Elizium / Relief By The Sun
 Relief By The Sun Spielzeit: 51:15
Medium: CD
Label: STF-Records, 2011
Stil: Dark Rock/Gothic Metal


Review vom 09.06.2011


Andrea Groh
Beim Bandnamen Elizium denke ich spontan an gleichnamige 1990 erschienene CD der britischen Düsterlinge Fields Of The Nephilim; mein Gefühl sagt mir, dass ich damit vielleicht gar nicht unrecht habe, wird doch das Gründungsjahr der Niederländer Elizium mit 1991 angegeben.
Bei denen passierte bisher trotz zwanzigjährigem Bandbestehen recht wenig. 1995 gab es das Demo "War And Knowledge", 2006 die Debüt-CD "Angel Of Mistrust" und jetzt 2011 "Relief By The Sun".
Inhaltlich dreht es sich darauf um folgendes:
»"Relief By The Sun" erzählt uns die überaus tragische Geschichte einer dunklen Welt, in der die Sonne nur als ein hauchdünner Schimmer durch die fast undurchdringliche und alles verschlingende Dunkelheit bricht«".
Schön illustriert wird dies auf dem Cover, das seine volle Wirkung entfaltet, wenn man es auseinanderklappt: Leben und Liebe im schmalen Streifen der Sonne, Tod und Verzweiflung in der Dunkelheit. Auch das Booklet ist ansprechend und stilvoll gestaltet, man merkt, dies soll ein Gesamtkunstwerk sein.
Musikalisch ist "Relief By The Sun" ein Bad in Melancholie, die klagende Stimme von Peter Berends schwebt über elegischen Melodien, die stellenweise durchbrochen werden von heavy Gitarren. Doch meistens webt das Keyboard einen Teppich, der in düster-stimmungsvoller Weise die anderen Instrumente trägt.
Trotz kurzfristiger zorniger Momente herrscht eine dunkel-verträumte Atmosphäre, die zum Eintauchen und Dahinschmelzen einlädt. Traurig und schön, erhaben und edel, jedoch voll mit zartem Schmerz. Manchmal sind sogar fast schon fröhlich-verspielte Elemente vorhanden, z. B. im Titellied, schließlich steht es für die wenige Hoffnung in jener Welt.
Egal, ob man das nun Dark Rock oder Gothic Metal oder gar Doom nennt: Elizium transportieren Emotionen, ohne in Klischees zu verfallen. Okay, manchen Hartwurstlern mag das zu kitschig sein oder zu wenig passieren, aber wer sich darauf einlässt, findet auf "Relief By The Sun" große Gefühle, die wie goldenes Licht in der Dunkelheit scheinen.
Damit leuchtet sie, verglichen mit manchen Veröffentlichungen der letzten Jahre in der Sparte Dark oder Gothic Metal wie ein Fixstern am Firmament, setzt sich aber selbst kein Genregrenzen, verarbeitet auch mal Einflüsse, der eher an Prog oder Art Rock erinnert.
Was auch an der Stimmlage von Peter liegt, welche für die Düsterecke etwas ungewöhnlich, im ersten Moment vielleicht sogar unpassend wirkt, aber die Qual der Welt fast ohne Sonne gut verkörpert.
Wenn ich musikalische Vergleiche ziehen soll, dann würde es wie folgt umschreiben:
"Relief By The Sun" bewegt sich irgendwo in den Sphären zwischen Eliziums Landsmännern Officium Triste und Moon Of Sorrow (erinnert sich eigentlich noch jemand an die?) dazu eine gute Ecke Arena von der Insel auf der anderen Seite der Nordsee.
Klingt merkwürdig? In der Tat, und man sollte dies nicht zu eng sehen, es sind lediglich Elemente oder Stimmungen, die sich wie Lichtstrahlen in die dunkle Welt geschlichen haben. Denn wirklich vergleichen oder einordnen lässt sich "Relief By The Sun" nicht. Hier wird ein einzigartiges Fluidum gewebt, das mich in seinen Bann zieht und fasziniert.
Den Eindruck kann auch die Produktion nicht trüben, die wahrscheinlich aus Kostengründen nicht ganz perfekt wirkt, jedoch vielleicht gerade deswegen wieder passend ist zum textlichen Inhalt und sich dadurch ins Gesamtkonzept einfügt.
Neugierige mit Faible für Melancholie sollten reinhören, wenn sie keine Angst davor haben, in die Dunkelheit mit einem Hauch von Licht einzutauchen.
Line-up:
Peter Berends (vocals, guitar)
Peter Roge (guitar)
Michael Paap (bass)
Gerard Manoch (drums)
Erik Dijkstra (keys)
Tracklist
01:War In Heaven
02:Nevermore
03:Rotten
04:Violent Flower
05:Relief By The Sun
06:A Tragic End
07:Raven
08:Nemesis
09:Temple Of War
10:Die Alone

Bonus Track:
11:Nevermore (acoustic)
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