Doctor Love Power And The Cheap Male Prostitutes
On Our Way To Odessa
On Our Way To Odessa Spielzeit: 48:32
Medium: CD
Label: Moon Sound Records / NMD New Music Distribution GmbH, 2009
Stil: Blues, Blues Rock

Review vom 06.06.2009


Jürgen Hauß
»Keine Band der Welt spielt so brillant Rumpel'n'Rausch wie diese!«. So beginnt der 'Waschzettel', den ich mit der zu besprechenden CD erhalten habe. Rumpel'n'Rausch? Habe ich mal wieder einen neuen Musikstil nicht mitbekommen? Doch wenn man versucht, via Google Näheres zu erfahren, landet man ausschließlich auf Seiten, die sich mit den Protagonisten der vorliegenden Scheibe beschäftigen. Rumpel'n'Rausch scheint also eine Eigenschöpfung von Doctor Love Power zu sein (zur Vermeidung von Längen verzichte ich im Folgenden darauf, jeweils den kompletten Band-Namen zu nennen; mögen es mir die Cheap Male Prostitutes verzeihen).
"On Our Way To Odessa" ist tatsächlich das Debütalbum einer Band, die seit 18 Jahren besteht und vornehmlich im Norden Deutschlands ihre Musik verbreitet. Dabei klingt die Musik alles andere als nördlich, geschweige denn norddeutsch. Vielmehr ist - wie schon der Titel der Scheibe vermuten lässt - Südstaaten-Rock angesagt.
Kaum hat der erste Track "Just For You" begonnen, denkt man unweigerlich an
Creedence Clearwater Revival. Die ersten Gitarren-Riffs klingen wie eine Mischung aus "Suzie Q" und "I Heard It Through The Grapevine", und wenn der Sänger seine rauhe Stimme erhebt, meint man John Fogerty stünde leibhaftig im Raum - Wahnsinn! Textlich ist der Song eine Werbung für die eigene Truppe und Kurzvorstellung der einzelnen Mitglieder der Band. Der Text des Songs - und mehr noch die Vorstellung auf der Homepage der Band - zeigen bereits, dass Doctor Love Power sich nicht allzu ernst nehmen. Beispiel für einen fast schon schwarzen Humor ist die Ankündigung für einen Konzertauftritt in der JVA Fuhlsbüttel: »Members only«!
Ernst nehmen - wie die weiteren Tracks eindrucksvoll bestätigen - die Jungs von Doctor Love Power allerdings ihre Musik, denn die Scheibe klingt rundum gelungen. Da rumpelt nichts und auch ein störendes Rauschen ist nicht zu vernehmen.
Der zweite Track "Toni's Café" - ebenfalls eine Eigenkomposition - klingt allerdings, als ob sich der Sänger im Nachbarraum der Kneipe aufhält oder im Flur zur Toilette, denn die Stimme hallt etwas; doch auch dies dürfte bei der Sorgfalt, die die Band auf die Produktion gelegt hat, beabsichtigt gewesen sein.
Track drei ist dann das erste - von insgesamt erstaunlicherweise nur zwei (subjektiv glaubt man mehr zu erkennen) - CCR-Covern. "Green River" einschließlich des einleitenden, lang gezogenen »Weeeeelllll« klingt authentisch.
Es folgt "He'll Have To Go", ein 50 Jahre alter Country-Song von Allison und Allison (aber nicht von Luther und seinem Sohn Bernard sondern von dem Ehepaar Joe und Audrey), der bislang schon von vielen Künstlern gecovert worden ist (u.a. Elvis Presley, Elton John). Sparsam und zurückhaltend instrumentiert, haucht die Stimme des 'Doc' dem Song eine Intensität ein, dass es einem eine Gänsehaut beschert - klasse!
