Bucket Boys / Hollywood Boulevard
Hollywood Boulevard Spielzeit: 50:31
Medium: CD
Label: Bogeyman, 2006
Stil: Roots Rock

Review vom 04.09.2006


Janos Wolfart
Roots-Rock - eine ausgelutschte und viel zu breite Schublade, die ob der Anzahl der darin befindlichen Bands und Veröffentlichungen, nicht mehr zugemacht werden kann (allerhöchstens noch mit Gewalt, wie in meinem Schreibtisch). Trotz langer Überlegung fällt mir aber keine andere Kategorisierung ein für diese Formation aus deutschen Landen, die authentisch amerikanische Musik spielt. Die Bucket Boys sind nach der Veröffentlichung von etwa 10 CDs/Tapes längst keine Newcomer mehr und das merkt man dem Quartett auf ihrem neuesten Longplayer "Hollywood Boulevard" an.
Die Gruppe entführt uns auf eine atmosphärisch ungemein dichte Reise durch amerikanische (Klang-) Landschaften, die im kunstvoll gestalteten Booklet ihre Entsprechung findet. Die 'Autofahrt' auf dem "Hollywood Boulevard" symbolisiert nichts anderes als einen Selbsterfahrungs- und Findungs-Trip (allerdings oft mit einem Augenzwinkern), der zugleich Traum und Realität ist. Rockige Songs wechseln sich mit bedächtigeren Stücken ab, wobei letztere eindeutig am besten zur Geltung kommen. Die Bucket Boys schaffen hier mit den einfachsten Mitteln der Populärkultur ein Kunstobjekt.
Noch Fragen?
Nein, es gibt nur noch Antworten in Form von 15 Songs. Los geht's mit dem krachend-kurzen "Mexican Slut" - es gibt kaum einen Song auf der CD, der heftiger rocken würde. "A Hundred Songs" hingegen ist ein Paradabeispiel für countryfizierte Melancholie, deren Stimmung Balsam für die geschundene Rezensenten-Seele ist. Aus dem Tagtraum wird man sofort mit dem Boogie von "On The Run" (nicht zu verwechseln mit dem Blackfoot-Klassiker) gerissen, veredelt durch den Backgroundgesang von Gast Petra Lange. Es scheint sich um eine familiäre Angelegenheit zu handeln, denn zwei andere Langes, Michael (Leadgesang, Piano & Orgel) und Helge (Gitarre & Gesang und zudem Songwriter der Band) sind auch mit von der Partie. Die mehr als solide Rhythmussektion besteht aus Andreas Kehren am Bass und Joe Vander am Schlagzeug.
Mit Song Nr. 4 wird ein weiteres Kapitel in Sachen Roots eröffnet: Tex-Mex auf uptempo-rockige Art. Eher laid-back kommt "Come A Little Bit Closer" daher, ähnlich wie "A Hundred Songs", nur wird dieser Song durch die Querflöte von Christina Shamel veredelt. Die Atmosphäre ist wieder herausragend. Die Bucket Boys verstehen es auf großartige Weise, den Hörer emotional in ihre Musik einzubeziehen. "Hank The Knife" und "Dead, Forgotten, Far Away" kommen bedrohlich nahe der Sozialkritik - hier wäre fast schon der Begriff Songwriter (und wieder so eine Schublade) angebracht.
"Disco Dancer" ist ein Abgesang auf Disco-Musik (»I hate disco, but I love you«) mit einer ironischen Wendung (»Now I love disco, but I hate you«).
Von den restlichen Stücken seien noch die wunderbar-schnulzige Ballade "Goin' Home" und "River", ein wunderschöner Country-Rocker, erwähnt. Einen wirklichen Ausfall gibt es auf diesem durchgehend hochwertigen Album nicht, das allen Fans von Roots-Rock, Rock 'n' Roll, Country u. ä. ('the real thing' eben) zu empfehlen ist. Die CD kann man auf der Homepage der Band bestellen.
Prädikat: Wertvoll!
Tracklist
01:Mexican Slut (1:45)
02:A Hundred Songs (4:05)
03:On The Run (3:14)
04:Open Your Mind (2:46)
05:Come A Little Bit Closer (3:48)
06:Hank The Knife (3:39)
07:Dead, Forgotten, Far Away (4:16)
08:Disco Dancer (4:20)
09:600 Miles (2:49)
10:Silver (3:42)
11:Goin' Home (3:30)
12:Snakebite (3:27)
13:Desperate Death (4:15)
14:River (2:30)
15:Startin' Cars (2:25)
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