Brand X / Missing Period
Missing Period Spielzeit: 50:38
Medium: CD
Label: Gonzo Multimedia, 2013 (Outer Music, 1997)
Stil: Fusion


Review vom 10.02.2014


Joachim 'Joe' Brookes
Mitte der Siebzigerjahre wurde Brand X gegründet. Die britische Fusion-Formation sorgte bereits mit "Unorthodox Behaviour" (1976) für deutliche Aufmerksamkeit, wohl nicht nur, weil der Genesis-Drummer Phil Collins dort aktiv war. Die anderen damaligen Mitglieder verfügten ebenfalls über enorme Erfahrung. Gitarrist John Goodsall bringt man mit Atomic Rooster in Zusammenhang. Ebenso der Percussion-Mann Preston Heyman, der unter anderem auch bei Atomic Rooster sowie Kate Bush, Randy California, Bryan Ferry, Heaven 17, Mike Oldfield oder Richard Thompson mitwirkte.
Bassist Percy Jones (Brian Eno, The Fusion Syndicate, David Sylvian, Suzanne Vega) rundet die Rhythmusabteilung ab und Keyboarder Robin Lumley (Rod Argent, David Bowie,
Curved Air, Gary Moore) macht das Start-Quintett komplett. Bei einem Neuanfang im Jahr 1990 war dann der Schlagzeuger Frank Katz dabei und auf dem Drumstuhl nahmen unter anderem auch Chuck Burgi (Al Di Meola, Rainbow, Meat Loaf) oder Pierre Moerlen (Gong, Mike Oldfield) Platz.
Im Laufe der Band-Existenz gab es einige weitere Umbesetzungen und was sich vor der bereits weiter oben erwähnten ersten Platte tat, dokumentiert "Missing Period". In den Linernotes heißt es: »This album represents the earliest known recordings of Brand X Circa 1975 76. [...]« Außerdem bezeichnet man die sechs Kompositionen als »[...] excellent quality recordings of Brand X's classic lineup performing previously unreleased material. [...]« Okay, die letzten Worte muss man aus der Sicht des Jahres 1997 sehen, denn da wurde dieses Album zum ersten Mal auf den Markt gebracht.
Brand X im "Missing Period"-Modus ist so etwas wie ein Rohdiamant. Obwohl Percy Jones sowie John Goodsall für das Songwriting zuständig waren, verfügen die Nummern doch über einen Jam-Charakter. Spontanität sprüht aus den flirrenden Arrangements und der Improvisations-Status wird groß geschrieben. Die Vereinigung von Jazz und Rock erlebt man in vielen langen Phasen als eine sehr ausgewogene Zelebration der Ideen. Der Aufbau von Songthemen ist bemerkenswert und die Abstraktionen in den Alleinfahrten der Musiker sind beeindruckend.
Alle Stücke sind Ausdruck einer enormen Dynamik. Schwebende Phasen werden einerseits mit Bedacht durch Hochgeschwindigkeit ersetzt. Andererseits wechseln die Bandmitglieder Tempi schneller als ein Hemd. John Goodsall ist nicht nur ein ausgesprochener Flinkefinger. Er verleiht seinem Instrument darüber hinaus viele frische Klangfarben, die man auch aus dem Rock kennt. Er ist ein bekennender Riff-Jünger und da reicht ihm Bassist Percy Jones mit enormer Agilität ohne Probleme das Wasser der Fantasie.
Robin Lumley findet viele Spielwiesen für seine virtuosen Tastenfahrten und schließlich hat ein Phil Collins den Drive und Groove. Man spitzt an vielen Stellen die Ohren, aber wenn die Combo den eh schon großen Rahmen der Fusion wie ein Gummiband um eine raffinierte Reggae-Spielart erweitert, dann darf man von einer gelungenen Überraschung sprechen.
Die Musik ist vitalisierend, wirkt wie ein Vitamincocktail der besonderen Art. Selbst jetzt haben die Lieder auf "Missing Period" einen hohen Stellenwert und bleiben, Mitte der Siebzigerjahre aufgenommen, zeitlose Dokumente einer Epoche, in der diese Band durchaus als ein hervorragender Vertreter des Jazz Rocks gelten durfte.
Das vorliegende Album klingt frisch und bereits dieser Anfang war definitiv ein großer Schritt in die richtige Richtung. Folgende Veröffentlichungen zementierten den Status von Brand X.
Line-up:
Phil Collins (drums)
John Goodsall (guitar)
Preston Heyman (percussion)
Percy Jones (bass)
Robin Lumley (keyboards)
Tracklist
01:Dead Pretty (7:11)
02:Kugelblitz (11:03)
03:Ancient Mysteries (7:19)
04:Why Don't You Lend Me Yours? (8:46)
05:Miserable Virgin (8:55)
06:Tito's Leg (7:23)
(all songs written by Percy Jones & John Goodsall)
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