The Coal Porters / Durango
Durango Spielzeit: 44:43
Medium: CD
Label: Prima Records, 2010
Stil: Bluegrass

Review vom 13.02.2010


Wolfgang Giese
The Coal Porters - eigentlich eine internationale Band. Gegründet von dem Amerikaner Sid Griffin, stießen in Folge ein Schotte, eine Kanadierin und zwei Briten hinzu.
Griffin, dessen Geschichte Musik mit einer Coverband, einer Punkband und dem Spielen von Garagenrock umfasst, zeigte bald Interesse an den Byrds und den Flying Burrito Brothers. Als Mitstreiter in der Bewegung des 'Paisley Underground' kam es 1981 zur Gründung der Band The Long Ryders, später zeichnete er sich noch als Buchautor und Journalist aus, bis 1988 die Coal Porters aus der Taufe gehoben wurden. Sieben Longplayer und eine EP später nun dieses aktuelle Album.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Band hin zum 'Bluegrass', 1997 unter dem Einfluss des akustisch gehaltenen Solo-Album Griffins, "Little Victories". So entstanden dann zwei hervorragende Tributalben, jeweils für Gram Parsons und Chris Hillman.
Seitdem ist es beim Bluegrass geblieben, und so gastieren auf dieser Platte auch zwei hochkarätige Vertreter des Genres, Tim O'Brien und Peter Rowan.
Ganz schwungvoll und mit fröhlichem Anstrich geht es los mit "Let's Say Goodbye (Like We Said Hello)", ein kurzer aber intensiver Opener mit Banjosolo. Das ist modern gespielter Bluegrass, mit Humor gewürzt und vollends in der Tradition der Musik aus den 'Walton Mountains'.
Ja, so geht es weiter im Stil - im nächsten Stück ist die Fiddle vordergründig, die Vokalarrangements strotzen voller Harmonien, so, wie man es vom Bluegrass her gewöhnt ist. Griffin und die Band gehen vollends auf, verlieren bei all der Hinwendung zur Tradition nicht die heutige Zeit und ihren doch etwas anderen Geist.
Man greift zwar die musikalische Form des traditionellen Bluegrass auf, doch ist diese Musik weit entfernt von dem, was Musiker wie Charlie Monroe beispielsweise einst interpretierten. Man hört schon den Einfluss dessen, was besonders Griffin in seinem musikalischen Werdegang über den Weg gelaufen ist. Was bleibt, ist die Unbeschwertheit dieser Musik, immer noch verknüpft mit der leichten Melancholie, die die irischen und schottischen Einwanderer einst in ihren Liedern ausdrückten. Dieses Element ist geblieben. Wunderbar, einmal alles ohne elektrische Gitarren, ohne donnernde Drums und wummernden Bass zu hören.
Interessant ist, dass mir immer wieder zwischendurch der Begriff 'Americana' nicht aus dem Kopf will, denn das könnte durchaus manchmal als 'Americana unplugged' durchgehen, so scheint die Atmosphäre dieser relativ neuen Spielart doch immer wieder durch.
Fast pur McGuinn ist die Version von "Pretty Polly", das der Ex-Byrd auch einst vortrug. Sehr interessant auch die Bluegrass-Version von Neil Youngs "Like A Hurricane": Hier wird dem doch schon alten Hurrikan noch einmal ordentlich neue Kraft eingehaucht und das lässt ihn wieder fröhlich wehen ... "The Squeaky Wheel Gets The Oil" wird als gut abgehender Western Swing vorgestellt. Gospelähnliche Klänge dürfen natürlich auch nicht fehlen, und mit "Sail Away, Ladies!" wird die Platte genau so abgeschlossen.
Textlich wird dem Volk gut auf's Maul geschaut, manchmal scherzhaft, mal romantisch, mal poetisch und auch mal kritisch. Moderner Bluegrass eben, wie ich schon eingangs erwähnte.
Alles in allem ist das natürlich eine ganz spezielle Musik, die man mögen muss, den es gibt reichlich 'Countryhasser', die hier besser Abstand nehmen, aber man sollte vorab bedenken, dass man hier nicht das serviert bekommt, was allgemein als kommerzieller Country bekannt ist, denn das ist uramerikanische Musik der Einwanderer in die heutige Zeit transportiert. Und das auf sehr hohem musikalischen Niveau, mit sehr viel Gefühl vorgetragen, und mit Leidenschaft, die den Vortrag so sehr glaubhaft macht.
Griffin scheint wirklich voll dahinter zu stehen. Eine Reformation der Byrds mit diesem Mann, das könnte was werden, egal, ob in früher oder späterer Ausprägungen der Band.
Fazit: wieder ein klasse Album! Warmherzige und gemütliche Musik mit Wohlfühlfaktor.
Line-up:
Neil Robert Herd (guitars, dobro, vocals)
Sid Griffin (mandolin, harmonica, autoharp, vocals)
Dick Smith (banjo, jaw harp, vocals)
Carly Frey (fiddle, vocals)
Jeff Kazmierski (doghouse bass)
Tim O'Brien (mandolin - #10)
Peter Rowan (vocals, guitar - #3)
Ed Stasium (backing vocals and brainwares)
Tracklist
01:Let's Say Goodbye (Like We Said Hello) [Griffin] 2:16
02:No More Chains [Griffin] 4:02
03:Moonlight Midnight [Rowan] 3:28
04:I'm Not Going Away [Griffin] 4:06
05:One Is Way Too Many [Herd] 3:29
06:The Squeaky Wheel Gets The Oil [Herd] 3:12
07:Pretty Polly 3:35 [trad., arr. Cann]
08:Like A Hurricane [Young] 3:51
09:Permanent Twilight [Griffin] 4:04
10:Roadkill Breakdown [Smith] 2:12
11:Lookin' For A Soft Place To Fall [Griffin] 3:20
12:Closing Time Genius [Herd] 3:38
13:Sail Away, Ladies! [trad., arr. Frey] 3:23
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