Demons & Wizards / Same
Same Spielzeit: 57:41
Medium: CD
Label: Steamhammer/SPV, 2000
Stil: Heavy Metal


Review vom 09.12.2009


Ilka Heiser
Ist Euch das auch schon mal passiert? Ihr geht zum Plattenhändler Eures Vertrauens, seht lediglich ein Cover, das Euch völlig vom Hocker haut und die Scheibe wandert vom CD-Regal in den Einkaufskorb und zu Hause flugs in den Player.
Nun - ganz so unbedarft erfolgte der Kauf des Silberlings meinerseits ja nun doch nicht, aber so könnte es etwa gewesen seinů
Das ist nun aber die wahre Geschichte, die mich zum Kauf dieser Platte reizte und die ich auch heute noch gerne höre: Man schrieb das Jahr 1997 und ich las in einem, in Metallerkreisen sehr bekannten Musik-Magazin einen Bericht über das geplante Projekt der beiden Metal-Heroen Jon Schaffer (Klampfer der Band Iced Earth) und Hansi Kürsch (Stimmband-Schwinger bei
Blind Guardian). Die Bands waren auf gemeinsamer Deutschland-Tournee und zwischen Schaffer und Kürsch entwickelte sich während der Tour eine - wie sich später rausstellen sollte - 'fruchtbare' Freundschaft. Nachdem die beiden, aus einer Laune heraus, den Song "My Last Sunrise" zusammen geschrieben hatten, reifte in ihnen mehr und mehr die Idee zur Gründung eines Projektes. Im Sommer 1999 begann man diese Gedankenspiele endlich umzusetzen und eine Platte zu produzieren, die Anfang 2000 in die Läden kam (auf meiner Ausgabe ist übrigens das Jahr 1999 als Erscheinungsjahr vermerkt).
Innencover von Demons & Wizards Alle darauf enthaltenen Stücke wurden von den beiden Protagonisten selbst geschrieben. Logisch, dass Hansi Kürsch für die Vocals zuständig ist. Jon Schaffer spielt neben der Lead-Gitarre die Rhythmus-Klampfe sowie die Bass-Linien. Musikalische Unterstützung gibt es außerdem von Mark Prator, der einst auf dem Drum-'Schleudersitz' von Iced Earth die Stöcke schwang, sowie von Jim Morris (lead guitar), der natürlich, wie sollte es auch anders sein, das Debüt-Scheibchen der beiden Heroen in seinen berühmten Morrisound Recording Studios in Temple Terrace, Florida, mit ihnen gemeinsam produzierte.
Am Artwork, welches mich immer noch fasziniert, arbeiteten Danny Mike und Travis Smith. Dabei herausgekommen ist ein echtes Kunstwerk. Und wer, so wie ich, die Platte mit dem feinen Klappcover besitzt, kann sich beim Öffnen desselben an einem auf der Geige spielenden, in Lumpen gehüllten Gerippe (der Tod?) erfreuen. Nette Idee.
Soviel zur Entstehungsgeschichte des Albums. Kommen wir nun aber zum Wesentlichen, der Musik.
Oftmals ist ja die Verpackung besser als deren Inhalt, davon kann bei Demons & Wizards jedoch keine Rede sein. Eröffnet wird der Silberling mit einem düsteren Intro und mit dem sich daran anschließenden "Heaven Denies" gibt es gleich ordentlich was auf die Glocke. Ein Doublebass-Inferno allererster Güte überrollt den Zuhörer bis - ja bis das Stück sehr sanft ausklingt.
Verschnaufen kommt dennoch nicht in Frage, denn auch "Poor Man's Crusade" ist von ähnlichem Kaliber wie "Heaven Denies", nur dass hier die Gitarren noch einen Zacken mehr rumpeln.
Was dann folgt, ist nicht von diesem Stern! Ist ja schon gut, ich neige vermutlich etwas zur Übertreibung, dennoch, für meinen Geschmack ist "Fiddler On The Green" eine Hammer-Ballade, die die Sangeskünste von Hansi Kürsch vollends unterstreicht und der im Refrain sogar mit sich selber singt.
Akustisch beginnend, zart, ja fast zerbrechlich, steigert sich der Song Note für Note bis zur endgültigen Explosion. Die plötzlich einfallenden E-Gitarren walzen lavagleich alles nieder und zerschneiden fast die besinnliche Atmosphäre, übernehmen die Führung und bringen die Nummer zu einem fulminanten Abschluss. "Fiddler On The Green" erinnert mich im gesamten Aufbau sogar etwas an den Zep-Klassiker "Stairway To Heaven" und ist der unbestrittene Höhepunkt auf der Scheibe, auch wenn sich alle übrigen Tracks ebenfalls auf hohem Level bewegen.
Kurz unterbrochen von dem powervollen "Blood On My Hands" gibt es mit dem folgenden "Path Of Glory" ein Midtempostück, in dem die Gitarristen solistische Glanzlichter setzen können.
Was mir das Album so angenehm macht, ist die Tatsache, dass hier nicht einfach nur wild drauflos geknüppelt wird, frei nach dem Motto: 'schnell, schneller, am schnellsten' - die Nummern haben, trotz aller Doublebass-Salven und prägnanter Iced Earth-Riffgewitter immer noch hörbar eingängige Melodien und Atmosphäre à la Blind Guardian. Mehrstimmiger Gesang, wie bei dem stellenweise ordentlich sägenden "The Whistler" oder dem leicht verschachtelten "Tear Down The Wall" sind die würzenden Zutaten.
Hört Euch doch mal das mit Akustikgitarre und verzerrtem Gesang beginnende "Gallows Pole" (nein, das hat wirklich nichts mit Zeppelins "Gallows Pole" vom Album "III" zu tun) an, das sich mit stampfendem Rhythmus durch die Gehörgänge bewegt. Schließt man dazu die Augen, sieht man im Geiste die Dämonen schwerfällig zwischen den Gräbern tanzen.
"My Last Sunrise" dürfte garantiert allen Prog-Fans das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Hansi erzählt, singt und schreit sich die Seele aus dem Leib. Das Stück erfährt in seinem Verlauf mehrere Rhythmuswechsel. Ab und zu sind sogar leicht Floyd'sche Anklänge zu hören und Mark Prator sorgt mit seinem filigranen Drumming ebenfalls für prog'sche Akzente.
Zum Abschluss gibt es noch ein paar sakrale Klänge in Form von "Chant", die das Album gekonnt abrunden.
War das wirklich der Abschluss? I wo, weit gefehlt. Da folgt noch ein hervorragend umgesetztes Cover von "White Room" der legendären Band Cream, sozusagen als kleiner Gimmick.
Wer sowohl Blind Guardian als auch Iced Earth mag, kommt an dieser Scheibe einfach nicht vorbei. Man kann sagen, da haben sich mit Schaffer und Kürsch zwei Kreativlinge gesucht und gefunden, die zwar die Metalwelt nicht neu aufmischen, aber mit ihrem Schaffen (welch Wortspiel) bereichern.
Line-up:
Hansi Kürsch (vocals)
Jon Schaffer (rhythm, bass, lead guitars)

Guest Musicians:
Jim Morris (lead guitar)
Mark Prator (drums)
Tracklist
01:Rites Of Passage
02:Heaven Denies
03:Poor Man's Crusade
04:Fiddler On The Green
05:Blood On My Hands
06:Path Of Glory
07:Winter Of Souls
08:The Whistler
09:Tear Down The Wall
10:Gallows Pole
11:My Last Sunrise
12:Chant
13:White Room
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