Leonard Cohen / Live in Dublin
Live in Dublin Spielzeit: 73:09 (CD 1), 62:54 (CD 2), 43:13 (CD 3) 179:16 (DVD)
Medium: 3CD + DVD-Box
DVD-Technik:
Sound: Dolby Digital
Bild: NTSC
Label: Sony Music, 2014
Stil: Folk Rock


Review vom 22.02.2015


Sabine Feickert
Das Alter macht bekanntlich auch vor Musikern nicht Halt. Kurz vor seinem 79. Geburtstag stand der kanadische Singer/Songwriter, Dichter und Schriftsteller Leonard Cohen für die mir vorliegenden Aufnahmen (3 CDs, 1 DVD) auf der O2-Bühne in Dublin. Irgendwie muss man ja die Zeit zwischen zwei Studioalben (2012 und 2014) füllen...
Das Alter habe ich, bekennende Jahreszahlenniete, zugegebenermaßen nochmal recherchiert. Beim Anschauen war mein Eindruck, dass dieser sympathisch und natürlich wirkende ältere Herr am Mikrofon wahrscheinlich auch schon gut auf die 70 zugeht und mit seinem Status 'old man' kokettiert.
Der Eindruck der Koketterie relativiert sich. Nicht aber meine anderen Eindrücke. Wenn es ein positives Beispiel für ein 'Alterswerk' braucht, dann ist "Live in Dublin" dafür prädestiniert. Der Vergleich mit dem alten Wein, der immer besser wird, ist zwar abgedroschen, dennoch immer noch zutreffend.
Schon die CDs überzeugen: 30 Titel als repräsentativer Querschnitt eines Lebenswerkes. Enthalten sind neben einigen jüngeren Liedern ("Amen", "Darkness" und "Come Healing" beispielsweise) selbstredend die ganz großen Hits wie "Suzanne", "Lover Lover Lover", "So Long Marianne", "First We Take Manhattan", "Famous Blue Raincoat" und natürlich "Hallelujah". Gerade letzteren will ich rausgreifen, denn so oft wie Cohen diesen Song inzwischen wohl selbst gesungen hat und wie oft er dann auch noch gecovert wurde (es soll über 100 Coverversionen davon geben), wäre eigentlich die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass da ein abgedroschenes Etwas den Silberling füllt, das eigentlich keiner mehr braucht.
Doch kann es einen größeren Beweis von Größe geben? "Hallelujah" ist lebendig, unglaublich intensiv und obwohl tausendmal gehört, so gut wie nie zuvor. Cohen kniet sich (im wahrsten Sinne des Wortes) in diese Nummer rein und füllt sie mit solcher Intensität und Lebendigkeit, dass meine Gänsehaut sich gar nicht mehr legen will. Wie so oft auf diesem Werk. Eigentlich von der ersten Sekunde an. Denn schon die Eröffnung "Dance Me To The End Of Love" ist fantastisch interpretiert. Die drei Backgroundsängerinnen und die Violine legen die Grundlage für eine angenehme 'Caféhaus-Atmosphäre', in der Cohens langsamer und ausdrucksstarker Gesang so richtig zur Geltung kommt. Alles ist ein bisschen zurückhaltender, zarter als in früheren Versionen, gewinnt aber dadurch nochmal an Ausdruck. Sogar das direkt anschließende "The Future" überrascht mich. Einerseits ist es abgemildert in Stimme und Dynamik und mit so ein wenig 'War ja doch nicht ganz so schlimm'-Feeling versehen. Und so widersprüchlich sich das jetzt wahrscheinlich liest, hier geht vom düster-prophetischen des Songs trotzdem nicht wirklich was verloren, es wird nur anders transportiert.
Cohens Songs wirken in dieser Aufnahme so authentisch, dass ich beim Anschauen immer wieder denke, er hätte sie eigentlich gar keinen Tag früher singen dürfen. Die gealterte Stimme, sein Ausdruck und seine Persönlichkeit, verleiht den Liedern eine ganz eigene Qualität. Oder sollte ich vielleicht besser sagen, zeigt die Qualität des Songmaterials und des Interpreten? Dass das alles so hervorragend funktioniert in dieser Konstellation, wird ganz sicher auch unterstützt von den angepassten Arrangements, die das auffangen, was die Stimme dann vereinzelt doch nicht mehr hergibt. Aufgefallen ist es mir lediglich bei "So Long Marianne", als er beim Refrain dann doch nicht mehr so hochkommt wie früher, aber zu sehr im Song drinsteckt, um diesen Part dem Chor komplett zu überlassen (wie es wohl eigentlich abgesprochen war), doch auch das passt in diesen sehr sympathischen und menschlichen Gesamteindruck. So wie auch seine Ansagen ans Publikum, bei dem er sich mehrfach bedankt und für die hohen Eintrittspreise entschuldigt. Keine Ahnung wie hoch die waren, doch nach dem Genuss dieser DVD muss ich ganz ehrlich sagen, dass es mir auch ein großes Loch in der Haushaltskasse wert wäre, das live sehen zu können.
Das vorliegende Paket hat mich wirklich tief beeindruckt und berührt, auch durch die sehr sensible Kamera- und Schnittführung, den völligen Verzicht auf irgendwelche Effekthascherei und die sehr stilvolle und stimmige Gesamtatmosphäre. Dazu kommt noch die üppige Spieldauer von drei Stunden und die hervorragenden Mitmusiker im stilvollen Bühnenambiente. Da stimmt einfach alles!
Die Anschaffung lohnt sich wirklich, sowohl für diejenigen, die viel oder alles von ihm haben, als auch für jene, die mit einer guten Zusammenstellung zufrieden wären. Sollte in keinem gutsortierten CD-Regal fehlen!
Line-up:
Leonard Cohen (vocals, guitar)
Roscoe Beck (basses, backing vocals)
Neil Larson (keyboards, accordion)
Rafael Gayol (drums, percussion)
Mitch Watkins (guitars, backing vocals)
Javier Mas (guitar, laud, archilaud, banduria)
Alex Bublitchi (violin)
Sharon Robinson (vocals)
Charley Webb (vocals, clarinet, guitar)
Hattie Webb (vocals, harp)
Tracklist
CD 1:
01:Dance Me To The End Of Love
02:The Future
03:Bird On The Wire
04:Everybody Knows
05:Who By Fire
06:The Gypsy's Wife
07:The Darkness
08:Amen
09:Come Healing
10:Lover Lover Lover
11:Anthem

