Danny Bryant's Redeyeband / Night Life - Live in Holland
Night Life - Live in Holland Spielzeit: 68:24
Medium: CD
Label: Jazzhouse Records, 2012
Stil: Blues Rock

Review vom 10.03.2012


Jürgen Bauerochse
Blickt man auf die musikalische Karriere von Danny Bryant zurück, so wird wieder mal ganz deutlich, wie schnell die Zeit doch vergeht. Der im Jahr 1980 im englischen Hertfordshire geborene Gitarrist/Sänger kann inzwischen auch schon auf zehn Jahre Bühnenerfahrung zurückblicken.
2002 erschien mit "Watching You" auch sein erstes Album, dem er in schöner Regelmäßigkeit die Longplayer "Days Like This" (2005), Live (2007), Black And White (2008) und Just As I Am (2010) folgen ließ, die allesamt harten und ungeschliffenen, aber dennoch sehr abwechslungsreichen Blues Rock enthalten und dabei die enormen Fähigkeiten sowohl beim Songwriting als auch an Gitarre und Mikrofon unter Beweis stellen.
Zum zehnjährigen Jubiläum erscheint nun ein weiterer Live-Mitschnitt der Band, der am 17. September 2011 im niederländischen Rosmalen aufgezeichnet wurde und auch als DVD herauskommen soll (die unserer Redaktion allerdings noch nicht vorliegt).
Die neun auf der CD enthaltenen Tracks bestehen aus sechs Eigenkompositionen und drei Coversongs und bieten einen guten Querschnitt durch die verschiedenen Schaffensphasen von Danny Bryant's Redeyeband. Obwohl es die Truppe wie kaum eine andere immer wieder schafft, ihre ganze Power und Dynamik auch auf die Studio-Produktionen zu übertragen, wird bei diesem Mitschnitt noch eine Steigerung erreicht. Diese Art von Musik braucht ihr Publikum, um sich voll zu entfalten. Die Reaktionen der Zuhörer wirken wie der zwölfte Mann beim Fußball und spornen die Band zu Höchstleistungen an.
Die Laufzeiten der Songs bewegen sich alle zwischen fünfeinhalb und zwölf Minuten und sind so wesentlich länger als die Studioversionen, was belegt, dass Danny Bryant ausgiebig improvisiert - eine weitere Stärke der Band. Lediglich der akustische Alleingang "One Look" endet bereits nach dreieinhalb Minuten.
Schon die Konzertansage und der Begrüßungsjubel des Publikums lassen dem Hörer die Nackenhaare aufrecht stehen, und als das einleitende Gitarren-Inferno beginnt, wird sehr schnell klar, dass die Redeyeband es richtig wissen will. "Tell Me" vom Album "Black And White" ist der verschleppte Opener, bei dem Dannys zentnerschwere Gitarre gleich den Staub aus den Boxen fegt, und es dauert nur Sekunden, bis der Sechssaiter laut aufjault und vor Freude fast zu zerspringen droht. Kurze Gesangseinlage, und das zweite Solo geht auf die Reise. Das waren schon mal acht Minuten zum absoluten Niederknien.
Es folgt der Titelsong des aktuellen Studioalbums "Just As I Am", noch langsamer, intensiver und voller Dreck unter den Fingernägeln. Außerdem wird hier deutlich, dass Dannys Stimme inzwischen noch stärker geworden ist. Auch bei diesem Stück kommen die Wechsel von leisen Tönen und wahren Gitarren-Orgien perfekt rüber.
"Heartbreaker" ist der älteste Titel bei diesem Gig und gehört schon immer zum Standardprogramm der Band. Dieser Boogie in Zeitlupe begeistert von jeher die Konzertbesucher und ist inzwischen so etwas wie die 'Erkennungsmelodie' von Danny Bryant's Redeyeband.
Dann die erste Ballade des Albums. "Love Of Angels" ist wie geschaffen, um die Feuerzeuge hoch zu halten. Der Gesang kommt herzzerreißend und ein Gitarrensolo der leiseren Art, dafür mit unglaublich viel Gefühl gespielt, schließt sich an. Das gleiche Schema wiederholt sich noch einmal, aber nun steigert sich die Klampfe immer mehr, bis die Saiten zu zerspringen drohen.
Nächster Punkt der Tagesordnung ist der erste Coversong. Die John Hiatt-Komposition
Master Of Disaster beginnt recht verhalten, entwickelt sich dann aber mit seinem eingängigen Refrain zum straighten Rocker.
Danach wird das Tempo komplett raus genommen. Danny solo und nur mit der Akustischen bewaffnet gibt sich die Ehre bei der Liebeserklärung "One Look". Wehe dem Menschen, der gerade von Liebeskummer befallen istů!
Coversong Nummer zwei ist der Buddy Guy-Titel "My Baby's A Superstar". Nun wird es richtig schön bluesig. Wieder sägt sich die Gitarre durch die Wände, und die Band wird immer wieder mit Zwischenapplaus abgefeiert.
Nachdem Dylans "Knockin' On Heaven's Door" in einer sehr schönen und intensiven Fassung, bei der vom Publikum kräftig mitgesungen wurde, vorüber ist, gibt es zum Abschluss das Highlight des Abends. "Always With Me" vom Album "Days Like This" ist nicht nur der längste Titel des Mitschnittes, sondern auch der variabelste. Der Wechsel zwischen fast zarten und dann wieder richtig zuschlagenden Tonfolgen wird hier am deutlichsten. Die Zuhörer gehen begeistert mit, was wohl jeder, der die Band schon einmal live erlebt hat, absolut nachvollziehen kann. Danny Bryant und seine Redeyeband haben mal wieder gezeigt, wo der Blues Rock-Hammer hängt. Ich freue mich jetzt schon auf die DVD dieses Konzertes, denn das wird sicher auch ein filmisches Highlight des Jahres 2012 sein.
Line-up:
Danny Bryant (guitar, vocals)
Ken Bryant (bass)
Trevor Barr (drums)
Tracklist
01:Tell Me (8:23)
02:Just As I Am (9:40)
03:Heartbreaker (6:54)
04:Love Of Angels (8:31)
05:Master Of Disaster (8:28)
06:One Look (3:30)
07:My Baby's A Superstar (5:27)
08:Knockin' On Heaven's Door (5:23)
09:Always With Me (12:04)
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