Bonefish / Same
Same Spielzeit: 49:05
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2013
Stil: Blues Rock, Rock

Review vom 30.06.2014


Joachim 'Joe' Brookes
Dem schwedischen Musiker Bie Karlsson ist es zu verdanken, dass es Bonefish gibt. Die um 2010 gegründete Band steht für vom Americana beeinflusste Rock-Musik. Beim Songwriting hatte, bis auf eine Ausnahme, Bie Karlsson die kreativen Ideen. "My Sweet Lord" schrieb er zusammen mit Nylle Thoor, seines Zeichens auch Tieftonzupfer und Chorsänger.
Die als Eigenproduktion veröffentlichte Platte "Bonefish" enthält zwölf Nummern und kommt auf eine Gesamtspielzeit von ganz knapp über neunundvierzig Minuten.
Der aus der schwedischen Formation Docentera stammende Bie Karlsson hat für vorliegendes Album ziemlich unterschiedliches Material geschrieben. Nach den ersten drei rockenden Nummern, gegen die man im Prinzip nichts haben kann, außer deren nicht wellenbewegendes Dahingleiten, legt die Combo mit "They're Sending Back" plötzlich einen lupenreinen Blues aufs Parkett. Hallo, wo hat Bonefish denn überall seine Wurzel. Das Stück passt zunächst nicht zum vorher Gehörten, ist aber relativ gut gemacht.
In der ersten drei Liedern begegnet uns die Band mit fröhlichen Melodien, eine gut riffenden E-Gitarre und einem Bie Karlsson-Gesang, der individuell geprägt ist. Die Stimme ist nicht unbedingt kraftvoll aber trotzdem irgendwie intensiv.
Bonefish gibt Television, Talking Heads sowie T-Bone Burnett als musikalische Beziehungs-Quellen an. Allerdings dürften diese Bezüge mittlerweile von Moos bewachsen sein, denn so richtig kann man so etwas nicht aus den Liedern heraushören. Der 12-Takter geht auf Muddy Waters zurück und plötzlich bekommt die Scheibe eine schwarz-blaue Blues-Färbung.
Mit dem folgenden Output ist man fast in Versuchung, die ersten Titel zu vergessen, denn Bonefish macht mit dem Genre weiter. Einerseits führt ein dünnes Seil zum Blues mit Gospelgesang und andererseits flechtet die Band ein dickes Tau zum Rock'n'Roll. Dazwischen liegen einige Wendungen und verdammt viele Tastenspielereien von Max Lorentz, der die Scheibe auch produziert hat.
Bei "Cold As The River" allerdings gibt es einen leichten Rückfall in die ersten drei Songs. Da wird das balladeske Ambiente doch ein wenig durch Bie Karlssons aufgesetztem Gesang gestört. Toll sind hier aber die dreiköpfige Bläsergemeinschaft aus Frederik Oscarsson (Flugelhorn), Viktor Sand (Baritonsaxofon) und Martin Pålsson (Posaune).
Großes Kino dagegen ist dann "White Bird". Das verspielte Jonglieren mit Boogie und Blues ist klasse. Das identische Holz- und Blechbläser-Trio mischt die Nummer ordentlich auf und diesen längeren improvisierte Teil, der bis zum Ende anhält, hätte man Bonefish zu Beginn der CD nun wirklich nicht zugetraut. Punktesammler!
Doch, so ein wenig Television kommt jetzt durch. Vor "Baby's All Gone" hat sich das Quartett abermals in die Umkleidekabine begeben und sich ein wenig punkig verkleidet. Immer noch ist man verwundert über die ersten drei Tracks, die einen so ziemlich in eine Sackgasse geführt hat.
Im "Doomsday Blues" klimpert das Piano vorzüglich und man entdeckt bei näherem Hinhören doch glatt eine Slide-Gitarre bei der Arbeit. Die Backing Vocals-Girls sind toll bei Stimme und sorgen für Soul-Gospel-Feeling.
Logisch, musste ja kommen ... der Blues mit einem Schlag Funk oben drauf. Da machen die beiden Sechssaiter von Bie Karlsson sowie Lasse Nilsen eine Blues Rock-Koalition ein und Rasmus Rasmusson macht der Musik Beine.
"My Sweet Lord" ... viel Gesang, wenige Instrumente. Sieben Stimmen werden ausschließlich von der E-Gitarre (Bie Karlsson) und der Max Lorentz-Hammond begleitet. Für diese, im Vergleich zu den anderen Tracks, überwältigenden Nummer hat der Frontmann das Lead Vocals-Mikrofon für Song-Mit-Writer Nylle Thoor freigeben. Da fragt sich der Hörer: Warum nicht mehr davon? "They're Sending Back" und wenige andere Lieder sind nicht genug. Weniger ist oft mehr und bei Bonefish ganz viel.
Trotz klasse klingenden Bläsern endet das Album musikalisch dort, wo es angefangen hat. Aus meiner Sicht nicht so prickelnd wie das große Filetstück von "They're Sending Back" bis "My Sweet Lord". Acht ziemlich positive Eindrücke stehen drei Songs gegenüber, bei denen sich die Hängematte mit ihrem tiefsten Punkt gen Boden richtet.
Line-up:
Bie Karlsson (lead vocals, electric guitar, slide guitar, acoustic guitar, percussion, backing vocals)
Lasse Nilsen (electric guitar, acoustic guitar, lead vocals, backing vocals)
Max Lorentz (Hammond organ, keyboards, additional vocals, backing vocals)
Frederik Oscarsson (flugelhorn)
Viktor Sand (baritone saxophone, tenor saxophone)
Martin Pålsson (trombone)
Nylle Thoor (bass, percussion, lead vocals, backing vocals)
Rasmus Rasmusson (drums, percussion, backing vocals)
Greta Folkesson (backing vocals)
Mija Folkesson (backing vocals)
Tracklist
01:Revolve (4:29)
02:As Her Soul (3:39)
03:Imaginary (3:18)
04:They're Sending Back (4:33)
05:Cold As The River (4:31)
06:White Bird (4:12)
07:Baby's All Alone (4:02)
08:Doomsday Blues (4:21)
09:Under A Star (3:57)
10:Lion's Heart Blues (3:10)
11:My Sweet Lord (4:41)
12:The Burning Man (4:12)
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