BRDigung / Tot aber lebendig
Tot aber Lebendig Spielzeit: 47:41
Medium: CD
Label: AntiRockstar Industries, 2010
Stil: Deutsch Punk Rock

Review vom 24.08.2010


Mike Kempf
BRDigung. Wer sich so einen Bandnamen ausdenkt, der besitzt eine gehörige Portion Kreativität. Ebenso wenn man seinen neusten Tonträger im klaren Widerspruch "Tot aber lebendig" betitelt. Zumindest erwecken solch skurrile Einfälle mein Interesse und so schieb ich den Silberling der Kempener Band in meinen Player, um zu checken, was dieser an musikalischen Finessen alles bietet! Doch zuerst noch ein lobendes Wort übers Booklet, indem alle Textpassagen abgedruckt sind! Punktabzüge gibt's von mir nur fürs Line-up: Hier outen sie sich nur mit ihren Spitznamen. Oder was könnte z. B. Da Prinz sonst noch bedeuten?!
Das knapp zweiminütige Eröffnungs-"Intro" kommt im leichten Gothic-Stil daher, bevor es mit "Wieder da" richtig aus den Boxen scheppert. Die aggressive Schnelligkeit des Teils versteht keinen Spaß und droht den Zuhörer förmlich zu überrollen! Wobei anfänglich ein Gitarrensolo auf's Gemüt poltert, das durchaus als qualitativ hochwertig anzusiedeln ist. Auch "Nichts dazu gelernt" könnte man zunächst wörtlich nehmen, ähnelt der Track doch stark seinem Vorgänger. Dagegen wirkt "Zeitgeist der Angst" schon fast wie eine Ballade. Obwohl der Gitarrenhexer Julez oder Jonzon komplett die Handbremse löst und seinen Sechssaiter zum Glühen bringt. Der Haupt-Klampfer versteht sein Handwerk! Aber hallo! Bei "Party jeden Tag" droht irgendein Erwachsener »Keine bösen Worte!«, die von einem Jugendlichen mit »Halt die Fresse alte Schlampe!« erwidert wird.
Auch sonst ist das weitere Textgut des Songs nicht gerade jugendfrei. Rein musikalisch erinnert es etwas an Die Ärzte. Doch während die berühmten Deutsch-Rocker es auch mal langsam angehen lassen, bevorzugt der Vierer aus dem Allgäu im Stil von Punk und Metal, Rock auf der Schnellspur. Sänger Julez lässt seinen Stimmbändern freien Lauf, ohne vermutlich jemals Gesangsunterricht genossen zu haben. Im Prinzip eh 'Wurscht', denn bei dem vorgelegten Tempo der Rhythmus-Fraktion kann man keine Opern-Arien erwarten oder gar verlangen. Nach "Immer öfter" und "Sinfonie des Verderbens" folgt mit "Alles wird gut" mein Anspieltipp. Hier hat die Truppe einen 'Zahn' zurückgenommen und kommt somit auch nachvollziehbarer rüber. "Alles wird gut", seh' ich genauso, zumal das Teil noch mit einem spielstarken Gitarrensolo aufwartet.
Im "Zeichen des Himmels" muss die Kapelle die Botschaft verstanden haben, gnadenlos auf's Nervenkostüm des Konsumenten drauflos zu trampeln. Ich muss warnen! Herzkranke, Romantiker, Sensible oder 'Weicheier' sollten sich schon mal eine Packung Doppelherz bereitstellen. Da kann auch "Der falsche Prophet" nicht mehr helfen, ebenfalls nichts für schwache Nerven! Oh! "Verlorene Hoffnung" hebt sich als toller 'Schmuser' hervor. Nun gut, zumindest für die BRDigungs-Messlatte. Doch einen Kosthappen möchte ich dem Zuhörer empfehlen, besteht hier wenigstens keine Verschluckungsgefahr. "Geld regiert die Welt" ist, was den textlichen Inhalt angeht, zwar keine neue Offenbarung, doch instrumental weiß das Stück voll zu überzeugen! Dynamik pur! Nachdem die Band "Die letzte Frage" gestellt hat, folgt mit "Nie wie immer" das Finale. Beide Songs werden auf's Heftigste runtergebügelt!
Fazit: Wer auf schonungslosen Punk Rock mit reichlich Metal-Einschlag steht, der sollte sich einige Hörproben gönnen und wird mit Sicherheit gefallen an der CD finden. Allen anderen Rockmusik-Liebhabern könnte das Scheibchen schwer im Magen liegen, obwohl BRDigung einen spielstarken Solo-Gitarristen präsentieren. Letztlich ist es wie immer: Alles reine Geschmackssache.
Line-up:
Julez (vocals, guitar)
Jonzen (guitar)
Tobsen (bass)
Da Prinz (drums)
Tracklist
01:Intro
02:Wieder da
03:Nichts dazu gelernt
04:Zeitgeist der Angst
05:Party jeden Tag
06:Immer öfter
07:Sinfonie des Verderbens
08:Alles wird gut
09:Zeichen des Himmels
10:Der falsche Prophet
11:Verlorene Hoffnung
12:Geld regiert die Welt
13:Die letzte Frage
14:Nie wie immer
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