The Crows / One Flew Over The Cornfield
One Flew Over The Cornfield Spielzeit: 42:41
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2011 (1991)
Stil: Folk, Country


Review vom 06.09.2011


Markus Kerren
»Musik ist nicht Mathematik... bei Musik geht es um viel mehr, als immer nur den richtigen Ton zu treffen!« Eine außerordentlich sympathische Aussage, die von Lucky Feather, dem (Haupt-) Sänger und Harp-Spieler der hier vorgestellten Truppe stammt. Und eine, die schon sehr gespannt auf die 13 Tracks dieses Albums macht. Aber dazu später mehr...
The Crows entstanden in den achtziger Jahren im Umfeld von Nashville und erspielten sich dort mit ihren akustischen Instrumenten und humorvollen Texten innerhalb weniger Jahre eine beachtliche Fan-Schar. Im Jahr 1991 nahmen sie Live, ohne Netz und doppelten Boden das Album "One Flew Over The Cornfield" auf und lösten sich danach einfach erstmal auf. Dieser zeitlich undefinierte Hiatus zog sich dann zwanzig Jahre lang hin. Aber: The Crows sind nun in der Formation Sue Braswell, Keith Miles und Jack Sundrud (diesmal ohne Pseudonyme) wieder zurück, geben Konzerte und arbeiten zur Zeit an einem neuen Album, das noch Ende diesen Jahres erscheinen soll. Als Überbrückung haben sie nun ihre erste Scheibe wieder veröffentlicht, die wir uns doch gleich mal vornehmen möchten.
Locker-flockig und mit jeder Menge Swing beginnt "Build Me A Robot" die Scheibe und macht gleich schon mal richtig Laune. Lediglich die Dobro und der Stand-up Bass sorgen für Musik, während Lucky Feather die Sache gesanglich vorträgt. Den Song zum Überflieger macht dann allerdings Sue Braswell aka Vel Crow mit ihren spitzenmäßigen Harmony Vocals. Direkt beim Nachfolger darf sie dann selbst hauptamtlich vor dem Mikro stehen, während die männliche Fraktion für die Background Vocals sorgt. Ein feines Bass-Solo im Verbund mit der sich dazugesellenden Dobro machen auch diesen Track zu einem guten.
"Cut Me Free" fließt eindeutig das Blut des Country-Standards "Oh, Lonesome Me" durch die Venen, was dem Spaß aber keinen Abbruch tut. Um das zur Musik gesprochene "Tall Grass" richtig gut zu finden, muss man schon über den gleichen Humor wie Lucky Feather verfügen, der seine Geschichte hier lediglich zu einem jazzigen Bass und Fingerschnippen vorträgt. "Down On Broadway" beginnt als A-Capella, bevor ein Banjo, der Bass und die Dobro hinzustoßen. Ohne diesen Fakt bewerten zu wollen, handelt es sich bei den Songs von The Crows in erster Linie um Entertainment, wenn die Texte auch einen gewissen Tiefgang andeuten. Darüber hinaus gehen sie aber kaum.
Richtig cool kommt auch "Fate" mit einem schönen Banjo und einer feinen Gesangsmelodie. Apropos, die besten Gesangs-Momente sind immer die, wenn es mehrstimmig zur Sache geht. Am ehesten fest zu machen ist dies dann, wenn Lucky federführend ist und Vel Crow (Sue Braswell) mit ihren Harmonies dazu stößt. Aber die Lady mit der Dobro weiß auch solo zu überzeugen ("Don't Stop Now", "Mama's House"). Auch "Henny Penny", einem Midtempo-Bluegrass-Stück, leiht sie ihre Stimme und macht damit, ebenso wie mir ihrem Saiten-Instrument, eine hervorragende Figur.
Hier wird also Country Folk vorgetragen, der auf einer großen Bühne wohl eher Fehl am Platze wäre. Nein, die Musik von The Crows schreit vielmehr nach den kleinen Bühnen in Bars, um ihr volles Timbre zu entfalten. Und in einem solchen Ambiente werden die Stücke auch wunderbar funktionieren. Ebenso wie zu Hause im CD-Player, wenn man auf flotte, swingende Musik mit augenzwinkernden Texten steht. Reinhören sollte man vor dem Kauf aber mal, da Kleinkunst ja durchaus auch Geschmackssache ist. Am besten in "Build Me A Robot", "Something To Crow About" oder "Down On Broadway".
Man darf gespannt sein, wie sich The Crows zwanzig Jahre später mit ihrem neuen Album anhören werden.
Line-up:
Lucky Feather (vocals, harmonica)
Heckle The Crow Boy (vocals, guitars)
Jeckle (vocals, upright bass)
Vel Crow (guitars, dobro, vocals)

With:
Crow Magnum (mandolin, harp)
Edgar Alan Crow (guitars)
Djangle Rightfoot (tambourine)
Tracklist
01:Build Me A Robot
02:Something To Crow About
03:Cut Me Free
04:Standing In The Suburbs
05:Job To Do
06:Fate
07:Don't Stop Now
08:Tall Grass
09:Mama's House
10:Santa Fe
11:Henny Penny
12:Down On Broadway
13:World By Storm
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