"Gone" - wiederum eine Eigenkomposition - klingt wieder sehr nach CCR; allein das eingesetzte Akkordeon gibt dem Song insoweit abweichende Akzente. "Into The Mystic" - eine Van Morrison-Adaption - ist ein ruhiger und damit sehr besänftigender Song im mittleren Tempo, der aufgrund dieser Eigenschaften - so eine Studie der BBC - der meistgehörte Song von Ärzten während einer Operation sein soll; auch die vorliegende Version wäre dafür sicherlich geeignet. Die Variabilität des Sängers lässt zudem durchaus Ähnlichkeiten zu Van Morrison entdecken.
Anschließend folgt wieder ein CCR-Cover "Fortunate Son", nicht unbedingt einer der populärsten Titel der Band, da er - vor genau 40 Jahren zu Zeiten des Vietnam-Krieges - sehr gegen das politische Establishment gerichtet war. Dennoch hat der Titel auch heute noch seine Berechtigung.
Es folgt die Eigenkomposition "Amy", ein klassischer Slow-Blues, dem eine ständig wiederholte Bass-Melodie das Rückgrat gibt, bis auf die Passagen, in denen wiederum 'John Fogerty' seinen Frust rausschreit.
Jetzt endlich kommt mit "Voodoo's Creek" der Voodoo-Song, den die Band bereits in ihrem Einsteiger angekündigt hat (»We gonna play The Voodoo-song just for you«). Funkig angehaucht, die Buschtrommeln versetzen einen in die Urwälder Afrikas oder Südamerikas - eine nahezu perfekte Illusion.
Diese wird zerstört mit "My Babe", dem über 50 Jahre alten Blues-Klassiker von Willie Dixon, jedoch vorliegend als klassischer Rock'n'Roll-Song dargeboten; da schnippen die Finger und wippen die Füße beim bloßen Zuhören.
Tempo raus, Seele rein: "Don't Do Wrong" erinnert ebenfalls sehr an alte Blues-Klassiker, ist aber wiederum eine Eigenkomposition. Es folgt der Oldie von Elmore James "I Can't Hold Out". Wie 'Doc' Bloemeke seine Stimme Oktaven höher schraubt, um die weibliche Stimme eines zitierten Telefongesprächs zu imitieren - phänomenal! Den Hintergrund bildet - neben dem Chor der Cheap Male Prosutitutes im Wechselgesang zur Solostimme - im Wesentlichen wieder eine schöne Basslinie.
Den Abschluss der Scheibe bildet die Sam Cooke-Komposition "Soothe Me", die - im Gegensatz zu der fast schwülstigen Cooke-Produktion - lediglich mit der Akustik-Klampfe unterlegt ist und den Song wesentlich eindringlicher interpretiert als die Original-Version.
Nach weniger als 50 Minuten endet die Reise auf dem Weg nach Odessa - schade! Alles in allem ein wunderschönes Erstlingswerk einer routinierten Band. Die Spielfreude, die die vier Musiker über die Jahre hinweg bei der Stange gehalten hat, überträgt sich auf diese Studio-Produktion. Die häufig wechselnden Klangfarben lassen keinerlei Langeweile aufkommen. Was auch immer das sein mag, es ist einfach "Rumpel'n'Rausch at its best"!
Line-up:
Mark 'Doc' Bloemeke (Gesang, Gitarren, Sitar, Dobro)
Sebastian 'Elvis' Roesner (Schlagzeug)
Finn 'Bimsen' Petersen (Bass, Hintergrundgesang)
Oliver 'O. Lee' Eberhardt (Tasten, Akkordeon, Perkussion, Hintergrundgesang)
Tracklist
01:Just For You (3:32)
02:Toni's Café (3:35)
03:Green River (3:31)
04:We'll Have To Go (3:35)
05:Gone (3:27)
06:Into The Mystic (4:05)
07:Fortunate Son (3:16)
08:Amy (4:13)
09:Voodoo's Creek (4:36)
10:My Baby (3:42)
11:Don't Do Wrong (2:36)
12:I Can't Hold Out (6:04)
13:Soothe Me (2:16)
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