Blues Alive Festival / 24.03.2012, Schouwburg, Cuijk (NL)
Blues Alive
Blues Alive Festival
Schouwburg, Cuijk (NL)
24.03.2012
Konzertbericht
Stil: Blues


Artikel vom 31.03.2012


Joachim 'Joe' Brookes
Das Dutzend ist voll. Die zwölfte Ausgabe des mittlerweile weit über die Grenzen bekannten Festivals ging mit einem wieder einmal prächtigen Line-up über die Bühne, oder besser über die drei Bühnen. Mit von der Partie waren (in alphabetischer Reihenfolge):
Matt Andersen
The John Henry Orchestra
Smokin' Joe Kubek & Bnois King
LZ Love & Lightning Red
MZ. Dee & Maurizio Pugno Organ Trio
Dede Priest Band
Julian Sas
Preston Shannon
The John Henry Orchestra

The John Henry Orchestra Pünktlich um 20:15 Uhr eröffnete The John Henry Orchestra aus Belgien auf der Bühne im Foyer der Schouwburg den langen Abend des Blues Alive Festivals. Dieses Duo steht für »two souls, two voices, four arms und four legs but only one mission: 'get down and boogie'.« Jan 'John' Jaspers und Henk 'Henry' von der Sypt hatten das Publikum im Handumdrehen im Griff. Ihr Blues-Boogie zwischen John Lee Hooker, Jimmy Reed sowie
Hound Dog Taylor war ein Hörspaß in einer riesigen Dosis.
The John Henry Orchestra Alle Anwesenden kamen voll auf ihre Kosten, ganz gleich, ob The John Henry Orchestra mit zupackenden Coversongs von AC/DC, Creedence Clearwater Revival ("Green River"), Canned Heat ("On The Road Again"), Depeche Mode ("Personal Jesus"), Bo Diddley oder Eigenkompositionen (zum Beispiel "Stand Up") aufwarteten. Hammer, diese beiden Musiker.
The John Henry Orchestra Der Boogie-Spielart des Blues konnte keiner widerstehen und es war schier unglaublich, wie viele Varianten die nur so vor Spielfreude sprühenden Künstler auf Lager hatten. Bei einer solchen musikalischen Richtung war natürlich auch der Groove vorprogrammiert. Direkt vor der Bühne stehend, konnte man perfekt mitverfolgen, wie ein vielseitiges Duo in der Tat zu einem Orchester wurde. Bei geschlossen Augen waren mindestens vier Musiker am Drücker. Nur mit zum Teil selbst gebasteltem oder umgebautem Equipment konnte ein solcher Klang erzeugt werden. The John Henry Orchestra Wenn sich Henk 'Henry' von der Sypt auch noch mit einem Schlagzeug-Solo in Szene setzte, mag so etwas kurios anmuten, aber er hatte es drauf. Genauso, wie die beiden Protagonisten darüber hinaus auch noch klasse singen konnten. Bottleneck-Einlagen und der Harp-Einsatz waren bei diesem zündenden Auftritt selbstverständlich.
Selbstredend wurde dieser Gig in perfektem Retro-Sound geboten. Toll! Wer konnte dem Blues-Boogie des John Henry Orchestra widerstehen? Niemand. Am Ende standen einer auf dem Stuhl und der andere auf der Bass-Drum. Henk bediente die Trommel mit dem Fretboard seines Tieftöners. Begeisterung pur! Volle Punktzahl für die zwei belgischen Querdenker, die es vollbracht hatten, mit nur einer Spielart des 12-Takters rundum zu überzeugen. Diese kurios-furiose Band muss man sich merken.
Line-up:
Jan Jaspers (guitar, hi-hat, vocals)
Henk van der Sypt (guitar, bass, bass-drum, harmonica)
The John Henry Orchestra     The John Henry Orchestra     The John Henry Orchestra
Preston Shannon & Fat Harry & The Fuzzy Licks

Preston Shannon & Fat Harry & The Fuzzy Licks Im Schouwkaffee machte der Amerikaner Preston Shannon den Anfang. Seit Jahren gehört dieser Mann zu den Größen der Memphis-Szene. Die Beale Street könnte man als Shannons zweites Wohnzimmer bezeichnen und so ist es nicht verwunderlich, dass er auch 'King of Beale Street' genannt wird. Seine Wurzeln hat er natürlich im Blues, allerdings schwingt bei ihm eine gehörige Portion Soul mit. Nach den ersten Nummern seines Gigs musste in einem Atemzug definitiv auch der Funk mit einbezogen werden. Als Besonderheit durfte das Publikum einem der ganz Großen der Blues-Bassisten-Gilde auf die Finger schauen: Henry Oden. Aus der langen Liste des 1947 geborenen Preston Shannon & Fat Harry & The Fuzzy Licks Meisters der dicken Saiten seien
Big Mama Thornton, Mike Bloomfield, Earl King, Jimmy Reed,
Boz Scaggs oder Bill Withers genannt. Begleitet wurde Shannon von der niederländischen Formation Fat Harry & The Fuzzy Licks. Mit dem Trompeter Floris Windy und Jan de Ligt am Saxofon war die einzige Bläser-Abteilung des Festivals am Start und die sorgte selbstredend auch für mächtig viel Druck im Kessel von Preston Shannons Boogie-Shuffle-Soul-Musik.
Preston Shannon & Fat Harry & The Fuzzy Licks Mit einer ordentlichen Portion Funk versetzte die Band ohne den Protagonisten den fast vollen Saal in Schwingungen. Dann enterte Shannon die Bühne und was folgte, war ein Feuerwerk an Blues-Verästelungen. "Let The Good Times Roll" war der nächste Track und konnte ebenfalls als Motto für diesen Auftritt stehen. Nicht nur durch seine halbakustische Gibson hatte Shannon ein Feeling in den Fingern wie B.B. King. Lange konnten sich die Zuschauer an dieser Nummer erfreuen und mit sieben Musikern auf der Bühne war auch ungemein viel los. Schon mit seinem ersten Solo sorgt Shannon für Szenenapplaus. Er ließ sein Arbeitsgerät rocken.
Der Gig war eine herrliche Reise durch den zeitlos guten Blues des Amerikaners. Viele Eigenkompositionen prägten die Setlist des Abends und Songs wie "Honky Tonk", "The Feeling Is Gone" oder "The Streets Will Love You To Death" sorgten für markante Ausrufezeichen. Bei Shannons zum Teil furioser Spielart hatte man das Gefühl, er kreierte Töne, die zwischen den Bünden gar nicht möglich waren.
Preston Shannon & Fat Harry & The Fuzzy Licks Im Slow Blues waren Shannon & Co. ebenfalls meisterlich. Hammer, wie die gesamte Band für Stimmung sorgte. Der Keyboarder und die Bläser setzten hier auf flächendeckende Klangteppiche. Oden sah man in der typischen Rolle eines Bassisten ... da reichte ein Quadratmeter völlig aus. Aber was er an melodischem Feeling offerierte, hatte ein ganz hohes Niveau und öffnete andere Welten. Begeisternde Gitarren-Soli gab es in Serie und Shannons Showeinlagen waren vom Feinsten. Man ließ dem Blues in ausgedehnten Songs seinen freien Lauf und die Musiker wurden mit viel Beifall belohnt. Oh Mann, wenn die Combo den Slow Blues zelebrierte, konnte man, zumindest vorne an der Bühne eine Stecknadel fallen hören. Wenn Renè Schutte den Riemen auf seinen Leslie-Lautsprecher schmiss war Sonder-Applaus angesagt.
Mit Preston Shannon wurde es richtig heiß im Schouwkaffee und er brachte eine ordentliche Prise Memphis-Flair in den Saal. Hochachtung!
Line-up:
Preston Shannon (vocals, guitar)
Harold 'Fat Harry' van Dorth (guitar)
René Schutte (keyboards)
Jan de Ligt (saxophone)
Floris Windy (trumpet)
Henry Oden (bass)
Jacco v/d Heuvel (drums)
Preston Shannon & Fat Harry & The Fuzzy Licks     Preston Shannon & Fat Harry & The Fuzzy Licks     Preston Shannon & Fat Harry & The Fuzzy Licks
Preston Shannon & Fat Harry & The Fuzzy Licks   Preston Shannon & Fat Harry & The Fuzzy Licks   Preston Shannon & Fat Harry & The Fuzzy Licks   Preston Shannon & Fat Harry & The Fuzzy Licks
Matt Andersen

Matt Andersen Das Festival war mittlerweile in vollem Gange. Im Theatercafé sollte es mit Lighting Red & LZ Love losgehen. Allerdings war das Duo noch auf dem Weg von Paris nach Cuijk und so sprang der schwergewichtige Kandier Matt Andersen ein. Er wurde in einem kleinen Dorf in der Provinz New Brunswick geboren und erzogen. Als Kind lernte er Tuba und Trompete spielen, aber mit 14 Jahren war seine Vorliebe die Gitarre. Viele Jahre spielte er in Coverbands, als er dann den Blues von Eric Clapton, B.B. King und dem Mississippi Delta entdeckte. 2011 gewann er als bester Entertainer und akustischer Act den Marble Blues Award.
Also saß auf dem für seine Verhältnisse kleinen Stuhl kein Unbekannter. Das Equipment war in Windeseile an seinem Ort und Andersen sorgte für einen furiosen Beginn. Hammer, was man alles aus einer akustischen Gitarre herausholen konnte. Hingabe war angesagt und verdammt oft erlebte man den jungen Mann und Matt Andersen mit seiner dunkelblonden Mähne bei geschlossenen Augen fast in sich gekehrt, ganz bei sich. Dennoch konnte Andersen mit seinem ausgefeilten Fingerpicking begeistern. Er brachte die Saiten eindeutig nicht für sich, sondern für das Publikum zum Schwingen. Hammer, welch eine Stimme! Die machte selbst in den hohen Tonlagen einen sehr überzeugenden Eindruck. In seiner Heimat bereits sehr bekannt, erspielte sich der Musiker bei seinem Auftritt definitiv zig weitere Fans. Einige Anwesende hatte ihn schon bei vorherigen Konzerten in den Niederlanden gesehen und lobten den Akustik-Picker in den höchsten Tönen.
Mit Recht, denn was er uns bot, kam aus tiefstem Herzen und seine ehrliche Seele kaufte ihm jeder ab. Der Mann und seine Gitarren waren authentisch. In der persönlichen Atmosphäre des Theatercafés war das Publikum voll auf seiner Seite. Der Alleinunterhalter hatte mit seiner im wahrsten Sinne des Wortes handgemachten Musik mächtig viel Unterhaltungswert. Ob Uptempo oder mit Balladen, Andersen musste sich erst gar nicht die Gunst des Publikums erspielen. Sein Gesang sorgte für Gänsehaut.
Matt Andersen In manchen Phasen verbarg sich sein Gesicht hinter der wallenden Haarpracht. Sein Ding waren super interpretierte Coversongs und mit den Eigenkompositionen rundete er einen überzeugenden Auftritt ab. Andersen schwebte wie auf Blues-Adlers Schwingen und öffnete in seinen Nummern auch die Türen für Country und Folk. Hammer, Matt Andersen konnte auch richtig rocken und streute mit seinem Gitarrenspiel den Groove bis in die hinterste Ecke des Theatercafés. Respekt!
Diesen Künstler hatte ich bisher noch nicht auf meiner Liste, aber jetzt steht er dort dick und fett eingetragen. Es lebe der akustische Blues ... wild, einfühlsam, durch glaubwürdige Texte vertreten und mit viel Verve vorgetragen. Hats off!
Line-up:
Matt Andersen (guitar, vocals)
MZ. Dee & Maurizio Pugno Organ Trio

MZ. Dee & Maurizio Pugno Organ Trio Eine Band ohne Bassist begleitet MZ. Dee. Bei dem italienischen Maurizio Pugno Organ Trio hatte der Tastenmann Alberto Marsico die tiefen Töne in seiner Hand. Die wohlsortierte Setlist war durchsetzt von Liedern aus der zu diesem Zeitpunkt aktuellen Gemeinschaftsproduktion Letters From The Bootland. Schon nach wenigen Stücken war sonnenklar, dass die internationale Kollaboration auch auf der Bühne erfolgreich zum Tragen kam.
Nach einem gestandenen Einheizer des Herren-Trios kam MZ. Dee auf die Bühne, stellte ihren Notenständer auf die andere Seite des Mikrofonständers und als sie die ersten Töne von "Drownin' On Dry Land" sang, war doppelte Gänsehaut angesagt. Diese Sängerin hatte nicht nur Gold auf ihren Stimmbändern, sondern auch ungemein viel Soul.
MZ. Dee & Maurizio Pugno Organ Trio Mit dem folgenden "Hit Rock Bottom" wurde das Haus ordentlich gerockt und es zeigte sich, dass die Sängerin sowie das Maurizio Pugno Organ Trio sehr versiert und mit viel Fingerspitzengefühl in die Songs eintauchten. Durch das eine oder andere Pugno-Gitarren-Solo gab es bei diesem Festival eher selten gehörte Ausflüge in den Jazz. Der Dreier bot einen ungemein zupackenden Hintergrund für den beeindruckenden Gesang der Amerikanerin.
Herrlich war auch die Funk-jazzige Nummer "A Mind To Give It Up". Die Musiker liebten es, den Blues mit vielen anderen Stilrichtungen zu verschmelzen. Der ganz in weiß gekleidete Pugno spielte den Blues in seinen Alleingängen mit einer unglaublichen Lässigkeit und live kostete man nicht nur die Songs vom weiter oben erwähnten Album voll aus. Viele Tracks erhielten zeitliche Zugaben und die hatten es in sich. Toll!
MZ. Dee & Maurizio Pugno Organ Trio Über allem schwebte MZ. Dees Stimme. Musikalisch war die italienische Combo auf Augenhöhe mit dem inspirierten Gesang der Frontfrau und sie ließ es bezüglich des Kontaktes zum Publikum an nichts mangeln. Muss man betonen, dass die balladesken Momente zu den absoluten Highlights des Festivals zählten? Wer "In All Of My Dreams" oder die "I'd Rather Go Blind"-Reminiszenz an Etta James miterlebt hat, wird keine Wünsche mehr verspürt haben. Außer: bitte noch mehr von dieser Band und MZ. Dee.
MZ. Dee & Maurizio Pugno Organ Trio Der letztgenannte Track war aus meiner Sicht der absolute Höhepunkt des gesamten Events. Schon auf dem Album sorgte diese Nummer für multiple Gänsehaut, aber live gehört dieses um die zehn Minuten-Stück zum Allerfeinsten im Blues-Zirkel der Interpretation von Coversongs. So respektierten Mz. Dee & Co. die Tradition in gehaltvoller Art und Weise.
An und für sich hätte nach einem derartigen Beitrag Schluss sein müssen, aber mit "Nothing But The Radio" war man abermals auf der funky Allee unterwegs und die vehement geforderte Zugabe hörte auf den Namen "Lion's Den" und ließ den Blues swingen. Puh! Durchatmen ... welch ein Auftritt! Im April 2012 werden sie einige Termine in Deutschland wahrnehmen ... nicht verpassen!
Line-up:
MZ. Dee (vocals)
Maurizio Pugno (guitar)
Alberto Marsico (organ)
Gio Rossi (drums)
Preston Shannon & Fat Harry & The Fuzzy Licks     Preston Shannon & Fat Harry & The Fuzzy Licks
Preston Shannon & Fat Harry & The Fuzzy Licks     Preston Shannon & Fat Harry & The Fuzzy Licks     Preston Shannon & Fat Harry & The Fuzzy Licks     Preston Shannon & Fat Harry & The Fuzzy Licks
Dede Priest Band

Dede Priest Band Ladies singing the Blues: Durch die späte Anreise von Lightning Red & LZ Love kam es zu einer Programmänderung im Theatercafé. So wollte es der Zufall, dass mit MZ. Dee, Dede Priest sowie LZ Love alle drei Damen zeitgleich auf den drei Bühnen aktiv waren. Die begnadeten Sängerinnen sollte man allerdings keinem Wettbewerb um die beste Stimme unterziehen. Dafür brillierte das Damen-Trio unabhängig voneinander durch große Eigenständigkeit.
Dede Priest wuchs in Dallas, Texas auf. Von ihrem 10. Lebensjahr an auf der Violine klassisch geschult, führte das Interesse an vielen verschiedenen Musikstilen zu einer Veränderung in ihrem Leben. Im Laufe der Jahre war es die Rauheit des Blues und der Gospel, die sie am meisten beeinflusste. 2011 erschien ihre zweite CD mit dem Titel "Kinky At The Roots". Die Priest wurde von ihrer niederländischen Band begleitet.
Dede Priest Band Mit "Wade In The Water" wurde gleich der Gospel auf den Plan gerufen und nett, wie die Protagonistin nun einmal war, wandelte sie kurzerhand Freddie Kings "Palace Of The King" in "Palace Of The Queens" um. Logischerweise wurde diese Nummer allen Frauen im Haus gewidmet. Damit gaben sie und ihre Band dem Konzert den richtigen Kick. Mit flinken Fingern ließ Top-Gitarrist Raymond Nijnhuis sein Arbeitsgerät rocken und der Schlagzeuger Jody van Ooijen war ein Synonym für straightes Drumming mit viel Groove. Die Musiker verfügten über ausreichend Spielraum, um sich zu entfalten.
Dede Priest Band Govert van der Kolm hatte gleich zwei Keyboards (davon eine Hammond mit Leslie-Lautsprecher) am Start und was er zur Begleitung und in den Alleingängen zu bieten hatte, war à la bonne heure. Er war der Chef der Manuale und bei so manchem Solo nickte selbst Priest beeindruckt. Auch sie stand für viel Frauenpower und konnte ebenfalls durch eine markante Stimme überzeugen. Die schweißtreibende Show war von Blues, Soul sowie Funk geprägt. Musikalisch gab es hier die etwas härtere Ausgabe der Genre-Mixtur.
Dede Priest Band In Texas geboren, durfte man sich auch auf den einen oder anderen Blues Rock-getränkten Track freuen. Im musikalischen Navigationsgerät hatte man nicht vergessen, ebenfalls New Orleans einzugeben. Insbesondere stand aber auch Gospel auf dem Programm. Hier ist Lady Priest eine Wucht. Die Anwesenden feierten sie und die Frau im blauen Kleid stellte unter Beweis, dass sie definitiv bei der jungen Generation von Sängerinnen ganz oben einzusortieren war.
Der Gig war elektrisierender 12-Takter mit allem was dazu gehört. Im Publikum bewegten sich viele Leute zur Musik und bei dem zündenden Auftritt musste man quasi aufpassen, dass nicht der ganze Saal abgefackelt wurde. Bei dieser Performance und ausgewählten Tracks von "Kinky At The Roots" war es klar, dass Dede Priest auf kaum einem Festival fehlen darf. Hier gab es nur ein Urteil ... formidabel.
