Bodyguerra / Freddy Nothing As It Seems
Freddy Nothing As It Seems Spielzeit: 71:51
Medium: CD
Label: Dust On The Tracks Records, 2013
Stil: Hard Rock, Classic Rock

Review vom 25.05.2013


Joachim 'Joe' Brookes
"Freddy ... Nothing As It Seems" ist ein Konzeptalbum. Um wen geht es? 'Freddy' ... so nannte seine Mutter Vera ihren Harold Frederick Shipman (1946-2004). Er war Arzt und entfremdete seine Aufgabe, Menschen dabei zu helfen, wieder zu gesunden. Zwischen 1970 und 1998 brachte er zirka zweihundertfünfzig Menschen in den Tod. Die Dunkelziffer beläuft sich auf über vierhundert. Der Mediziner wurde zu fünfzehnfacher, lebenslänglicher Haft verurteilt und er nahm sich 2004 selbst das Leben.
Diese Thematik ist die Grundlage für Bodyguerras Debütalbum "Freddy ... Nothing As It Seems". Musikalisch verpackt das Quartett aus Nordrhein-Westfalen die Geschichte in Hard- beziehungsweise Classic Rock. Dabei darf es durchaus historische Anleihen aus den Siebzigerjahren geben. Allerdings hat Bodyguerra es drauf, ihre ganz persönliche Sache zu machen.
Auf dem Album wurde dem roten Faden der Story "21 Market Street" als 'Radio Edit' vorgeschaltet. Ab "Dr. Death" dreht sich dann alles um diesen skrupellosen Arzt. Der erste Track ist in keiner Weise eine Nullnummer. Bodyguerra powern richtig gut los. Der Opener lässt Hoffnungen aufkeimen, dass noch dreizehn klasse Songs erwartet werden können. Erinnerungen an Pink Floyds "The Wall" werden aufgerufen, wenn "Dr. Death" mit einem Kinderchor beginnt. Das Stück geht unter die Haut, hat alles, was ein toller Rocksong haben muss, um beim Hörer anzukommen.
Nach einer wunderschön entspannten Einleitung serviert uns Bodyguerra in "Castle In The Dark" Hochoktaniges mit dynamischen Balladenanteilen. Daniel Seebass ist ein vortrefflicher Sänger vor dem Herrn des Hard Rock ... ein Markenzeichen der Combo. In "Vera" geht es um die Mutter des Mörders. Bodyguerra driftet geschickt und bemerkenswert in ruhigere Gefilde ab, ohne rockige Einschübe aus den Augen zu verlieren. Guido Stöckers Gitarre ist natürlich allgegenwärtig und er prägt mit seinem Riffing und tollen Soli den Sound genauso wie der Shouter.
Allerdings sollte man Bassist Stefan Schlenke und Hermann Focke (Schlagzeug) im Gesamtkonzept des Bandsounds nicht unterschätzen. Beide geben den Nummern einen entsprechenden Drive. Stefan Schlenke liefert wunderschön-melodische Basslinien und Hermann Focke steht gleichbedeutend für akzentuierten Beat und ein höllisch guter Doublebass.
Bei "Spin The Needle" befindet sich Bodyguerra wieder im Vollgas-Modus und rockt den Highway. Mit der Story um den berüchtigten Harold Frederick Shipman spielt sich die Band mit internationaler Klasse nachhaltig in die Köpfe der Hörerschaft. Breaks und Tempowechsel sorgen immer wieder für Aufmerksamkeit, fesseln einen quasi an die Boxen, aus denen es mit Vehemenz und Lautstärke tönt. "21 Market Street" wiederzuhören ist ein Geschenk. "No Proof For Innocence" ist nur eines der Highlights auf der mit fast zweiundsiebzig Minuten sehr gut gefüllten Platte. Bodyguerra macht Langeweile zu einem Fremdwort und Melodie ist ein weiterer Trumpf, den die Gruppe ausspielt. In "In The End" zeigt die Combo, wie man mit Höchstgeschwindigkeit und Stakkatoriffing begeistern kann.
"Coming Home" ist das Sahnehäubchen auf der Scheibe. Guido Stöcker schultert die akustische Gitarre, zupft sie mit iberischem Flair und begleitet Daniel Seebass' einfühlsamen Gesang. Streichersounds machen die Runde und über die gesamte Spielzeit des Tracks bleibt man bei diesem eher besinnlich-nachdenklichen Ambiente. Klasse!
Mit "Freddy ... Nothing As It Seems" haut Bodyguerra ein Debütalbum raus, das es in sich hat. Es überzeugt auf ganzer Linie und mit hohem Niveau. Hut ab! Sehr gut sind auch die Hintergrundgedanken der Band auf deren Homepage unter dem Menüpunkt 'Album': »Detaillierte Informationen über "Freddy" finden sie hier!«
Line-up:
Daniel Seebass (vocals)
Guido Stöcker (guitar)
Stefan Schlenke (bass)
Hermann Focke (drums)
Tracklist
01:21 Market Street [Radio Edit] (3:41)
02:Dr. Death (4:46)
03:Castle In The Dark (7:11)
04:Vera (5:54)
05:Spin The Needle (4:24)
06:Path Of Eden (3:49)
07:The Retreat (4:17)
08:I Wanted All (4:51)
09:21 Market Street (4:46)
10:No Proof For Innocence (5:53)
11:Smoke Without A Fire (4:31)
12:In The End (4:56)
13:Last Transfer (5:57)
14:Coming Home (6:57)
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