Es gibt eine neue CD, die auf den Namen "Get It 2.0" hört
Im Gespräch Als ich neulich vom Hamburger Raimund Burke einen USB-Stick mit seinem neu eingespielten Album "Get It 2.0" erhielt, war es für mich Anlass genug, um mal genauer nachzufragen, warum er sich dieses Mediums bedient, wie es ihm geht, und was es sonst noch Neues aus dem Hause Burke zu berichten gibt.


Interview vom 14.09.2013


Mike Kempf
Rocktimes: Hallo Raimund, schön, dass wir uns nach gut zweieinhalb Jahren wieder zu einem regen Austausch treffen. Was gibt es Neues aus der Hansestadt, wie geht es Dir und was macht die Kunst?
Raimund: Hallo Mike, das finde ich auch.
Get ItIch kann nur von mir berichten. Es gibt eine neue CD, die auf den Namen "Get It 2.0" hört. Die ist über das letzte Jahr hinweg entstanden. Und wer meine CDs kennt, merkt schnell, das könnte ein Remix oder so was sein. Das stimmt so aber nicht, denn ich habe die komplette erste CD neu eingespielt und aufgenommen.
Rocktimes: Ui, Du kommst ja schnell auf den Punkt. Was hat Dich denn an der ersten Produktion so gestört, das Dich nun veranlasst, noch mal voll in die Saiten zu greifen und alles neu einzuspielen?
Raimund: Hehe, ja sorry. Ich freue mich natürlich über das Ergebnis und teile das eben gerne auch mit.
Ich habe in der letzten Zeit ein bisschen mit Sounds experimentiert, mein Homestudio etwas verbessert, so wie man das ja immer wieder versucht. Neues Equipment gekauft. Neue 'Gittis' natürlich! Und, wie das so ist, wenn man neues Zeugs hat: Ich habe z. B. meine komplette 'Abhöre' neu gemacht. Und da hört man plötzlich Sachen...
Da kam mir die Idee, die erste "Get It" neu zu mischen. Die war nun schon lange her (2004/2005). Mir sind einige Fehler im Mix aufgefallen, die ich - neu eingespielt - gerne bereinigen wollte. Eigentlich nur für mich. Aber, nach gefühlten fünfeinhalb Systemerneuerungen des PCs in der Zwischenzeit, gingen die alten Projekte nicht mehr auf. Und die Audiodateien waren auch nicht mehr alle da. Also nix mit neu mischen. Da mir aber die Songs am Herzen liegen, habe ich mich kurzerhand entschlossen, alles neu einzuspielen. Hab ja Zeit, dachte ich. Warum nicht? So habe ich also noch an dem Tag mit dem ersten Song angefangen. Und das hat echt Bock gemacht! Es klang um Längen besser als die vorherigen, und auch spielerisch hat sich scheinbar in den letzten acht Jahren etwas getan, sodass ich also die ganze Scheibe neu gemacht habe. Mit dem Ergebnis bin ich nun super zufrieden.
Sogar mein neuer Tube Thomsen Amp ist noch vor Ende der Aufnahmen fertig geworden. Leider ist der Erbauer Nils Thomsen kurz nach Fertigstellung meines Amps gestorben. Wodurch ich jetzt ein Unikat habe. Ein 5-Watt-Topteil mit 'nem super Sound, einem schönen High Gain Sound mit 'nem mega Dynamikumfang.
Rocktimes: Also kann man bei Dir sagen: An der Gitarre ein Ass, am PC eine Niete (lache)? Das mit Nils Thomsen tut mir sehr leid. Kanntest Du ihn näher? Und wenn ja, dann erzähle doch ein wenig über ihn. Wie war er? Was war er für ein Mensch und was hat er für Dich bedeutet?
Raimund: PC-Niete würde ich nicht sagen. Aber manchmal entwickeln ja Probleme irgendwie ein Eigenleben, wo man nicht mehr mitkommt (lacht). Egal, nun funktioniert ja alles wieder.
