Capercaillie / Roses And Tears
Roses And Tears Spielzeit: 56:56
Medium: CD
Label: Vertical Records, 2008
Stil: Celtic Pop

Review vom 19.08.2008


Norbert Neugebauer
Warum so viele Folkies von keltischer Musik infiziert wurden und trotz der World Music-Schwemme noch immer dafür sehr empfänglich sind, ist rein spekulativ. Vielleicht haben wir doch noch Erbgut jener Völker in uns, die möglicherweise aus dem Bewusstsein, jedoch nie wirklich ganz aus unserem Land verschwanden. Oder die 'Zwerge' leben bis heute im Verborgenen unter uns und infiltrieren uns mit ihren Tunes…
Sei's wie's will, jedenfalls gerät auch mein fränkisches Blut in Wallung, wenn eine Tin Whistle, eine Fiedel und eine Bodhrán zum Jig oder Reel aufspielen. Selbst wenn es in einer Pop-Version passiert.
Capercaillie ist die »wohl bekannteste keltische Folk & Pop Band Schottlands«, die ihr Erfolgsrezept bisher in über 30 Ländern praktiziert hat, sagt uns ihre deutsche Promotion-Agentur. Dass ich bis dato davon nichts mitbekommen habe, soll kein Kriterium sein, warum auch immer.
Für den eher den authentischen Klängen empfänglicheren Lauscher ist der Sound von Capercaillie zunächst etwas zu pop-ulär ausgelegt. Der Vergleich mit Enya liegt nahe, die ja diese Mischung höchst erfolgreich kultiviert hat. Die schottische Variante ist noch etwas melodiöser, weicher und die Leadsängerin Karen Matheson zwar gut, hat aber nicht ganz das Charisma der Ethno-Primadonna. Dafür bleiben ihre sieben Kollegen doch mehr bei den (unwiderstehlichen) traditionellen Melodien, ob sie nun älteres Material oder eigene Sachen spielen.
Es hat lang gedauert, bis ich Gefallen an dieser Art, keltische Musik zu spielen, gefunden habe, Mary Black oder Maire (Moja) Brennan sind weitere bekannte Interpretinnen des Stils, der auch durch die irischen Steptänzer viele Fans gewonnen hat. Aber der wird bei mir wohl weiterhin nur als 'Begleitsound' dienen, der für gute Laune sorgt. Bei "Roses And Tears" kommt jedoch dazu, dass die CD (größtenteils) richtig groovt und swingt, vom ersten Moment an wippt irgendein Körperteil ständig mit. Dem lässt sich schwer entgehen. Auch wenn die gesamte Produktion doch sehr massenkompatibel ausgelegt ist und soundmäßig etwas folkloristisch klingt.
Dass das nicht zu einseitig wird, dafür sorgt u.a. die Mischung zwischen gesungenen Titeln und Instrumentals. Die Frontfrau steht durchaus nicht immer im Mittelpunkt und hat hervorragende Mitmusiker, die sich bestens in Szene setzen. Die retten dann auch das Album vor zeitweiligem Schmusestatus, für den einige Keyboard-gestützte Schmachtfetzen verantwortlich sind.
Karen Matheson singt größtenteils gälisch, teilweise auch englisch. Es fehlt ihr vielleicht etwas an Ausdruck, aber das versucht sie wenigstens nicht mit Pathos auszugleichen. Die Arrangements machen die Songs Lounge-tauglich, lassen aber auch John Martyns "Don't You Go" in feiner Melancholie erblühen.
Insgesamt ist "Roses And Tears" ein gelungenes Album mit Pep, das genreübergreifend ankommen dürfte. Nix für Puristen, aber für alle, die sich gern von Celtic Sounds in irgendeiner Form anmachen lassen.
Line-up:
Karen Matheson (vocals)
Donald Shaw (accordion, Rhodes & piano)
Manus Lunny (bouzouki, guitar & vocals)
Charlie McKerron (fiddle)
Michael McGoldrick (whistles, pipes & flutes)
Ewen Vernal (bass, vocals)
Che Beresford (drums)
David Robertson (percussion)
Tracklist
01:Him Bò
02:Turas An Ánraidh
03:Don't You Go
04:The Aphrodisiac
05:Barra Clapping Song
06:Seinneam Cliú Nam Fear Úr
07:Oran Sugraidh
08:The Quimper Waltz
09:Soldier Boy
10:A' Rácan A Bh Againne
11:Rose Cottage Reels
12:Leodhasach An Tir Chein
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