Conny Conrad:
Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.
Conny Conrad Dark Ocean haben die Zusammenarbeit in der jetzigen Besetzung einvernehmlich beendet.
Wir wollten etwas über die Hintergründe erfahren und natürlich auch über die Zukunft der Band.
Conny Conrad gab bereitwillig Auskunft.


Interview vom 19.07.2007


Alexander Mathias
RockTimes: Hallo Conny. Zuerst einmal vielen Dank, dass du dir für RockTimes ein bisschen Zeit genommen hast.
Conny: Ja, freut mich auch, mal bei euch über meine Musik reden zu können.
RockTimes: Beginnen wir gleich mit einem spannenden Thema. Ende April diesen Jahres hast du verkündet, dass deine Mystic Rock-Band Dark Ocean die Zusammenarbeit in der jetzigen Besetzung einvernehmlich beendet hat.
Nach vier veröffentlichten CDs und zuletzt dem Konzert bei Weitingen rockt! kam das für alle Außenstehenden doch recht überraschend.
Was waren denn die Gründe für diesen Schritt?
Conny: Dass ich so schnell einen Schlussstrich gezogen habe, hat mich im Grunde auch etwas überrascht, aber das Sprichwort 'Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht' hat hier voll getroffen. Wie ich allerdings schon auf vielen Portalen sagte - es waren eigentlich nicht musikalische sondern eher soziale, zwischenmenschliche Gründe, die mich veranlassten, einen kompletten Besetzungswechsel durchzuführen. So spannend es auch war, mit drei Engländern zu musizieren, so nervenaufreibend war es auch, z.B. im organisatorischen Bereich. Dark Ocean ist keine Band von der Stange. Sie verlangt von jedem einzelnen das volle Paket an Leistungsfähigkeit. Das ist nicht jedermanns Sache… Also, wir haben uns im Guten getrennt, und sollten wir uns mal irgendwo 'down the road' wieder treffen, dann gehen wir uns nicht aus dem Weg. Nur, Musik wird es in dieser Besetzung nicht mehr geben.
RockTimes: Bedeutet das nun das Aus für Dark Ocean oder hast du neue Pläne? Schließlich sind die gesamten Kompositionen von Dark Ocean aus deiner Feder geflossen.
Conny: Aus? Ganz im Gegenteil! Jetzt starte ich erst richtig durch, gewaltig und voller Power!
Diesmal wird alles anders. Also, alle 13 brandneuen Songs für das fünfte Dark Ocean-Album habe ich bereits fertig und vorproduziert! Derzeit habe ich eine Crew an Drummern und Bassern für die zukünftigen Liveauftritte gesucht und fast schon komplett gefunden. Sobald die Namen mit Bild auf der Webseite erscheinen ist es spruchreif und amtlich. Im Studio wird davon ein Worldclass-Drummer die Schlagzeugparts einspielen. Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden.
Die wirklich harte Nuss ist die Auswahl des neuen Sängers. Da habe ich mir erlaubt, wirklich große Namen zu kontaktieren, und die ersten positiven Vorgespräche sind bereits gelaufen. So habe ich im Auge… Sorry, aber das ist noch top secret. Ja, im Moment bin ich selbst gespannt, wer 'mein' neuer Sänger wird. Jedenfalls war Dark Ocean schon immer ein spannendes Thema in jeder Hinsicht, und jetzt lege ich einfach noch ein paar Briketts nach.
RockTimes: Dark Ocean blickt auf etliche Konzerte zurück, bei denen ihr euch als eine faszinierende und mitreißende Live-Band gezeigt habt. Auch wenn so eine Atmosphäre nie zu 100 Prozent auf einer CD wiedergegeben werden kann, wäre ein Live-Album eine feine Sache.
Was hältst du von dieser Idee?
Conny: Klingt gut. Es ist nur so, dass ein Livemitschnitt technisch gesehen sehr aufwendig ist und viel Geld schluckt. Das habe ich auf unserer Tour mit Barclay James Harvest gesehen. Falls also neben Dir noch ein paar Fans nach einem Livealbum fragen sollten, dann gehe ich das Thema mal ernsthaft an.
RockTimes: Du hast gemeinsam mit Dave Cousins (The Voice of The Strawbs) das viel beachtete Album "High Seas" aufgenommen. Eine erfolgreiche Tour hat sich daran angeschlossen.
Können wir mit weiteren Veröffentlichungen von Cousins & Conrad rechnen?
Conny: Erstaunlich war, dass aus diesem Album das von mir komponierte und von Dave getextete Stück "The Moon And Stars" in den USA auf über 30 Rocksendern über Monate hinweg lief und überhaupt das ganze Werk unter den Strawbs-Fans heiß gehandelt und diskutiert wird. Die Fans, Dave und ich sind sich einig, in Zukunft wieder gemeinsam zu produzieren.
Zwischenzeitlich hat mich Dave auf ganz besondere Art und Weise überrascht und gewürdigt. Er hat nämlich soeben sein neues Soloalbum "The Boy In The Sailor Suit" veröffentlicht.
