Drecksau / Schmerz
Schmerz Spielzeit: 47:58
Medium: CD
Label: Metal Mind Productions, 2008 (1999)
Stil: Doomcore


Review vom 02.08.2008


Andrea Groh
Zum ersten Teil der Geschichte von Drecksau und der Bedeutung des Bandnamens siehe das Review zu Brecher.
Hier folgt nun die zweite Hälfte, beginnend mit der zweiten Platte. Diese hieß "Schmerz", war wiederum produziert von Andy Classen und erschien 1999. Die Musik war etwas roher und heavier geworden, ging nun stärker in Richtung amerikanischem Hardcore (den Shirts auf Fotos nach zu urteilen, fuhren die Jungs gerade ziemlich auf Carnivore und Type O Negative ab). Diesmal ist etwa die Hälfte der Texte in Englisch, die Stimme mehr im Vordergrund und die Strukturen sind klarer und gleichzeitig komplexer, wobei auch die Meinung vorkommt, das chaotischere Debüt sei besser gewesen, dort wäre irgendwie der 'deutsche Einfluss' stärker.
Es gibt einen kurzen schnellen Song, "Days Of Fire", mehrere Midtempo-Hardcorenummern und zweimal recht Doomiges, bei "Doom" (klar, was sonst), aber noch mehr bei dem langsamsten Titel, "Defrost". Das Titelstück "Schmerz" zeichnet sich durch interessante Tempowechsel und den ungewohnt sensiblen Text aus:
»Versteinert dein Gesicht, verbittert die Gedanken, ein Schleier aus Tränen liegt auf deinem Herz, und niemand kann dir helfen, wenn deine Seele weint und niemand kann dich trösten in Einsamkeit und Leidů das Schweigen verbindet gestern und heute, die Mutter war Zeuge von Vaters Freude«.
Ebenfalls ungewöhnlich erscheint die Coverversion von Peter Maffays "Diesmal hat er sich gewehrt", welches doch ziemlich verändert wirkt und damit sicher Ansichts- und Geschmackssache ist. "Paintro" ist ein interessantes Wortspiel aus Pain (dem englischen Begriff für Schmerz) und Intro und stellt ein solches dar. Insgesamt wird diese CD oft als die beste von Drecksau angesehen und es folgten einige Touren in Deutschland und dem Ausland, unter anderem mit Soulfly, Richthofen, Crowbar und Eyehategod.
Doch damit ist die Geschichte noch nicht ganz erzählt. 2001 gab es die Mini-CD "Winter", die aber kommerzieller ausfiel und mit einem Session-Drummer eingespielt wurde. Mit dem Einstieg von Rob Reber kehrte man wieder zum eigentlichen Stil zurück und veröffentlichte 2003 "Kältekammer" bei TTS Media Music, welches gute Kritiken erhielt, dennoch zwiespältig empfunden wurde. Genauso erging es ihnen 2004 bei einem Auftritt beim bekannten deutschen Doom-Festival DoomShallRise. Fans von tradtionellem Doom konnten mit der brutalen Musik nicht unbedingt viel anfangen. Andere, die dem Doomcore aufgeschlossen gegenüber standen, waren der Meinung, man hätte doch lieber Totenmond auswählen sollen. Nicht alleine, weil diese als Schwaben naheliegender sind, sondern auch, weil sie länger und erfolgreicher existieren. Wobei es ungerecht ist, Drecksau als Kopie abzutun. Ihre Wahl für das Billing war auch durchaus gerechtfertigt, da sie doomiger als Totenmond sind, welche viele Punkeinflüsse verarbeiten.
Drecksau waren in die Krise geraten, das Line-up wurde instabil, mit Marcuz Gies kam ein neuer Vokalist, es mangelte an Unterstützung durch das Label und damit auch am Erfolg. Somit löste sich die Band 2005 auf, wobei die einzelnen Mitglieder bis heute Musik machen. Nun, 2008, bringt das polnische Label Metal Mind Productions, die sich schon einiger vergleichbarer Bands angenommen hatten, das Re-release, wie immer auf Goldener Disk und limitiert auf durchnummerierte 2000 Stück, mit aufwendigem Booklet inkl. Texten, Fotos und History. Leider gibt es hier kein Bonusmaterial.
Line-up:
Scherer (Gitarre, Stimme)
Seitz (Bass)
Friedmann (Schlagwerk)
Tracklist
01:Paintro (2:20)
02:E-Wand (4:40)
03:Ascheregen (3:28)
04:Diesmal hat er sich gewehrt (5:25)
05:Interceptor (3:23)
06:Defrost (5:56)
07:Days Of Fire (1:49)
08:Schmerz (6:26)
09:Release (3:15)
10:Krieg der Freiheit (4:10)
11:Doom (4:43)
12:Verlierer (2:18)
Externe Links: