Devil's Train / Same
Same Spielzeit: 42:24
Medium: CD
Label: earMUSIC/Edel, 2012
Stil: Heavy Rock

Review vom 12.02.2012


Jochen v. Arnim
Na, das ist doch endlich mal wieder ein hammerhartes Cover, das uns die Jungs von Devil's Train da vor den Latz knallen: Eine behornte, glühende und Rauch spuckende No-Nonsense-Dampflok, die aus einer mit Totenköpfen versehenen felsigen Kulisse auf den Betrachter zufährt und dabei noch einen Haufen abgefressener Gebeine plattmacht. Klar, dass auch noch eine gänzlich unbekleidete, volltätowierte Teufelin den vorderen Fender ziert und dass die Lok die Seriennummer "666" trägt. Alles klar? Noch irgendwelche Fragen? Wenn da auch nur halb soviel drin ist, wie uns das Cover verspricht, dann können wir uns direkt auf den sprichwörtlichen Höllenritt gefasst machen.
Den Herren aus dem Teufelszug darf man auf jeden Fall ein gewisses Quäntchen an Erfahrung nicht absprechen. Der Shouter, Produzent und Mastermind Roberto Dimitri Liapakis kommt von
Mystic Prophecy und hat sich dort als Frontmann reichlich Sporen verdient. Drummer Jörg Michael ist seit gefühlt ewigen Jahren für die Felle bei Stratovarius verantwortlich und hat ansonsten auch noch einige andere Stationen in seiner Vita. Offensichtlich und glücklicherweise ist seine Krebskrankheit erfolgreich und hoffentlich auch nachhaltig überwunden, denn zwischenzeitlich war er ja zur Heilbehandlung vom aktiven Dienst zurückgetreten. Auch Kollege Jari Kainulainen hat nicht nur bei den Finnen sondern auch bei Evergrey an den tiefen Saiten gezupft und spielte zudem noch bei Symfonia, dieser finnischen Ansammlung ehemaliger Mitglieder von Angra, Sonata Arctica, Stratovarius, Evergrey oder Helloween. Einzig der Meister der Sechssaitigen hat bislang wenig vergleichbaren Ruhm erheischen können, aber ich bin mir sicher, der Name Lakis Ragazas wird nicht zum letzten Mal genannt.
Ein rundes Dutzend Stücke haben die Vier nun also auf die Scheibe gebrannt und bieten uns eine knappe dreiviertel Stunde satten Rock. Mit einem kleinen Blues Harp-Auftakt kommt der Opener "Fire And Water" aus den Boxen, dicht gefolgt von schwerem Riff und eingängigem Gesang, hart, dreckig, an Classic Hard Rock angelehnt. Genau wie der Titelsong, der als Nummer Zwei folgt und uns stark an die Zeiten der alten Rocker gegen Ende der Siebziger erinnert. Lia selbst gibt ja unumwunden zu, seine Wurzeln in jenen Tagen zu haben, ist schließlich mit der Musik von Coverdale & Co. aufgewachsen. Auch "Roll The Dice" kann sich nahtlos in diese Riege einfügen und ich merkte schon beim ersten Durchlauf, dass mir diese Scheibe gefallen würde. Ach was gefallen, die steht ganz weit vorne im Regal, wo die suchende Hand schneller ans Ziel gelangen kann. Immer wieder weisen die Kompositionen neben den schweren Riffs Gitarren-Passagen auf, die der junge Ragazas zu flinken Läufen nutzt. Hier ein bisschen Slide, da ein bisschen filigranes Solo - sehr eindrücklich, den will ich schnell mal live sehen.
Die zu Anfang aufgenommene Fahrt des Teufelszugs wird während der gesamten Spielzeit nur an einigen Stellen mal ein wenig zurückgenommen. Bei "Coming Home" ist die Geschwindigkeit ansatzweise und auch nur in Teilen etwas reduziert worden und wir bekommen speziell beim Refrain eindrücklich bewiesen, dass Lia nicht nur auf die Zwölf drücken kann. Kleine Soloeinlagen auf der Gitarre sorgen auch hier wieder für eine gelungene Kreation, die von der beständig gut arbeitenden Rhythmusfraktion bestens unterstützt ist. Eingebettet ist dieser Track in zwei richtig harte Kracher, "Room 66/64", das von des Sängers erstem Besuch in einem 'Etablissement' handelt, und "Yellow Blaze" machen richtig was los, oder um im Eisenbahnjargon zu bleiben, sie lassen höllischen Dampf ab. Danach folgt "The Answers", das uns im Intro mit Gesang und Akustischer langsam auf das Ende vorbereitet, insgesamt eher balladenhaft rüberkommt, wenngleich auch hier schwere Gitarrenarbeit geleistet wird - Anspieltipp.
Der Devil's Train entlässt uns mit einem äußerst gelungenen Cover der altgedienten "American Woman" von The Guess Who, die sich im positiven Sinne zähfließend aus den Boxen quält, aber immer wieder von kleinen Einlagen aufgelockert wird. Seien es kurze Soli auf der Gitarre oder an den Fellen, und ganz gegen Ende wird es noch mal für kurze Zeit richtig wild. Punkt, Ende, Aus - schade, schon vorbei. Ich wünschte, es wären noch ein paar Minuten mehr auf der Scheibe, this band kicks ass big time!
Hält auch der äußerst schwache PR-Scherz mit dem Bombenattentat auf die Band während des Video-Shoots irgendwie immer noch etwas an, so darf allerdings die Beurteilung der musikalischen Qualität nicht einen Deut darunter leiden, das hätte sie nicht verdient und für meinen subjektiven Geschmack (und ich kenne noch ein paar Andere, die mir beipflichten werden…) kann ich nur konstatieren, dass das noch junge Jahr 2012 allein mit dieser Scheibe schon prächtig angefangen hat.
Line-up:
R.D. Liapakis (vocals)
Laki Ragazas (guitars)
Jörg Michael (drums)
Jari Kainulainen (bass)
Tracklist
01:Fire And Water
02:Devil's Train
03:Roll The Dice
04:To The Ground
05:Forever
06:Sweet Devil's Kiss
07:Find New Love
08:Room 66/64
09:Coming Home
10:Yellow Blaze
11:The Answers
12:American Woman
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