Das mit Nils ist wirklich sehr traurig. Wir lernten uns gerade kennen. Ich zumindest hatte das Gefühl, dass wir einen wirklich guten Draht entwickelten. Er war von Anfang an superoffen für Vorschläge für meinen neuen Amp. Ich habe ihm beschrieben, was ich gerne hätte: »Ich möchte gerne einen schön sämigen, High-Gain Sound haben, der mit wenig Volume in der Dynamik schön runtergeht und fast schon clean klingt«.
»Kein Problem, das mache ich Dir. Ist ja mein Spezialgebiet. Wenn er so klingen soll, klingt er nachher auch so«. Und dann hat er das auch so gemacht. Hammer Amp geworden. Ein Experte halt. Außerdem steht auch noch, dekadenterweise, mein Name drauf.
Nils hat mich total an einen meiner Brüder erinnert. Vielleicht kam daher so ein vertrautes Moment. Wer weiß...
Wir wollten noch so ein paar Sachen soundmäßig bei mir im Studio ausprobieren. Mit verschiedenen Iso-Boxen und Powerbreakes und so. Aber dazu kam es leider nicht mehr.
Rocktimes: Brüder? Wie viele hast Du? Sind sie musikalisch auch so begabt? Beziehungsweise, von wem hast Du Deine Fähigkeiten geerbt?
Raimund: Die Begabung zieht sich schon durch meine Geschwister. Zwei Brüder, eine Schwester. Alle älter als ich. Aber keiner von denen hat, so wie ich, eine musikalische Karriere wirklich ernsthaft verfolgt oder gelernt, ein Instrument einhundertprozentig zu beherrschen. Mein Talent habe ich wohl von meinem Vater geerbt. Hat sich wohl potenziert bei mir (lacht).
Mein Vater ist in jungen Jahren mit seinem jüngeren Bruder aufgetreten. So mit Schifferklavier und singen. Die haben immer tierisch viel Stimmung gemacht. Und sie mussten später natürlich bei jeder Familienfeier irgendwann ran (schmunzelt).
Rocktimes: Vielleicht sogar in der legendären Haifischbar? Mit dem Singen hast Du es ja nicht so, dafür bist Du - zumindest für mich - ein wahrer Gitarrenmeister. Wann hast Du Deine Liebe zur gitarrenlastigen Musik entdeckt und welche Künstler haben Dich für Deinen musikalischen Weg inspiriert?
Raimund: Nee nee, nix Haifischbar. Ich komme ja nicht direkt aus Hamburg. In unserem kleinen Kaff gab's nur 'normale' Kneipen und Gaststätten. Ich habe zuallererst mit dem Schlagzeug angefangen. Aber das ging allen im Haus tierisch auf den Sack. Und da kam meine Schwester auf die Idee für meine Eltern: » Schenkt dem Jungen doch 'ne Gitarre «. Und das haben sie dann auch gemacht. Da war ich fünfzehn. Am Anfang hab ich sehr softe Sachen gespielt. In der ersten Band Inverness haben wir - auch am Anfang schon - sehr rockige Sachen gemacht. Aber ich habe das erste Jahr noch ohne Verzerrer gespielt. Ich wollte ja keinen Hardrock machen! Letztlich kam irgendwann doch noch der Verzerrer dazu. Die Bundfaltenhose flog in die Ecke und wurde gegen eine Lederhose eingetauscht, Maiden in den Player geschmissen und dann ging's los. Die erste Band allerdings, die mich wirklich nachhaltig beeinflusst hat, war Deep Purple, auch schon bevor ich mit der Gitarre angefangen hatte.
Und dann alles, was damit zu tun hatte. Rainbow, Whitesnake und so weiter. Maiden kam etwas später.
Und so ist es auch schon klar, wer mich sehr beeinflusst hat: Nämlich Ritchie Blackmore. Später kamen Gary Moore, Schenker, Uli Roth und so weiter dazu. Ach, am Anfang habe ich gerne auch Rodgau Monotones gehört. Habe gerade ein Dèja-vu. Sag mal, habe ich Dir das nicht schon erzählt? Die beiden Gitarristen sind nämlich echt geil und waren schon damals der Hammer. Na ja, sowas halt...
Wenn Du allerdings meine Liebe zur instrumentalen Gitarrenmusik meinst - hmm, das ist nicht so einfach. Ich kann ja nicht singen, wie Du schon richtig festgestellt hast. Zumindest nicht vorzeigbar. Für'n Chor im Hintergrund würde es vielleicht gerade noch reichen. Aber auch nur, weil ich höre, wann ein Ton falsch ist und wann nicht (schmunzelt).
