Cheap Trick / One On One & Next Position Please
One On One / Next Position Please Spielzeit: 34:27 (One On One), 48:02 (Next Position Please)
Medium: LP
Label: SPV, Steamhammer 2013 (1982, 1983)
Stil: Rock


Review vom 30.06.2013


Sabine Feickert
Jugend in der Kleinstadt. Frühe achtziger Jahre, siebte/achte Klasse und vielfältige neue Interessen erwachen. Das Spielzeug ist seit einiger Zeit auf den Dachboden verbannt. Die Hormone laufen Sturm und Jungs/Mädchen sind plötzlich gar nicht mehr so doof, auch wenn es noch schwer ist, das zuzugeben oder gar zu zeigen.
Freizeitbeschäftigung Nummer eins ist in der Stadt rumhängen. Dauerwellen sind schwer angesagt und erste VoKuHiLa-Frisuren werden gesichtet. Hippies, Love & Peace und Flowerpower sind schwer out, Coolness ist schwer angesagt. Die Jeans werden enger und verlieren ihren 'Schlag'. Sie werden auch nicht mehr im Kleidergeschäft gekauft (zumindest wenn man zu den 'Coolen' gehören will), sondern im Jeanspalast, dem, in dem die angesagte Musik läuft und das Stöbern und Anprobieren schon allein aus dem Grund viel cooler ist als im herkömmlichen Kleiderladen. "Looking Out For Number One" gilt nicht nur für 'Mr. Right', sondern auch für die passenden Outfits und Mucke.
Zwar nicht ganz zur 'Number One' aber doch genug für eine Goldene brachte es "One On One", das im Jahr 1982 erschienene Album von Cheap Trick, auf dem der neue Bassist John Brant erstmals 'trickste'. Und auch der direkte Nachfolger "Next Position Please" war zwar kommerziell kein völliger Flop, aber auch nicht DER große Bringer. Beide Alben spiegeln ein Stück weit den Zeitgeist der frühen Achtziger wider und dürfen sich dem Vorwurf der Kommerzialität wohl auch nicht ganz verweigern. Während "One On One" noch auf der etwas härteren Schiene fährt, ist "Next Position Please" deutlich gezähmt und fast schon poppig zu nennen. Doch beide Alben passen in ihre Zeit, spiegeln ein Stück weit Leben und Lebensgefühl 'der Jugend', zumindest (aber wohl nicht nur) in Kleinstädten.
Da war Energie, die raus durfte, bei fetzigen Nummern wie "I Want You" oder den typischen Partygröhlern wie "One On One". "She's Tight" da kann man nur die Augen schließen, den Mund zum Entenschnabel verziehen und mit heftigem Kopfwippen die sorgsam gestylte Mähne in dezente Unordnung schütteln. Ganz cool natürlich und vielleicht auch nur, um unbeobachtet aus dem Augenwinkel ein paar Blicke in die Richtung des/der Angebeteten werfen zu können.
Da war die Suche nach einer uniformierten Individualität, anders als Andere sein, aber bitteschön nur soweit, wie es die Akzeptanz der Gruppen zulässt. Nur soweit abweichen vom Durchschnitt, dass man mit den ach so supercoolen Typen am Autoscooter zu "If You Want My Love" mitwippen kann oder zu "Younger Girls" ebendiese im Discofox über die Tanzfläche der Disco (jeden Sonntagnachmittag in der örtlichen Tanzschule) schieben kann.
Raum für Experimente blieb durchaus aber nur im verträglichen Rahmen, so wie bei "Saturday At Midnight", "I Want Be Man" oder dem schon leicht expressionistisch wirkenden "Won't Take No For An Answer". Doch die Kühnheit der Siebziger wird man hier vergebens suchen, alles bleibt im kontrollierten Rahmen.
So wie bei "Love's Got A Hold On Me", einer gemütlichen Nummer, in der der Chor zum Mitsingen verlockt oder "I Don't Love Here Anymore", das ein wenig die Beatles in die 80er transformiert.
Beide Scheiben wurden mit der gleichen Bandbesetzung eingespielt, produziert wurde "Next Position Please" von Todd Rundgren (unter anderem auch "Bat Out Of Hell" von Meat Loaf), "One On One" von Roy Thomas Baker (Nazareth, Queen, u. v .m.).
Um Missverständnissen vorzubeugen es handelt sich hier um zwei eigenständige LPs, die ich lediglich deshalb in einem gemeinsamen Review besprochen habe, weil sie zeitlich so dicht aufeinander folgten und für mich nur vor dem Hintergrund der Entstehungszeit Bestand haben.
Für mich persönlich sind diese beiden Cheap Trick-Platten eine Zeitreise zurück in meine frühen Teenie-Jahre, zurück in die frühen Achtziger, zurück in eine Zeit des 'nicht Fisch nicht Fleisch' und zwischen himmelhochjauchzend und zutodebetrübt die richtige Farbe des Lippgloss' oder der richtigen Antwort auf das »Willst du mit mir gehen?« Zettelchen lag. Eine Zeit, in die ich nicht ernsthaft zurück möchte, die mir aber im Rückblick doch das eine oder andere Schmunzeln entlockt. Genauso wie die Musik auf diesen beiden LPs. Nicht unbedingt Meilensteine der Musikgeschichte, aber Zeitdokumente, die - zumindest mir - das Feeling dieser Zeit zurückbringen.
Line-up:
Bun E. Carlos (drums, cymbals)
Robin Zander (vocals)
Rick Nielson (guitars, left-hand-keyboards)
John Brant (bass)
Tracklist
One On One
Seite 1:
01:I Want You
02:One On One
03:If You Want My Love
04:Oo La La La
05:Looking Out For Number One
 

Seite 2:
01:She's Tight
02:Time Is Runnin'
03:Saturday At Midnight
04:Love's Got A Hold On Me
05:I Want Be Man
06:Four Letter Word
Next Position Please
Seite 1:
01:I Can't Take It
02:Borderline
03:I Don't Love Here Anymore
04:Next Position Please
05:Younger Girls
06:Dancing The Night Away

Seite 2:
01:3-D
02:You Say Jump
03:Y.O.Y.O.Y.
04:Won't Take No For An Answer
05:Heaven's Falling
06:Invaders Of The Heart
Externe Links: