David Bowie - Station To Station
(Collector's Edition)
Station To Station Medium: CD-Box
Spielzeiten: CD 1 (38:17), CD 2 (42:25), CD 3 (40:40)
Label: EMI, 2010 (1976)
Stil: Rock


Review vom 21.01.2011


Ulli Heiser
David Bowie, seinerzeit die mehr als schillernde Figur des Glam Rocks, ist wohl unbestritten einer der einflussreichsten Musiker seit Beginn der Rockmusik. Wechsel in Musikstil, Outfit und Bühnenshow haben seinen Platten immer das gewisse Quäntchen Spannung mitgegeben und wenn ich seinen Studio-Output mal Revue passieren lasse, stehe ich vor der schweren Entscheidung, welche seiner Alben wohl das beste ist.
Ich schwanke, je nach Laune, meistens zwischen Ziggy Stardust und der vorliegenden "Station To Station". Stilistisch liegen Welten dazwischen und wie bei Bowie üblich, gibt es (nach 'Major Tom', 'Ziggy Stardust' und 'Aladdin Sane') auch auf "Station To Station" ein »Alter Ego«: den 'Thin White Duke'.
»The return of the Thin White Duke
throwing darts
in lovers' eyes«
Neben der Musik betätigte sich Bowie auch als Produzent und Schauspieler. So spielte er die Hauptrolle in "The Man Who Fell To Earth" und "Station To Station" sollte als Soundtrack fungieren; der Regisseur Nicolas Roeg entschied sich schlussendlich aber anders. So ist es zumindest in Filmdatenbanken nachzulesen. Bowie soll, inspiriert durch u.a. Kraftwerk, eine gewisse Kälte in die Musik eingebracht haben. Ich weiß nicht, will dem Künstler selbst natürlich nicht widersprechen, aber ich empfinde keine 'Kälte'. Sicher ist die Platte im Gegensatz zum souligen und rhythmischen Vorgänger "Young Americans" anders gestrickt.
Zwar finden sich auch auf "Station To Station" Soul- und gar leichte Discofunk-Elemente, aber diese werden durch Bowies Art die Vocals zu intonieren, vordergründig nicht als solche empfunden. Mag sein, dass der etwas 'distanzierte' Gesang diese 'Kälte' repräsentieren soll. Auf jeden Fall fröstelt es mich nicht
Im Gegenteil, wenn der Zug einrollt, wenn sich der repetitive, bassgeile Rhythmus einstellt, dann läuft es heiß den Rücken runter, die Gänse ziehen ihre dicksten Häute an und - endlich, nach Minuten des Wartens - setzt sie ein, DIE Stimme:
»The return of the Thin White Duke
throwing darts
in lovers' eyes«
Zu den Tracks dieses Klassikers noch viel zu sagen käme der Aktion gleich, Schulden nach Hellas zu tragen. "Word On A Wing", auf ewig in meiner Best-of-Tracks-Sammlung. Eine Nummer, die harten Männern leicht Hochwasser in die Augen teibt: »In this age of grand illusion you walked into my life out of my dreams ...«
Oder "Wild Is The Wind": Johnny Mathis sang diesen von Dimitri Tiomkin und Ned Washington geschriebenen Titel 1957 im gleichnamigen Film. Später hatte ihn Nina Simone intoniert (1966). David, Fan von Simone, nahm "Wild Is The Wind" dann 10 Jahre später selbst auf. Auch wenn Ninas Version (noch) intimer daherkommt, für mich ist die Bowie-Version in Stein gemeißelt.
Neben dieser (digital veredelten) Originalaufnahme beinhaltet diese Lift Off Top Box zwei weitere Silberscheiben, die das bisher unveröffentlichte Konzert vom 23. März 1976 aus dem Nassau Coliseum, Uniondale, New York enthalten. Irre, diese Show! Das Intro zu "Station To Station" ist eine Offenbarung, "Word On A Wing" in dieser Live-Version (Dammbruch) ..., Bowies Stimme scheinbar Oktaven tiefer als auf dem Studioalbum. Keine Spur mehr, von dieser 'warmen Kälte' im Vortrag. Aber neben einigen Tracks des oben besprochenen Werkes, gibt es weitere Kracher aus der Schaffensphase des Meisters. "Suffragette City" rock und rollt mit Verve, "Fame" knallt ohne Ende, "Life On Mars" mit traumhaftem Gitarrensolo, "Five Years", "Diamond Dogs", "Rebel Rebel", "The Jean Genie" ... Spielfreude pur. Jesses, jetzt noch "Ziggy" ...
"Station To Station" hat man ja bereits mindestens zweimal zu Hause im Regal. Diese Version sollte man dazustellen. Weniger wegen des aufbereiteten Klanges, aber mit Sicherheit des Live-Konzertes wegen. Weiterhin enthält das Package wunderbare Hardcover-Bilder, ein vorbildlich informatives Booklet, sowie eine von Bowie signierte Karte.
Als ob das noch nicht genug wäre: Es ist auch eine Deluxe-Edition erhältlich, die fünf CDs, eine Audio-DVD, sowie drei LPs enthält. Wer noch was vom Weihnachtsgeld übrig hat, sollte zuschlagen. Unbedingt.
Line-up Station To Station:
David Bowie (vocals, guitar, tenor & alto saxophone, Moog, mellotron)
Carlos Alomar (guitar)
Roy Bitain (piano)
Dennis Davies (drums)
Earl Slick (guitar)
George Murray (bass)
Warren Peace (backing vocals)

Line-up Live Nassau:
David Bowie (vocals)
Carlos Alomar (guitar)
Dennis Davies (drums)
Stacey Heydon (guitar)
Tony Kave (keyboards)
George Murray (bass)
Tracklist
CD 1 - Original Analogue Master
01:Station To Station
02:Golden Years
03:Word On A Wing
04:TVC 15
05:Stay
06:Wild Is The Wind
CD 2 - Live At Nassau Coliseum, Uniondale, NY, USA, 23.03.1976, Part 1
01:Station To Station
02:Suffragette City
03:Fame
04:Word On A Wing
05:Stay
06:Waiting For The Man
07:Queen Bitch
Bisher unveröffentlicht
CD 3 - Live At Nassau Coliseum, Uniondale, NY, USA, 23.03.1976, Part 2
01:Life On Mars?
02:Five Years
03:Panic In Detroit
04:Changes
05:TVC 15
06:Diamond Dogs
07:Rebel Rebel
08:The Jean Genie
Bisher unveröffentlicht
 
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