Wenn ich aber so drüber nachdenke, welche Songs mich bewogen haben könnten, in die instrumentale Richtung zu gehen, würde ich sagen z. B. "The Loner" von Gary Moore oder "Parisienne Walkways". Das war, glaube ich, noch früher. Da konnte man hören und fühlen, dass Gitarren alleine auch eine Aussage haben können. Ohne Gesang.
Na ja, und wenn man alleine vor sich hinwurschtelt, Songs erfindet und entwickelt, spielt man irgendwann eine Melodie drauf, um sie festzuhalten. Und dann stellt man fest, das reicht ja. Ist ja toll (lächelt). Bisschen ausarbeiten, Solo drauf - fertig!
Ich finde es halt toll, alles alleine machen zu können. Andere würden das vielleicht langweilig finden. Ich gehe darin auf. Keiner quasselt mir rein. Top!
Rocktimes: Von den Rodgau Monotones hast Du mir bisher nichts erzählt. Und wie sieht es mit Guido Bungenstock aus?
Raimund: Wie bitte meinen?
Rocktimes: Weil er auch ein Gitarrist ist und ihr wohl befreundet seid. Ist dem so? Und wenn ja, vielleicht hat er auch Dich beeinflusst?
Raimund: In der Tat ist Guido ein guter Freund von mir und ein fantastischer Gitarrist. Ich bin von seinem großen Spektrum an spielerischen Möglichkeiten immer wieder erstaunt und erfreut. Aber wir kennen uns erst seit ein paar Jahren. Zum Beeinflussen ein bisschen zu spät. Man befruchtet sich allerdings gegenseitig - manchmal, denke ich. Das bleibt nicht aus. Ist aber gut so.
Rocktimes: Du hast neulich erst einen USB-Stick in den Umlauf gebracht. Warum?
Raimund: Der Stick wird wahlweise mit dem Album 'bespielt', welches man gekauft hat. Und als Bonus gibt es von den anderen Alben je einen Song dazu. Sowie natürlich alle Videoclips. Soll sich ja auch lohnen für den Käufer.
Ich finde das Konzept toll. Aber natürlich macht es auch die 'Bundles' viel einfacher. Man kann natürlich auch alle Alben kaufen. Platz ist genug auf dem Stick (lächelt).
Rocktimes: Was meinst Du, ist dieses Medium zukunftsweisend? Wird vielleicht die CD bald gänzlich vom Bildschirm verschwinden und die Musik nur noch über Downloads zu erwerben sein?
Raimund: Die CD ist ja schon ziemlich verdrängt von den Downloads. Wer verkauft denn heute noch wirklich gut CDs?!
Was ich übrigens nicht gut heiße. Ich finde diese ganze 'Verrammscherei' von Musik ganz fürchterlich. Das macht den Markt kaputt. Und durch die mittlerweile veränderten Hörgewohnheiten, ist man viel zu schnell dabei, zu zappen. Wer hört sich denn (außer Dir und mir) Musik noch bis zum Schluss an. Geh' mal auf YouTube und guck Dir einen Song an. Bis zum Ende spielt das kaum jemand ab. Eigentlich braucht man sich nur noch für die ersten 30 Sekunden eines Songs, Mühe beim Komponieren zu geben. Der Rest wird ja eh nicht mehr gehört. Oder sehe ich das zu negativ? Ich erlebe das jedenfalls so.
Von daher glaube ich nicht, dass sich der Stick als Musikträger-Medium wirklich durchsetzt, weil er genauso 'träge' im Umgang ist, wie CDs oder Platten. Man muss sie ja erstmal bekommen. Erstmal auf dem PC, hört man meistens von dort. Allerdings hat man dann trotzdem noch einen Zusatznutzen von dem Ding. Nämlich als normales Speichermedium. Immerhin. Das ist zumindest mein Plan dabei gewesen, es einzuführen. Und man hat eine Verpackung. Das gibt es ja bei Downloads auch nicht. Etwas in der Hand zu haben ist wichtig für das Erlebnis, etwas Wertvolles gekauft zu haben. Finde ich.
Rocktimes: Ich gehöre jedenfalls zu der Gruppe von Musikfreunden, für die nur das Original zählt. Im Prinzip hast Du vermutlich recht und ich denke, es ist generell ein gesellschaftliches Problem, wenn man sich nicht mehr die Zeit nimmt, um gute Musik zu hören. Dieses Thema hatte ich im vergangenen April mit Marcus Deml, der Deine Ansicht übers Konsumverhalten der Menschen teilt. Es ist eben alles sehr schnelllebig geworden. Mein Kollege Mike Schröder und ich sind seit geraumer Zeit Vinyl-Junkies und legen uns fast nur noch Schallplatten zu. Du könntest doch Dein Weihnachtsalbum in einer farblichen limitierten Auflage als Vinyl auf den Markt bringen. Zwei Vorbestellungen sind garantiert (lache).
Raimund: Ja, da habe ich auch schon mal drüber nachgedacht. Aber ein Anruf bei 'nem Presswerk und man ist wieder eingenordet! Das ist leider zu teuer. Ich hätte schon gerne mal 'ne Scheibe auf Vinyl gehabt. Es kostet aber eben leider noch mehr als eine CD-Pressung.
Auf Platte hat man sich auch noch mit dem Cover beschäftigt. Und man konnte die Texte und Beschreibungen und was auch immer noch lesen. Bei Downloads ist ja nicht SO viel Text dabei.
Rocktimes: Genau, vermutlich auch ein Grund, weshalb immer mehr Musiker neben der üblichen CD auch Vinyls veröffentlichen. Ich denke da in erster Linie an die zurzeit angesagten Bands wie Freischlader, Bonamassa oder The Brew. Also muss es sich doch irgendwie rechnen. Wie viel kostet denn eine Pressung, sagen wir mal für 50 Stück?
Raimund: Das Problem ist, dass es keine Pressung von 50 Stück gibt. Du musst, bislang jedenfalls, mindestens 500 Stück in Auftrag geben. Da ist man schnell 600 bis 700 € los. Je nachdem, was man so möchte halt. Das muss man aber auch erstmal wieder reinholen. Das klingt vielleicht nicht viel, aber wenn man mal auch mit Verlagen und Plattenfirmen spricht, ist das nicht wenig. Man kann als Band heute schon froh sein, wenn man dreistellig verkauft. Das gilt natürlich alles nur für 'kleine' Bands. Oder eben so Nischenmusikmacher wie mich. Ich kann mich kaum erinnern, dass ich mal in einem Interview etwas über Zahlen gelesen habe. Nun gut, ich versuche mich gerade davon frei zu machen und nicht zu schlechte Laune zu kriegen, weil die Hörgewohnheiten den Bach runtergehen. Ich bastele ja schon an der nächsten CD.
Rocktimes: Dass Du in einem Interview bisher nichts von Zahlen gelesen hast, kann aber auch daran liegen, dass bisher noch kein Musiker danach gefragt wurde. Doch ich finde, solche Infos gehören zum Business und dürften für den Leser sehr interessant sein. Außerdem finde ich es gut, einem Interviewpartner gegenüber zu sitzen, der kein Blatt vor dem Mund nimmt. Ab wann können Deine Fans mit Deinem nächsten Album rechnen?
Raimund: Danke Dir. Das Problem mit Zahlen, die man so in den Raum stellt, ist ja, wie ich finde, dass man sie trotzdem abstrahieren muss. Ich kann ja wirklich nur für mich als 'kleinen Independent Act' sprechen. Das sieht bei anderen vielleicht schon wieder ganz anders aus. Wenn man nicht daheim aufnehmen kann, sondern in ein Studio gehen muss, dann sieht es schon wieder ganz anders aus. Das kann man heutzutage ohne Plattenfirma im Hintergrund fast nicht stemmen. Denke ich...
Wann die nächste CD fertig ist, kann ich nur schätzen. Ich denke so Ende nächsten Jahres. Das Ding ist ein bisschen aufwändiger (lacht). Ich werde einige Gitarrenspuren mehr aufnehmen müssen als sonst. Aber mehr möchte ich noch nicht verraten.
