Crazy Lixx / New Religion
New Religion Spielzeit: 44:42
Medium: CD
Label: Frontiers Records, 2010
Stil: Sleaze Rock


Review vom 17.03.2010


Moritz Alves
Wir schreiben das Jahr 2010 und die Schweden-Sleazer Crazy Lixx werfen ihr neues Album unter dem Namen "New Religion" auf den Markt. Irgendwas müssen die vier Jungs ja verpasst haben, denn abgesehen davon, dass Sleaze und Glam zurzeit wieder schwer im Kommen sind, ist dieser Sound an sich nicht wirklich neu, sondern erlebte seine Hochphase bekanntlich vor etwas mehr als 20 Jahren.
Aber was schreibe ich hier eigentlich?! Selbst Baujahr 1983 und damit ungefähr im gleichen Alter wie drei Viertel der Crazy Lixx, habe ich durch die späte Geburt jene Sleaze-Sternstunden selbst nur als Dreikäsehoch miterleben können. Als 1991 bis 1993 die letzten großen Alben der Achtziger-Bands erschienen, drückte ich als Pennäler jedenfalls noch die Grundschulbank. Somit bleibt mir wohl nur die Ehre, im gleichen Jahr wie Mötley Crües Meilenstein "Shout At The Devil" das Licht der Welt erblickt zu habenů
Aber ich schweife ab. Eine Hammerscheibe wie "New Religion" hat ein solch uncoole, wenig euphorische Einleitung nämlich keinesfalls verdient. Sowas dürfen allenfalls alternative Hornbrillen-Studentenmagazine schreiben, nicht aber ein Glam Metal-Verfechter wie ich, der sich die Laune nicht mit Bob Dylan-Gedächtnisfrisur-Indie-Combos vermiesen lässt. Die Crazy Lixx fabrizieren nämlich dreckig-metallischen, breitbeinigen Rock'n'Roll mit Spandex-, Kajal- und Haarspray-Prädikat (und natürlich auch mit ganz viel Eiern, is' klar!), wie er in der heutigen Zeit am besten von jungen und hungrigen Schweden-Bands auf Silberscheibe gebannt wird - dass der Vierer ebenfalls im Land der Elche beheimatet ist, brauche ich hier eigentlich gar nicht extra zu erwähnenů
Heißa, "New Religion" ist wirklich dermaßen stark, dass sie ohne Zweifel als eine der ausgereiftesten Dicke-Hose-Scheiben der letzten paar Jahre in Erinnerung bleiben sollte. In einer gerechten Welt würden die vier Schminktöpfe dafür auf breiter Basis Auszeichnungen in den Hintern geschoben bekommen.
Für mich agiert das Teil jedenfalls auf ähnlich hohem Niveau wie die letzte Babylon Bombs (Babylon's Burning, 2009) und steckt Crashdiets relativ unspektakuläre "The Unattractive Revolution" (2007) locker im Vorbeigehen in die Tasche! Hier gibt's durchweg dreckig-schlüpfrigen Hard Rock mit ganz viel Attitüde auf die Löffel, dass es eine wahre Freude für alle Sleaze-Verehrer ist. Man öffnet somit nur allzu gern seine Ohren und lässt sich widerstandslos mit akzentuierten, messerscharfen Riffs, rotzig-lauten Vocals und dicken Background-Chören schmieren. Die Lixx agieren mit diesem Opus qualitativ sowie stilistisch auf absoluter Augenhöhe mit absoluten Hochkarätern wie z.B. dem Crashdiet-Meisterwerk "Rest In Sleaze" (2005).
Die zwölf fiesen Kracher, die die Jungs unter der Leitung von Szene-Produzent Chris Laney (u.a. Crashdiet, Babylon Bombs, Europe) hier vereint haben, beweisen dies eindrucksvoll. Wirklich jeder verdammte Track ist ein kleines Meisterwerk geworden: Beginnend mit dem packenden Opener "Rock And A Hard Place" reiht sich Perle an Perle! Astreine, arschtretende Sleaze-Hymnen wie "My Medicine", "The Witching Hour" und vor allem "21 'Til I Die" (für dessen Rotz und Wut so manch gestandene Combo töten würde) finden sich ebenso auf dem Silberling wie traumhaft schöne Powerballaden à la "Blame It On Love" und das riesige, stadionrockige "What Of Our Love". Schlussendlich gibt's dann noch einen Satz heiße Ohren mit dem mit Bläsern angereicherten "She's Mine" sowie "Voodoo Woman", dessen Slide-Intro "Desert Bloom" an selige Cinderella-Zeiten erinnert. Heilige Scheiße, man hätte wirklich jeden einzelnen verdammten Track aufzählen können!
Selten hat Sleaze Rock im neuen Jahrtausend besser geklungen als hier und jetzt bei den Crazy Lixx. Das ist Großkönner-Rock allererster Kajüte, der seinen Namen auch wirklich verdient hat. Talent und Attitüde gehen Hand in Hand und lassen die Konkurrenz ganz, ganz alt aussehen. Es scheint die Truppe demnach auch herzlich wenig gejuckt zu haben, dass Urgitarrist Vic Zino mittlerweile für Hardcore Superstar die Saiten quält - man vermisst ihn auf "New Religion" jedenfalls in keiner Sekunde. Neuling Andy Dawson hat nämlich ganze Arbeit geleistet und haut packende Riffs und unglaubliche Soli raus, als gäbe es kein Morgen.
Insgesamt muss man den Crazy Lixx nach "New Religion" attestieren ihren Status als eine der heißesten, hungrigsten, schlicht besten Combos der neuen Sleaze-Bewegung weiter ausgebaut zu haben. Ihr selbstgestecktes Ziel, das sehr starke Debütalbum "Loud Minority" zu übertreffen, haben sie hiermit möglicherweise erreicht - laut und unbändig sind sie dabei glücklicherweise geblieben, aber zu einer Minderheit sollten sie anno 2010 nicht mehr gehören. Dieses starke Zweitwerk wird die Band auf dem Weg zur Rock'n'Roll-Weltherrschaft jedenfalls ein gutes Stück nach vorne bringen!
Line-up:
Danny Rexon (vocals)
Andy Dawson (guitar)
Luke Rivano (bass)
Joey Cirera (drums)
Tracklist
01:Rock And A Hard Place (3:54)
02:My Medicine (4:39)
03:21 'Til I Die (3:24)
04:Blame It On Love (4:06)
05:Road To Babylon (3:17)
06:Children Of The Cross (4:30)
07:The Witching Hour (4:13)
08:Lock Up Your Daughter (4:05)
09:She's Mine (3:39)
10:What Of Our Love (4:16)
11:Desert Bloom (0:46)
12:Voodoo Woman (3:54)
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