Ja, und darauf hat er meinen Song "Skip To My Lou" aus dem noch aktuellen Dark Ocean-Album Cosmica übernommen, aber in einer vollkommen anderen Fassung - irisch, folkig, schnell, irre! Vielen Dank, Dave!
Außerdem hat er unseren Gemeinschaftstitel "Lonely Days, Lonely Nights" auf die CD genommen. That's what I call a friend!
RockTimes: Was hat Conny Conrad von seiner Tätigkeit als Produzent zu berichten? Kannst du uns ein bisschen von deinen aktuellen Projekten erzählen?
Conny:Conny Conrad Neben den neuen Songs für Dark Ocean bin ich derzeit mit verschiedenen Neuproduktionen beschäftigt. Gerade erst wurde mein neues Baby Herman Stones - Best Of veröffentlicht, das bei euch ja schon eine tolle Rezi bekam.
Meine zwei neuen 'Pferdchen' im Stall sind die Nachwuchssängerinnen AnnKathrin und Aileen Moore, aber auch mit Cherio produziere ich gerade neue Songs. So habe ich alle auf den Sampler "CoCo Hits 2007" gepackt. Die Compilation gibt es auf den meisten Download-Portalen (musicload.de, aol-musicdownloads) und hier.
Ansonsten schreibe ich Musik im Bereich Special Marketing u.a. für Krankenkassen, Versicherungen, Autohäuser und Trailer für Fernsehsender usw., also das volle Programm für Marketing.
Soeben habe ich auch eine neue Europa-Hymne komponiert und geschützt, für die es in Bälde eine eigene Webseite geben wird. Auch dieses internationale Projekt wird mich noch stark in Anspruch nehmen.
Ja, und Ende des Monats wird mich wieder Mick Rogers von Manfred Mann's Earthband besuchen. Sie spielen bei mir ums Eck beim Festival "Rock Of Ages". Mal sehen, was dabei wieder herauskommt...
RockTimes: In deiner mittlerweile über 30-jährigen Karriere als Musiker ist eine Vielzahl von Veröffentlichungen zusammengekommen. Kannst du uns einen Überblick geben, was du in dieser Zeit alles geschaffen hast?
Conny: Mittlerweile habe ich über 1.200 Titel komponiert und ca. 500 Texte geschrieben, die natürlich nicht alle veröffentlicht sind. Nach heutigem Stand sind 90 Tonträger mit Musik von mir veröffentlicht worden. Manche haben sich sechsstellig, manche fünf- und vierstellig verkauft, so dass wir auf eine Auflage von über zwei Millionen kommen.
Highlights waren sicher die Musik für die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 1993, für die Olympiamannschaft Sydney 2000 oder Pico - das Starclubmusical. Eine detaillierte Beschreibung finden wir auf meiner Webseite unter 'Biography' oder 'Discography'.
Ja, vielleicht noch ein Hinweis auf einen 'heimlichen Hit', der zwar nie in den offiziellen MediaControl-Charts alleine aufgetaucht ist, aber auf einer selbst für mich schon unüberschaubaren Menge an Instrumental-Compilations veröffentlicht und von fast jedem TV-Sender für Reiseberichte oder Dokumentationen verwendet wurde: "Terranea". Das Stückchen hatte ich in Australien produziert und im Laufe der Jahre hat es sich quasi verselbständigt.
RockTimes: Deine Musik ist erstaunlich vielfältig. Verrätst du uns, wer deine musikalischen Vorbilder sind?
Conny: Tja, diese ganzen Schubladen (Rock, Pop, Country, Jazz usw.) wurden ja nicht von mir erfunden. Es ist eben so, dass ich sehr auf eine bestimmte Art von Harmonien stehe, verbunden mit Gitarrensounds aller Art und orchestralen Sounds. Bei mir darf's von minimal bis bombastisch-monumental sein, nur eben nicht wirklich schräg.
Lassen wir bei einem Dark Ocean-Titel einfach mal den Gesang, die Brettgitarren und das Schlagzeug weg, und schon haben wir einen netten Wellness-Relaxation-Chillout-usw.-Instrumentaltitel. Oder lass die Gitarren weg und singe Deutsch, schon hören wir einen poppigen Schlager. Wenn Du also die Arrangementtechnik beherrschst, dann kannst Du die gleiche Komposition vielfältig darstellen.
Wenn überhaupt, dann habe ich im herkömmlichen Sinne im Rockbereich Tony Iommi und Dave Cousins als Vorbilder, denn beide bewegen mich in ihrer Art, Musik auszudrücken. Im Klassikbereich könnte ich noch Evard Grieg und Jean Sibelius nennen. Das war's.
RockTimes: Mit welchem Lebensmotto gehst du an dein künstlerisches Werk heran? Und vor allem, woher beziehst du deine Motivation, immer wieder Neues zu kreieren?