Rocktimes: Deine Tonkonserven, die ich bisher für RockTimes rezensiert habe, bekamen alle durch die Bank weg gute bis sehr gute Noten. Für mich zählst Du zu den besten Gitarristen, die der deutsche Musikmarkt momentan hergibt. Wäre es deshalb nicht umso wichtiger, trotz Deiner Entscheidung, es bei einer Ich-AG zu belassen, Deine Fans auch in den Genuss von Live-Auftritten kommen zu lassen? Ich denke, dass dadurch Deine Fangemeinde sprunghaft nach oben schnellen würde.
Raimund: Da hast Du bestimmt Recht. Aber es gibt natürlich Gründe, warum ich nicht auftrete. Es ist zum einen extrem schwierig, eine homogene Band aufzubauen, die Spaß macht und wo die Leute Bock haben, sich unterzuordnen, denn das müssten sie ja wohl oder übel tun. Ich kann meinen Kram nicht mit 'nem Trio spielen. Das hieße, ich bräuchte schon mal noch vier Leute dazu. Und da gibt es schnell Ego-Probleme. Ich will jetzt nicht sagen, dass es immer so sein muss. Aber meiner Erfahrung nach kommt das früher oder später. Dann ist wieder Stress inner Hütte (lacht). Und wer will das schon. Es ist eben (leider) kein Blues Rock, den ich mit einem Trommler und 'nem Basser einfach mal so eben auf die Bühne stellen könnte. Und da kein Geld für Musiker da ist, kann man sie sich auch nicht für Gigs kaufen. Na ja, die Zwickmühle liegt da ja auf der Hand.
Und zum anderen ist es bei mir leider so, wie zum Beispiel auch bei Bruce Springsteen, der mit Depressionen und Ängsten zu kämpfen hat. Und das kann einem schon mal den Tag versauen, das kann ich Dir sagen (lacht). Von daher ist es sehr unwahrscheinlich, dass ich noch mal mit meiner Musik auf die Bühne komme. Ich schließe mal nicht aus, dass ich vielleicht mal als Gast irgendwo auftauche. Aber allein verantwortlich eher nicht.
Das habe ich bislang auch noch nie öffentlich gemacht. Aber bei solch investigativen Fragen wie von Dir Mike (lacht). Es ist für mich schon ein bisschen schwierig, meine Probleme publik zu machen, weil die meisten Mitmenschen einfach nicht über diese Themen aufgeklärt sind, und Menschen, die sich mit dem Mist rumschlagen müssen, falsch einschätzen bzw. aburteilen. Aber ich weiß, dass sich wesentlich mehr Menschen mit einer angeschlagenen Psyche rumschlagen als man so gemeinhin denkt. Denn treffen kann das jeden. Ich gehe aber davon aus, dass die aufgeklärten Leser von RockTimes solche Infos nicht schockieren und sie es entsprechend einzusortieren wissen.
Rocktimes: Ich bin mir sicher, dass unsere Leser mit dem Thema 'Ängsten und Depressionen' gut umzugehen wissen. Auch ich habe in meinem engeren Umfeld Menschen, die arge Probleme mit dem Alltagsstress haben. Und Raimund, ich selbst hatte vor kurzem eine Phase, als mir mein Job, ein familiärer Schicksalsschlag und die Schreiberei für unser Magazin dermaßen Kraft kosteten, dass ich gezwungen war, mir eine dreimonatige Erholungspause zu gönnen. Aber nur für meine Tätigkeit bei RockTimes, denn ich musste weiterhin Kohle verdienen, um die Fixkosten zu decken. Sei es wie es sei, mir hat die Pause gut getan und habe nun wieder Lust, solche Musiker wie Dich in die Mangel zu nehmen.
Hast Du in letzter Zeit eine Platte, eine Band oder Solokünstler entdeckt, wo Du der Meinung bist, den/die oder das, musst Du mir unbedingt empfehlen? Aber nur, wenn es sich nicht gerade um Anastacia oder Mariah Carey handelt - siehe Interview 2011 (lache).
Raimund: (lacht) Klar kann ich Dir was empfehlen. Die neue CD von meinem Kumpel Guido Bungenstock, die aber leider wohl noch ein bisschen dauern wird. Ich kenne schon einige Songs. Hammer! Sehr zu empfehlen!
