Dafni / Sweet Time
Sweet Time Spielzeit: 46:52
Medium: CD
Label: Daffer Doodle Music, 2010
Stil: Singer/Songwriter

Review vom 29.09.2010


Norbert Neugebauer
Fröhliche Mädchen mit fröhlichen Songs, Part I. Mal was anderes. Zur Abwechslung keine Heulsuse aus dem Singer/Songwriter-Laden aus Amiland.
Auf der Homepage der Künstlerin gibt's in der Bio auch mehr als nur die üblichen PR-Angaben zum neuesten Album. Dafni ist ein griechischer Namen und das weist auf die Roots hin, die großelterlicherseits auf der Insel Samos lagen. Die Oma ließ mit ihrer wunderbaren Stimme die Leute auf der Straße stehen bleiben und die Götter neidisch werden. Offenkundig hat sie entsprechende Gene an die Enkelin weitervererbt. Die ist in Wisconsin aufgewachsen und kam dort mit der Highschool-Jazzband zu ersten Auftritten. Beruflich hatte sie allerdings anderes im Sinn. Sie belegte verschiedene Studiengänge in unterschiedlichen Universitäten quer durchs Land und promovierte schließlich in Chemie in Los Angeles. In der Kalifornien-Metropole kam sie dann auch wieder auf die Musik zurück und schloss sich der dortigen Künstlerszene an. Nach ersten Auftritten in Szenelokalen machte sie sich schnell einen Namen und bereits 2001 veröffentlichte sie einen privaten Live-Mitschnitt. Drei reguläre Studio-Alben folgten zwischen 2004 und 2007. Das jüngste, nun vorliegende, bezeichnet sie als ihr 'persönlichstes'.
Nun denn - bereits mit den ersten Tönen wird der Hörer richtig eingestimmt: Zwar gibt's die üblichen Herz/Schmerz-Themen aus dem privaten Umfeld. Aber nicht von einem rehäugigen Wesen voller Weltschmerz, das sich so seiner Melancholie hingibt. Nein, mit kräftiger, wohltönender (allerdings nicht immer stabiler) Stimme und lockeren Melodien reißt die Muse die Gemütsfenster auf, dass die mediterran-kalifornischen Sunshine Vibes nur so herausströmen. Die elf komplett selbstgeschriebenen Songs sind klassisches Singer/Songwriter-Tum und geschult an den Größen der Zunft. Leicht und elegant kommen sie daher, mal folkig, mal eher dem Chanson nahe, typisch Pop-verliebte West Coast in der Anlage und den Arrangements. Aufgenommen in L.A. und veröffentlicht auf dem eigenen Label.

Die ersten Titel bewegen sich im mittleren Tempo, "Floating" macht dann als sanft dahingleitender, atmosphärischer Slowsong seinem Namen alle Ehre. - ein ausgesprochen schönes Stück Musik! "Under The Blue Skies" zeigt, dass ebenso Countryblut in Dafnis Adern strömt, da passt auch der nachfolgende Slow Waltz "Part Of Me" gut dazu. Dann wird's wieder etwas rhythmischer, "Walking Out The Door" rockt im Sound der frühen Sechziger. Noch ein Stück weiter zurück in der Musikgeschichte swingt "Save me" mit seiner gestopften Trompete, gefolgt von dem sehnsuchtsvoll chansonhaften "Oh How I Wish". Mit "Run Away", bei dem Produzent Dan Janish an der Gitarre subtile Duftmarken setzt und "Fly Away" lässt die variable Künstlerin ihr Album gefühlvoll ausklingen.
"Sweet Time" - der Titel passt. Entspannende Songs, nicht unbedingt als Zwischenhappen für den auf 'Balladen' stehenden Rockfan, aber was für Schöngeister mit Toleranz zur leichten Muse.
Line-up:
Dafni (vocals, acoustic and electric guitar)
Geoff Rakness (upright and electric bass)
Mark San Filippo (drums)
Peter Kavanaugh (electric guitar - #1,3,7,10)
Tony Gilkyson (electric guitar - #5,6,9)
Dan Janisch (backing vocals, electric guitar - #4,10,11)
Michael Bolger (piano, accordion, trumpet)
Lisa Finnie (backing vocals)
Tracklist
01:Anything At All
02:Sweet Time
03:Someday
04:Floating
05:Under The Blue Skies
06:Part Of Me
07:Walking Out The Door
08:Save Me
09:Oh, How I Wish
10:Run Away
11:Fly Away
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