Conny: Mein Lebensmotto: »Gib deinen Tagen auf diesem Planeten einen Sinn«. Dabei sollte allerdings gleich definiert werden, was wir unter dem Begriff 'Sinn' verstehen. Ein philosophisches Endlosthema! Aber - wenn du z.B. dein musikalisches Talent erkannt hast, dich eine innere Stimme (wissen die Götter, wo die herkommt) ständig auffordert, daran zu arbeiten und du dann feststellst, dass andere Menschen sehr viel Freude mit deiner Musik haben, dann macht das für mich Sinn, weil es unbeschreiblich schön ist, diese Freude zu empfangen. Das ist die eine Seite der Motivation. Die andere Seite liegt in der Musik selbst. Bei Licht betrachtet müsste ich bei meiner Menge an Titeln und der Tatsache, dass wir im harmonischen Gefüge nur 12 Töne zur Verfügung haben, eigentlich zum Ergebnis kommen, alles schon komponiert zu haben. Noch exorbitanter ist diese Überlegung, wenn ich die Billiarden von Kompositionen anderer hinzuziehe. Es wäre also absolut nicht ungewöhnlich, wenn jemand mit dem Hinweis käme, diese oder jene Passage schon genau so gehört zu haben. Aber - das ist noch nicht passiert.
Im täglichen Leben sieht das so aus, dass ich z.B. mit meiner lieben Frau und unserem Waufzi (auch Hund genannt) spazieren gehe. Sie läuft neben mir, Hand in Hand, und ich höre sie aus der Ferne rufen »Hörst du mir eigentlich zu, hallo, Erde an Conny…«. Dann weiß ich erstens, wie toll es ist, eine Frau zu haben, die einen solchen Träumer lieben kann und zweitens, dass ich wieder einen Zugriff auf das endlose Universum der Melodien und Töne hatte, sprich - mir ist wieder etwas Neues eingefallen. Ich komponiere also im Kopf und alles weitere ist handwerkliche Arbeit. Das macht Spaß wie am ersten Tag.
RockTimes: Nachdem wir die Vergangenheit und die Gegenwart ausgeleuchtet haben, ist es an der Zeit, einen Blick in die Zukunft zu werfen.
Was sind deine langfristigen Pläne? Hast du irgendwelche Visionen? Etwas, das du unbedingt verwirklichen möchtest?
Conny: Du kannst Dich bestimmt noch an diese Kaffeewerbung im Fernsehen erinnern, wo er sie auf dem Schiff fragt, was sie ändern möchte, und sie sagt: »Alles soll so bleiben wie es ist«. So geht es mir derzeit, allerdings nicht bezogen auf die Problemfelder dieser Welt. Wenn ich da hinschaue, dann könnte ich heulen. Also leiste ich den mir möglichen Beitrag, Gutes zu tun, auch wenn das nur die Spitze eines Eisbergs ist, wenn überhaupt, - wie z.B. meine Anti-Drogen-Initiative 'proYact', die ich gemeinsam mit Herman Stones ins Leben gerufen habe. Dadurch haben schon viele Menschen Gutes erfahren. Schau hier.
Schwierige Themen mit Musik begleiten, das liegt mir auch sehr gut.
Meine Pläne: Mit Dark Ocean den größtmöglichen Erfolg erreichen, mein Musical "Atlantis" zum Leben erwecken, einmal auf der Pyramide von Teotihuacan spielen, einmal mit Tony Iommi gemeinsam auf der Bühne spielen, einmal die Filmmusik zu einem epochalen Science-Fiction-Film schreiben und vieles mehr. Wie schon gesagt - sollte das alles nicht in Erfüllung gehen, dann bin ich weder frustriert noch enttäuscht, denn im Grunde habe ich jetzt schon mehr erreicht als sich die meisten Musiker wünschen, und ich habe genügend Sinn für Realität, das heutzutage richtig einzuschätzen.
In diesem Zusammenhang fällt mir immer dieses seltsame Phänomen ein, wie mich manchmal die Leute interpretieren. Ich meine konkret den Ausspruch: »Conny Conrad? Kenne ich nicht.« Nun, was wollen uns diese Worte sagen? Meist kenne ich diesen Menschen, der so etwas sagt, ja auch nicht. Gibt es ihn dann gar nicht? Ist er nichts wert, bin ich nichts wert? Ist meine Musik deshalb minderwertiger als die eines Musikers, den dieser Mensch kennt? Ist 'Kennen' ein Faktor von Qualität oder Daseinsberechtigung? Du siehst, ein schwachsinnigeres Argument, einen Musiker zu beurteilen, gibt es wohl nicht. Ich trage also die Vision in mir, auch im Interesse aller anderen Musiker, dass dieses 'kenne ich nicht' bald seine weltfremde Bedeutung verliert.
RockTimes: Herzlichen Dank für das Interview, Conny. Alles Gute für deinen weiteren Weg, wir werden ihn mit Spannung mitverfolgen.
Conny: Ja, das ist sehr lieb. Auch ich werde die weitere Entwicklung von RockTimes intensiv beobachten, weil ich es absolut lobenswert finde, wie ihr, unabhängig von jeglichen Kommerzgedanken, einfach über die Musik schreibt, die euch am Herzen liegt. Klasse!
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