Wolfgang Dauner / 2:1 Edition (Changes / Zeitläufe)
2:1 Edition (Changes / Zeitläufe) Spielzeit: 35:09 (CD 1), 56:24 (CD 2)
Medium: CD
Label: Mood, In-Akustik, 2010 (1978/1988)
Stil: Jazz, Filmmusik


Review vom 16.05.2010


Wolfgang Giese
Erfreulich erfreulich!
Lange gab es über den Zweitausendeins Versand und das Label 'Mood' viele Veröffentlichungen, die es nur dort gab. Für eine Weile waren sie dann verschollen. Unter den aktuellen Neuerscheinungen über Inakustik finden sich auch zwei Platten des Stuttgarter Pianisten Wolfgang Dauner.
"Changes" stammt aus dem Jahr 1978 und "Zeitläufe" aus 1988.
An dieser Stelle der kurze Hinweis, dass das im Booklet angegebene Aufnahmedatum für "Changes" nicht zutreffen kann (Recorded March-September 1988 at Bauer Studios, Ludwigsburg).
Beiden Platten ist gemein, dass es sich um Musik handelt, die Dauner allein eingespielt hat. 1964 war es, als Dauner zusammen mit den Musikern Eberhard Weber und Fred Braceful die Platte "Dream Talk" veröffentlichte, weitere wichtige und bemerkenswerte Platten waren "Free Action" (1967) - unter anderem mit dem Geiger Jean-Luc Ponty und Mani Neumeier (drums) eingespielt -, "The Oimels" (1970), "Knirsch" (1972 entstanden mit Larry Coryell und Jon Hiseman oder "Kunstkopfindianer" (1974) .
Die Reihe ließe sich fortsetzen, hinzu kommen zahlreiche Filmmusiken, mit unterschiedlicher Ausrichtung (Hedwig Courths-Mahler, Dumas, Kohout), vieles in Zusammenarbeit mit Tom Toelle. So hieß es einst in einer Anzeige von Zweitausendeins zu den beiden Platten:
»Wolfgang Dauner - Changes: Dauner spielt auf dem Steinway-C-Flügel, de, Oberheim-4-Voices-Polyphonic-Synth. und dem EMS-Synth.100. mood.
Nur bei uns. Nur 16,90 DM. Nr. 28605«
(das war noch die LP).

»Wolfgang Dauner - Zeitläufe: 12 Stücke für Piano-Solo und Klangbilder.
CD DDD nur 24,90 DM. Nr.69059«
Ja, das waren noch Zeiten Nun sind sie wieder da und das, was schon lange her ist, kann man nun noch einmal in dieser von Hans-Jörg Mauksch remasterten Ausgabe nachvollziehen. Zu "Changes" führt Dauner selbst Folgendes aus:
» Changes ist das Ergebnis meiner Soloproduktion, bei der ich mich mit dem 1971 aktuellsten elektronischen Klangerzeuger (EMS Synthi 100 und Oberheim 4 voice) in Verbindung mit einem Flügel meine Klangvorstellungen im Jazzbereich realisierte. «
Lassen wir den Künstler noch einmal zu Wort kommen:
»Zeitläufe hingegen war eine Auftragsarbeit. Es ging um die Vertonung eines griechischen Kalenders des Fotografen Manfred Rieker. Bei der Beschäftigung mit der altgriechischen Musik stieß ich dabei auf das älteste überlieferte Musikstück, das 400 vor Christus auf der Grabsäule des Seikilos in Kleinasien eingraviert wurde. Das Seikilos Lied. Es fordert als Trinkliede zum Genuss des kurzen Lebens auf. «
Nun zu den beiden CDs im einzelnen:
"Changes", die Keyboards klingen aus heutiger Sicht nicht 'up to date', es ist ein Spiegelbild jener Zeit, einer Zeit, als sich der Jazz verändert hatte, die Zeit des Jazz Rocks hatte auch ihre Höhepunkte hinter sich. Dauner scheint auch auf der Suche zu sein, nicht ohne Zitate anklingen zu lassen. Gleich bei diesem ersten Titel höre ich eindeutig etwas in jener Richtung, wie ich es von Weather Report kenne, ober besser - von Josef 'Joe' Zawinul. Eines ist sehr erstaunlich. Das Album ist klar als Soloalbum ausgewiesen, und doch meine ich eindeutig den Bass von Eberhard Weber auf "Changes" zu hören. Ist dessen eigentlich unverkennbarer Sound damals bereits gesampelt worden, oder vermag Dauner das so brillant auf den Keyboards darzustellen?
So oder so, die 'Bassläufe' bringen den leichten Swing in den Titel.
"Für Flo" swingt allein durch das akustische Piano, ein 'typisches Dauner - Stück', so, wie man die Solobeiträge auch im United Jazz + Rock Ensemble lieben lernte. Bei "Changes 2" ist wieder quäkender Synthie angesagt, hier mit einer Spur dessen, wie Chick Corea Jahre zuvor auf Platten mit Return To Forever ("Where Have I Known You Before" zum Beispiel) agierte. Überhaupt erinnert mich dieser Titel sehr an den amerikanischen Kollegen.
Dem Namen nach offensichtlich klassischer Musik huldigend ("Stück für Piano und Synthesizer Op. 1") entführt es uns erneut in die soeben beschriebene Atmosphäre. Jeden Augenblick könnten Lenny White, Al Di Meola und Stanley Clarke aus dem Hintergrund hervorspringen ...
Doch sie tun es nicht, es bleibt bei diesem Duo, bis sich auf "Landscapes" ebensolche eröffnen, Piano solo. Von fordernden über harten und perlenden Klangfarben hin zu lyrisch-gehauchten Tupfern bietet uns der Musiker vor unserem 'geistigen Auge' verschiedene Landschaftsformen an, mitunter haarscharf an der Harmonie vorbei. Aber - nicht jede Landschaft ist schön, auch geheimnisvolle Eckchen gibt es, hier werden sie geboten., fast angenehme fünf Minuten lang. Etwas harscher geht es beim "Tanz Trans" zu, mit teils elektronischen Disharmonien wird diese Platte, ein persönlich ambitioniertes Projekt, beendet.
Und nun zu den "Zeitläufen".
Flötenklänge, ein drohnenhafter Keyboardsound, das klingt schon viel moderner. Folklore klingt sogleich durch, ist es der 'Pan', der hier durch den Wald hüpft und ruft?
Der Aussage des Titels, siehe oben, wird die musikalische Umsetzung absolut gerecht. Fröhliche Bacchanalien scheinen gefeiert zu werden, allerdings mit griechischem Wein, also ist es Dionysus, der uns zum Laster verführen will. Ein Track, der sich nicht allein dazu eignet, einen Kalender zu vertonen, nein, das taugt auch für einen Kurzfilm!
Und so geht es weiter mit allen folgenden Nummern, verspielt an Etüden Chopins erinnernd, wenn das Piano ganz solo bleibt, sehr impressionistisch, wenn sich mehrere Instrumente dazu gesellen, gerade durch den Einsatz der Flöte wird eine ganz besondere Leichtigkeit und Luftigkeit vermittelt. "Echos Stimme" zum Beispiel entführt uns in eine Richtung, wie man sie auch beim Japaner Kitaro vermuten kann, ein betörender Titel mit raschelnder Perkussion und hüpfenden Synthiesounds.
"Spuren", Klänge wie von einer Elektroharfe, etwa die Richtung Andreas Vollenweider, wieder ein anderes Kalenderblatt, werden die 12 Titel den Monaten gleichgestellt, wären wir nun im Juni angekommen.
Erst beim Titelsong kommt eine gewisse Ähnlichkeit zur Atmosphäre von "Changes" auf, das Stück würde auch auf jene Platte passen, vielleicht am meisten Jazz bisher. Wird uns "Hypnos" in Hypnose versetzen können? Ich denke, der Ansatz ist da. Mich erinnert das sehr an die Musik, die der Gitarrist Jon Mark nebenbei noch produzierte, nämlich mit seinen Synthesizerklängen zum Beispiel auf seiner Platte "The Standing Stones Of Callanish". Doch, zur Hypnose geeignet, behaupte ich einfach einmal!
Der anfänglich von mir gerufene 'Pan' erscheint nun auf dem letzten Stück, indem uns Dauner in das "Schattenland des Pan" entführt und uns mit diesem Titel in einen imaginären Zauberwald führt.
Rundum eine sehr abwechslungsreiche Platte mit für den Künstler ungewöhnlicher Musik, hier hat er den Pfad des Jazz eindeutig verlassen, aber nicht zum Nachteil.
Ich hoffe und freue mich auf weitere Veröffentlichungen des Mood-Labels.
Tracklist
CD 1 (Changes):
01:Changes (9:37)
02:Für Flo (1:58)
03:Changes 2 (6:00)
04:Stück für Piano und Synthesizer Op. 1 (9:54)
05:Landscape (4:48)
06:Tanz Trans (2:25)
(all composed by Dauner)
CD 2 (Zeitläufe):
01:Seikilos Lied (4:46)
02:Die verliebte Syrinx (5:05)
03:Selinious (4:39)
04:Echos Stimme (3:38)
05:Versteinerte Rufe (3:13)
06:Spuren (4:59)
07:Zeitläufe (4:47)
08:Der entfesselte Prometheus (3:04)
09:Nemesis und Aidos (5:34)
10:Besinnung (5:50)
11:Hypnos (5:33)
12:Im Schattenland des Pan (4:55)
(all composed by Dauner)
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