CD 2:
01:Tower Of Song
02:Suzanne
03:Chelsea Hotel No. 2
04:Waiting For The Miracle
05:The Partisan
06:In My Secret Life
07:Alexandra Leaving
08:I'm Your Man
09:Recitation W/ N.L.
10:Hallelujah
11:Take This Waltz

CD 3:
Encores:
01:So Long, Marianne
02:Going Home
03:First We Take Manhattan
04:Famous Blue Raincoat
05:If It Be Your Will
06:Closing Time
07:I Tried To Leave You
08:Save The Last Dance For Me
DVD:
01:Dance Me To The End Of Love
02:The Future
03:Bird On The Wire
04:Everybody Knows
05:Who By Fire
06:The Gypsy's Wife
07:The Darkness
08:Amen
09:Come Healing
10:Lover Lover Lover
11:Anthem
12:Tower Of Song
13:Suzanne
14:Chelsea Hotel No. 2
15:Waiting For The Miracle
16:The Partisan
17:In My Secret Life
18:Alexandra Leaving
19:I'm Your Man
20:Recitation W/ N.L.
21:Hallelujah
22:Take This Waltz
23:So Long, Marianne
24:Going Home
25:First We Take Manhattan
26:Famous Blue Raincoat
27:If It Be Your Will
28:Closing Time
29:I Tried To Leave You
30:Save The Last Dance For Me
Bonus:
01:Show Me The Place
02:Anyhow
03:Different Sides
 
 
Externe Links: