The Brew / Control
Control Spielzeit: 36:13
Medium: CD
Label: Jazzhaus Records, 2014
Stil: Classic Rock

Review vom 04.02.2014


Mike Kempf
Zweimal Smith und einmal Barwick ergeben The Brew. Und dieses UK-Trio hat sich bei mir dank der Konzertbesuche von 2011, 2012 sowie weiterer Gigs ohne Berichterstattung, zu einem der besten Live-Acts der Gegenwart entwickelt. Diese Feststellung beruht auf mehreren Tatsachen: Zum einen auf ihrer geballten Dynamik, mit der die Band in der Lage ist, diese - von der Bühne aus - den Fans ungebremst in deren Nervenkostüm zu jagen und zum anderen, weil sie ihr Songmaterial mit viel Old School im Classic Rock-Gewand präsentieren. Wenn sich, zumindest live, der Leadsänger und Ausnahmegitarrist Jason Barwick eines Geigenstabs bedient, um im Jimmy Page-Stil die Saiten seiner Klampfen zum Glühen zu bringen, wird stark an Led Zeppelin erinnert. Zumal Energiebündel Kurtis Smith fast genauso stark an seinen Fellen ackert wie einst der vielleicht beste Drummer der Rockgeschichte, John Bonham. Natürlich nicht zu vergessen der Bassist und gleichzeitige Daddy von Kurtis, Tim Smith, der sich seiner jugendlichen 'Rasselbande' trotz erheblichen Altersunterschieds problemlos anpasst und ebenfalls wie eine angeschossene Raubkatze über die Bühne wirbelt.
Während die Erinnerungen an meine Live-Erlebnisse mit der Band noch immer reichlich Glückshormone in mir hervorrufen, wurden all ihre bei uns veröffentlichten Rezensionen, ob von The Joker, A Million Dead Stars oder The Third Floor, mit sehr guten Bewertungen bedacht.
Auch wenn die drei Musiker allesamt gern mal, so wie sie es 2012 unserem Magazin im Interview erzählten, bei The Who spielen würden und ich selbst, wie im ersten Absatz erwähnt, Vergleiche mit LZ heranführe, möchte ich gleich mal festhalten: Wo The Brew draufsteht, ist auch The Brew drin. Und zwar ausschließlich!
Das liegt vor allem am Frontmann Jason Barwick, der nach wie vor mit knackigen Riffs beeindruckt und mit einigen spektakulären Soli sein herausragendes Gitarrenspiel bestens in Szene setzt. Dass er dabei sein Saitengezupfe weiterhin schön roh und schroff rüberkommen lässt, gefällt mir außerordentlich gut. Ebenfalls die Tatsache, dass er seine Stimmbänder zum Positiven weiterentwickelt hat und sich dadurch seine Textvorträge schon reifer anhören, als ich sie bisher auf ihren Vorgängeralben zu Gehör bekommen habe.
Gleich das Eröffnungsteil der CD, "Repeat", gibt den Weg vor, den der Tonträger bis zum Ende fortsetzt. Knallharter, explosiver Rock'n'Roll, zehn kurzgehaltene Songs, die nur selten die Vier-Minuten-Marke überschreiten und allesamt sehr energiegeladen aus den Boxen scheppern. Ab und zu hat die Kapelle, so wie bei "Pause" oder "Stop", etwas an Tempo herausgenommen, um erfolgreich zu demonstrieren, dass sie auch Balladencharakter entwickeln können. Vor allem das kürzeste Teil des Albums, "Stop", hat die Besonderheit, dass sich Jason Barwick einer Akustikklampfe bedient.
Letztlich habe ich mit "Control" eine typische The Brew-Platte zur Begutachtung bekommen, mit allen Attributen die die Band auszeichnen: Die von der Combo gewohnte volle Ladung Rockpower, ein erstklassig aufgelegter Barwick, der aufgrund seiner glänzenden Fingerfertigkeit gerade dabei ist, sich einen unlöschbaren Namen als einer der besten Gitarrenvirtuosen in der Rockgeschichte des 21. Jahrhunderts zu erspielen, einen nimmermüden Taktvorgeber in Form vom Schlagzeug-Titan Kurtis Smith und seinem Daddy, dem Tieftonexperten Tim Smith, der sich perfekt mit seinem Sohn ergänzt und zur Band passt, wie die Faust aufs Auge. Das britische Trio sorgt nach wie vor für einen unglaublichen fetten Sound, mit der gefühlten Kraft eines Jahrhundert-Tsunamis.
Wenn es nach mir gehen würde, könnte ich meine Trommelfelle noch stundenlang von der Kapelle verwöhnen lassen, doch leider ist nach etwas mehr als einer halben Stunde Feierabend. Doch was solls, auf den Punkt gebracht ist The Brew wieder ein geniales Rockalbum gelungen und ich kann den Erwerb der Platte nur wärmstens empfehlen. Dennoch gibt es noch eine Steigerung gegenüber "Control": Ein Live-Erlebnis mit der Band ist immer noch ein unverzichtbares Rockspektakel, weil Drummer-Rambo Kurtis seine Vorderleute dermaßen noch vorne schiebt, dass diese immer wieder zur Höchstleistung auflaufen.
Line-up:
Jason Barwick (guitar, vocals)
Tim Smith (bass)
Kurtis Smith (drums)
Tracklist
01:Repeat (2:59)
02:Eject (3:28)
03:Mute (4:18)
04:Pause (4:02)
05:Shuffle (3:28)
06:Fast Forward (3:52)
07:Skip (3:41)
08:Stop (2:19)
09:Play (4:21)
10:Rewind (3:45)
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