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Ein weiteres Jahr neigt sich dem Ende entgegen und es geht schon wieder mit großen Schritten auf Weihnachten zu. Zusätzlich versüßen will uns diese Stimmungs behaftete Zeit die relative junge, hoffnungsvolle Band Colorblind aus der schönen Schweiz. Ihr Gesellenstück lieferten die Eidgenossen bereits mit "Under A Paper Moon" (2007) ab, danach wurde erstmal kräftig getourt. Und auf der 'Straße' wurden dann die Songs für das hier vorliegende Nachfolgewerk, "Anywhere Out Of This World", komponiert. Eingespielt wurde es mit Unterbrechungen während der letzten zwei Jahre im Studio von Schlagzeuger Gunt, der neben seinen klug eingesetzten Drums auch eine bereichernde Instrumenten-Vielfalt ins Spiel bringt.
Die Schweizer sind im Singer/Songwriter- bzw. Folkstil zu Hause und im Vordergrund steht fast ausschließlich Sänger Vito, der auch für sämtliche Texte verantwortlich zeichnet und somit bezüglich der Grundstimmung der Tracks ein gehöriges Wörtchen mitspricht. Die Band verweilt auf den zehn Titeln ihres Zweitwerkes fast grundsätzlich in sehr ruhigen Fahrwassern und Vitos zumeist fast zerbrechlich wirkender Gesang erinnert aufgrund der Stimmlage und des Timbres gerne auch mal an einen Jeff Buckley. Unterstützt wird er dabei von seinen drei, sehr einfühlsam agierenden Mitmusikern (plus Gast), die trotz der gesetzten Melancholie eine sehr angenehme Atmosphäre schaffen, in die man sich gerne fallen lässt.
Bei der ersten Nummer, "Hello", ist ein Farbe ins Spiel bringendes Glockenspiel mit dabei und der Track erinnert von der Rhythmik gar an ältere, folkige Aufnahmen des Kanadiers Neil Young. "Blue Sky" stellt mit seiner wesentlich weiter im Vordergrund stehenden E-Gitarre das offenste, bzw. eingängigste Stück dar. Sehr gut ins Ohr gehend hier auch der Refrain, der umgehend Lust auf Mehr macht. In Richtung Desert Rock-Ballade geht dann "The Devil And The Nun", bei dem die Besen über die Snare streichen und Vito einmal mehr seinen 'Blues' verkündet. Eine Stärke von Colorblind ist, dass man trotz der vorherrschenden Melancholie in den Songs als Zuhörer nicht schlecht 'drauf gebracht' wird und der Scheibe auch dann bedenkenlos lauschen kann, wenn die eigene Gemütslage mal gerade nicht so berauschend ist.
Die vier Helveten selbst sehen es so, dass man sich die ersten fünf Stücke eher am Tag und die zweite Hälfte dieses Albums dann lieber in der Nacht anhören sollte. Dafür wird es sicherlich Gründe geben und diesbezüglich mag der geneigte Zuhörer dann am besten für sich selbst entscheiden, wie er denn nun verfahren möchte. "Anywhere Out Of This World" kann man aber ohne weiteres auch am Stück hervorragend genießen. Für "Hollywood" hatte man sich Jeff als Gast ins Studio eingeladen, der hier ein schönes Piano und eine zusätzliche Gitarre beisteuerte.
Bei "Slow" ist auch das herrlich zu diesen Songs passende Glockenspiel wieder zurück, eine einsame Elektrische liefert ein paar Licks ab, während sich die Band ansonsten eher im Hintergrund hält. Die leisen Töne werden bei Colorblind groß geschrieben und auch die letzten beiden Tracks, "Coldroom" und "Leavin' Here" ändern die Marschrichtung dieses sehr einfühlsamen Gesamtwerkes nicht mehr. Bei "Coldroom" scheint es um eine Person zu gehen, die (in sich?) gefangen zu sein und auch das Licht am Ende des Tunnels nicht mehr zu sehen scheint. Wesentlich positiver dagegen "Leavin' Here", das sich mit dem Abschied der eigenen Vergangenheit und dem Aufbruch in ein neues Leben auseinander setzt.
Auf beeindruckende Weise erschaffen sich Colorblind mit "Anywhere Out Of This World" ihre ganz eigene, kleine Welt, die es verdient hätte, angecheckt und entdeckt zu werden. Die Scheibe wird auf Partys zwar kaum bis gar keine Rolle spielen, ist aber speziell für die ruhigeren Stunden eine echte Bereicherung. Vorausgesetzt, man kann sich mit der oft eingesetzten, hohen Stimmlage von Frontmann Vito anfreunden. Für jede Menge Feeling und Atmosphäre ist davon abgesehen gesorgt, sodass die halbe Miete schon mal eingefahren ist. Für den Rest sorgen der gute Sound und ein gutes Händchen fürs Songwriting.
Hört mal rein!
Line-up:
Vito (lead vocals, acoustic guitar, piano - #1)
Sam (electric guitars, acoustic guitar - #5)
Gunt (drums, bass, glockenspiel, loops, wood blocks, Fender Rhodes, shaker, triangle, tambourine)
Blez (bass, double bass)
Mit:
Jeff (piano & additional guitar - #6)
| Tracklist |
01:Hello
02:Blue Sky
03:The Devil And The Nun
04:Anywhere Out Of This World
05:Revolutions
06:Hollywood
07:My Glory
08:Slow
09:Coldroom
10:Leavin' Here
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