Ansonsten höre ich mich jetzt nicht gerade nach neuen Bands um. Und bin auch leider über nichts Neues gestolpert. Ich komme gerade eigentlich wieder zu den Klassikern zurück. Das scheint mir für mich gerade der richtigere Weg zu sein.
Man läuft heute ja sowieso Gefahr, dass man sich verliert in dem Mega-Angebot an Bands und Künstlern im Internet. Was mich natürlich mit einschließt (schmunzelt).
Rocktimes: Sag doch dem Guido, dass ich mich für sein kommendes Werk interessiere und wenn er möchte, kann ich dieses unserer Leserschaft vorstellen. Es gibt aber keinen Raimund-Bonus (lache)! Und was die Klassiker anbelangt, geht es mir, durch den ständigen Erwerb älteren Vinyls fast genauso. Die 70er/80er waren doch eine tolle Zeit, fernab vom digitalen Zeitalter.
Raimund: Genau mein Reden. Da hat man sich noch Zeit genommen zum Musik hören! Heutzutage fehlt sie uns einfach. Die Welt dreht sich heute irgendwie ein bisschen schneller. Man muss schneller reagieren und flexibler sein. Oh, oh, jetzt klinge ich aber alt. So alt bin ich ja nun auch noch nicht.
Rocktimes: Wenn es am 22. September heißen würde: Neuer Bundeskanzler Raimund Burke. Auf was könnten sich die Wähler freuen?
Raimund: Ha! Da wäre ich nun wirklich gänzlich ungeeignet. Mir stehen auch so komische Anzüge nicht, wie sie die Kanzlerin trägt. Für sie mag es ja vorteilhaft sein, aber für mich (lacht)?!
Rocktimes: Gibt es für Dich noch eine musikalische Herausforderung? Einen Wunsch, einen Traum, den Du Dir noch unbedingt erfüllen möchtest?
Raimund: Eine musikalische Herausforderung wird die nächste CD sein. Ich bin selber sehr gespannt, wie ich dieses Ding eingetütet kriege! Es wird eine sehr eigene - ähm - Adaption sein. Aber mehr sage ich noch nicht.
Ich bin froh, Musik machen zu können und zu dürfen. Auch wenn es natürlich schwierig ist, sie publik zu machen. Aber die Möglichkeit zu haben, ist schon toll.
Die technischen Möglichkeiten, die wir heute haben, sind da, wie soll ich sagen, eine große Hilfe. Hmm, hab ich das nicht schon gesagt (lächelt)?
Rocktimes: Ich glaube, mit anderen Worten. Raimund, wollen wir uns in ca. zwei bis drei Jahren wieder auf eine Tasse Milch treffen, um dann wieder über Deine Musik, Gott und die Welt zu plauschen? Möchtest Du noch eine Botschaft für Deine Fans loswerden?
Raimund: Ich bin sofort dabei Mike. Ob es dann unbedingt Milch ist...(schmunzelt). Mich würde es sehr freuen, wenn die Leute meiner neuen CD "Get It 2.0" ein entspanntes Ohr schenken würden. Gut, in Massen kaufen wäre jetzt auch nicht sooo schlimm... Habe ich schon auf meine neue CD hingewiesen (lacht herzhaft)? Nee, ich fände es gut, wenn sie ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bekäme, weil sie doch von der Presse ein wenig unterdrückt wurde. Und zwar nur, weil es sie eher als Download gibt. Man kann sie allerdings auch als CD on Demand bei WOM oder JPC bekommen. Aber die Presse hat eben diesmal keine CDs bekommen können. Schon wieder eine total ehrliche Aussage (lacht). Und schon gibt es kaum Reviews. So ist das Business halt.
Gut, es ist ein Re-Recording. Das klingt für viele erstmal vielleicht nicht besonders spannend. Aber ich finde, es ist eine komplett neue und spannende CD dabei rausgekommen.
Ich wünsche jedenfalls allen ein entspanntes Restjahr und vor allem Gesundheit. Macht's gut. Bis zum nächsten Mal, hoffentlich.
Und Mike, vielen Dank für dieses erneut nette Interview!
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