Danger Zone / Line Of Fire
Line Of Fire Spielzeit: 41:33
Medium: CD
Label: Avenue Of Allies, 2011
Stil: Hard Rock

Review vom 18.01.2011


Moritz Alves
Dass der Großteil von "Line Of Fire" aus Songs besteht, die Danger Zone schon Ende der Achtziger schrieben und als Demos produzierten, hört man dem Material nicht an. Ursprünglich sollte es direkt in der Hochphase der damaligen Hard Rock-Bewegung veröffentlicht werden, doch nicht näher bekannte Business-Querelen verhinderten dies, und die hässliche Grunge-Fratze verpasste einer ganzen Szene wenig später den kommerziellen Dolchstoß.
So kommt es, dass Danger Zone erst mehr als 20 Jahre später einem breiteren Hard Rock-Publikum präsentiert werden können, nachdem "Line Of Fire" in Underground-Kreisen längst Kultstatus erreicht hat. Weshalb man 1989/90 nicht aus dem Quark kam und die Arbeiten an diesem verheißungsvollen Werk unvollendet ließ, ist mir völlig unverständlich, denn die zehn hier versammelten Titel sind keineswegs von schlechten Eltern. Aber als Normalsterblicher versteht man so manche Business-Entscheidung eben einfach nichtů
Dass sich gleich drei Coverversionen auf dem Album tummeln, lässt das Originalmaterial der fünf Italiener zwar schrumpfen, tut dem positiven Gesamteindruck jedoch keinen Abbruch. T. Rex' "Children Of The Revolution" (dem Danger Zone übrigens einen ziemlich fetten Neuanstrich verpassen) ist zudem der einzig bekannte der Fremdtitel, die sich allesamt bestens ins Soundgewand einfügen. Darüber hinaus gibt's die Raritäten "Let Me Rock" von der Steve Jones-Spielwiese Chequered Past sowie Eddie Rabbitts "That's Why I Fell In Love With You" auf die Ohren. Hier geht also ein sichtbar gehobener Daumen in Richtung Danger Zone, weil sie sich nicht auf längst totgedudelte Nummern verlassen haben.
Doch auch die sieben italienischen Eigengewächse verdienen es, erwähnt zu werden, glänzen sie doch mit zeitloser Songwriting-Kunst, die in druckvollem, angenehm rauem Sound aus den Boxen quillt. Dies ist nicht zuletzt auf Frontmann Giacomo Gigantelli zurückzuführen, dessen schön ungeschliffenes Hard Rock-Organ der Band seinen Stempel aufdrückt. Zudem wird an kitschigen Keyboards gespart, allerhöchstens dringt aus dem Hintergrund mal ein wenig Tastensound ans Ohr. Somit dominiert bei Danger Zone uneingeschränkt bester, harter Rock. Klar, mit "Walk Away" und dem Country-Cover "That's Why I Fell In Love With You" gibt's auch was für die Kuschelrock-Fraktion, doch insgesamt dominieren hier ganz klar die Riffs.
Gleich der Opener und Titeltrack ist ein gutes Beispiel für das Potenzial der Band, ebenso das extrem groovige "Fingers" (inklusive Model-Backgrounds von Grace Jones) sowie der großartige Rocker "Hardline". Diesen Titeln hört man an, dass sie mit ordentlich Herzblut geschrieben worden sind. Man kann spüren, dass das Songmaterial aus einer Zeit stammt, wo packende Songstrukturen noch einen Wert hatten. Dass man der Gruppe ihre italienische Herkunft nicht anhört, trägt schlussendlich zum positiven Gesamtbild bei.
Dass es Danger Zone nie in den Rock-Olymp geschafft haben, ist mir aufgrund dieser allumfassenden Klasse völlig unverständlich. Doch das zuständige Label will den Geheimtipp-Status der Band offenbar vorerst weiterhin wahren, denn "Line Of Fire" erscheint als limitierte, durchnummerierte Spezialausgabe. Wer somit jetzt kein Glück hat, muss warten, bis die Italiener mit ihrem schon in Planung befindlichen Nachfolgewerk durchstarten. Kann man den Herren abschließend nur noch wünschen, dass sie jetzt endlich den verdienten Erfolg einfahren werden, der ihnen vor rund zwei Dekaden verwehrt blieb.
Line-up:
Giacomo Gigantelli (vocals)
Roberto Priori (lead guitar)
Stefano Peresson (guitars, keyboards)
Stefano Gregori (bass)
Paolo Palmieri (drums)
Tracklist
01:Line Of Fire (4:31)
02:Children Of The Revolution (3:07)
03:Walk Away (5:05)
04:Fingers (4:09)
05:State Of The Heart (4:11)
06:Hardline (3:54)
07:The Hunger (3:59)
08:Let Me Rock (2:51)
09:That's Why I Fell In Love With You (4:55)
10:Love Dies Hard (4:51)
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