in Double-Bass-Action ausdrückt. Jachan kann einerseits verdammt viel Tiefdruck erzeugen, andererseits zupft er die dicken Saiten seines Arbeitsgerätes auch sehr melodisch.
Was mit balladesken Momenten bereits angesprochen wurde, wird in "Black Widow" zu einem Überraschungsmoment, bei dem sich Ostern und Weihnacht ganz nahe sind. Da spielt plötzlich jemand, der nirgends Erwähnung findet, als Einleitung ein wunderschönes Klavier. Als Einleitung? Man meint, gleich asphaltiert die Band den harten Rock wieder mit einem neuen Belag. Pustekuchen! Die schwarzen und weißen Tasten sind prägend für diese Nummer und irgendwie hört man auch keine anderen Instrumente. Wer ist der Mann am Klavier, der auch noch ein beeindruckendes Solo hinlegt? Mit dieser Komposition hat Bleach & Chlorine echt den Überraschungsfaktor gepachtet.
Jetzt muss man quasi mit allem rechnen und die Band zeigt in "Pictures" eine weitere, nicht geahnte Facette ihres Könnens, denn mit dieser Nummer serviert man eine akustische Ballade mit tollen Backing Vocals. Ruppel trommelt sanft, so als würde er Paukenschlägel verwenden. Respekt ... das ist eine richtig gutes Lied! Mit "Bastards (Live From The Bottom Of The World)" liefert man gleich noch einen akustischen Track aus der verkehrsberuhigten Zone ab.
Das Debüt-Werk der deutschen Band Bleach & Chlorine hat mit Abwechslung und Überzeugungskraft beeindruckt. Glückwunsch!
Line-up:
Markus Pott (vocals)
Hannes Bigge (guitars)
Thomas Jachan (bass)
Marvin Ruppel (drums)
| Tracklist |
01:The Room (6:21)
02:Melancholia (4:04)
03:Treachery & Revenge (3:18)
04:The Principle Of Control (5:05)
05:Lost In Many Ways (4:16)
06:Fragile Essence (4:07)
07:Black Widow (3:58)
08:Mania (5:06)
09:Pictures (4:21)
10:Bastards [Live From The Bottom Of The World] (4:30)
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