Crooked Still / Still Crooked
Still Crooked Spielzeit: 44:10
Medium: CD
Label: Signature Sounds/in-aktustik 2008
Stil: Folk

Review vom 25.09.2008


Norbert Neugebauer
Da ist sie wieder, diese Streichelstimme aus Boston mit dem sperrigen Folk-Instrumentarium. Aoife O'Donovan und Crooked Still. Aus dem Quartett ist inzwischen ein Fünfer geworden, für den abtrünnigen Cellisten Rushad Eggleston wurde mit Tristan Clarridge ein vollwertiger Ersatz gefunden und auch gleich noch eine zweite Geigerin namens Brittany Haas eingestellt. Innerhalb der letzten fünf Jahre hat sich die Gruppe durch unermüdliches Touren zur bedeutendsten Folkband seit den Sechzigern, die aus Bosten stammt, gemausert, verkündet der renommierte Bosten Globe.
Auf dem Cover ihrer dritten CD deuten Grabkreuze in hohem Gras, über das ein Schwarm Vögel in einem fleckigen Aquarell-Himmel zieht, auf die europäischen Auswanderer-Roots hin, die klar die musikalische Basis für die Crooked Still-Musik bilden. Keltisches und Angelsächsisches, gepaart mit klassischen und jazzigen Anleihen - die Band hat ihren Stil konsequent weiterentwickelt, der schon auf dem Vorgänger Shaken By A Low Sound Kritiker und Fans gleichermaßen entzückte. Dabei greift sie auf überliefertes Material, Traditionals und erstmals auch auf zwei Eigenkompositionen zurück.
Wie vom Rezensenten gefordert, geht's diesmal deutlich lebhafter zu und Ms. O'Donovan kommt öfters zur Sache. Und da haben wir den Salat - dabei stößt das Feen-Organ an seine Grenzen, kratzt, trägt nicht recht und damit verliert die wilde Virtuoso-Jagd schon ihren Reiz. Nein, die Stärken liegen eindeutig bei den sanft dahin gehauchten Melodien, zu denen die restliche Band knarzt und schrubbt. Und davon hat das Album einige - es krümmt sich schon noch gekonnt filigran.
So bleibt ein leicht zwiespältiger Eindruck. "Still Crooked" ist deutlich temporeicher als sein Vorgänger, auch noch etwas mehr 'sophisticated'. Die beiden Geigen tendieren weiter Richtung Country, dafür ist das Cello weniger kantig. Die Percussion übernimmt öfters das immer noch hervorragende Banjo und der Kontrabass brummt angenehm dazu. Trotz dieser weiterhin aparten musikalischen Stilmittel ist der Reiz nicht mehr der Gleiche, es klingt öfters angestrengt und mitunter sogar leicht nervig (wie etwa bei John Hurts "Baby What's Wrong With You", bei dem der Mississippi-Mann wohl kaum mal von seiner Blues-Wolke spuckt). Das Ende der Unschuld, könnte man auch leicht wehmütig formulieren. Im Bedarfsfall geht der Griff ins CD-Regal zum flirrenderen "Shaken By A Low Sound" und der Rezensent wartet übergangsweise darauf, wie dieser interessante Akustik-Trip mit den jungen Bostonern weitergeht.
Folkmusik ist in erster Linie immer noch Herzensangelegenheit und keine Kopfsache intellektueller Feingeister.
Line-up:
Aoife O'Donovan (voice, guitar, baritone ukulele, glockenspiel & upright piano)
Brittany Haas (5 string fiddle)
Gregory Liszt (banjo)
Tristan Clarridge (cello, fiddle)
Corey DiMario (double bass, tenor guitar)
Tracklist
01:Undone In Sorrow
02:The Absentee
03:Captain, Captain
04:Tell Her To Come Back
05:Low Down And Dirty
06:Oh, Agamemnon
07:Pharaoh
08:Florence
09:Did You Sleep Well?
10:Poor Ellen Smith
11:Theme From The Absentee
12:Wading Deep Waters
13:Baby, What's Wrong With You
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