Line-up:
Dede Priest (vocals)
Raymond Nijnhuis (guitar)
Govert van der Kolm (keyboards)
Roelof Klein (bass)
Jody van Ooijen (drums)
Dede Priest Band     Dede Priest Band     Dede Priest Band
LZ Love & Lightning Red

LZ Love & Lightning Red Lightning Red hatte den Hut auf und LZ Love trug eine Marsha Hunt-Frisur. Was das Duo bot, war akustischer Blues pur. Red hatte oft das Bottleneck am Finger und slidete gekonnt über die Saiten seiner Gitarre. Wow, auch LZ Love konnte mit einer tollen Stimme überzeugen. Was für ein Festival! Unter anderem mit Fremdkompositionen wie Willie Dixons "Wang Dang Doodle" oder "Help Me" brachte man den Gig ordentlich in Schwung. Ähnlich wie bei Matt Andersen konnte das amerikanische Duo mit wenig Equipment begeistern.
LZ Love & Lightning Red Mit seinem Backing-Gesang kontrastierte Lightning Red LZ Loves Stimme sehr gut. Ab und an übernahm der Hutträger die Lead Vocals. Auch diese beiden Musiker sorgten auf ihre Art für sehr gute Stimmung in der Theatercafé der Schouwburg. In einem ersten Rückblick konnte festgestellt werden, dass es so etwas wie schwache Bands nicht gab. Rein namentlich war das Line-up auf hohem Niveau und bis hierhin standen (oder saßen) alle Künstler für entsprechend erstklassiges Niveau.
LZ Love & Lightning Red LZ Love war bereits mit Luther Vandross oder Joan Armatrading auf Tour, aber mit Lightning Red kehrte sie zurück zu ihren Wurzeln, dem Blues, Gospel und natürlich Country. Der Einsatz von perkussiven Instrumenten brachte das gewisse Etwas in den Auftritt und bei der Stärke musste man sich fast Sorgen um die Oberschenkel von LZ Love machen.
Dieser Teil des Berichts konnte nicht mehr als ein Blitzlicht sein. Dennoch hinterließen Lightning Red & LZ Love einen sehr positiven Eindruck. Bei diesem Festival standen noch zwei Gruppen auf dem Programm...
Line-up:
LZ Love (vocals, percussion)
Lightning Red (vocals, guitar)
LZ Love & Lightning Red     LZ Love & Lightning Red
Julian Sas

Julian Sas Der Blues Rock von Julian Sas war laut, hart und mit viel Tempo versehen. Ein ums andere Mal schoss der Niederländer mit der wohl kürzesten Festival-Anreise scharfe Riffs aus seinem Marshall-Verstärker und Tenny Tahamata war der 'Man in Black' auf der Bühne. Wenn in der Schouwburg von Power-Trio die Rede war, dann warteten alle auf das Heimspiel von Julian Sas und Power war wörtlich gemeint. Der Boogie ging flott ab und man musste auch nicht lange warten, bis es Sas auf den berühmten Punkt brachte: Songs von seinem aktuellen Album Bound To Roll zu spielen. Als erste Kostprobe hatte er sich für "Swamplands" entschieden. Vom starken Groove des Schlagzeugers Rob Heijen angetrieben, gab es Blues Rock-Koste allererster Kajüte. Mit seinem Bottleneck brachte Sas die Saiten zum Glühen und dieser Song ging auch ins Tanzbein.
Julian Sas Schon vor dem Gig stand fest, dass der Protagonist die Zuschauer mit seinem gewohnten Liedgut auf die Beine bringt. Seine Boogie-Performance war von bekannter Güte geprägt und wenn man den Guitarslinger schon längere Zeit nicht mehr gesehen hatte, wusste der Zuhörer, mit welchen Qualitäten ein Sas das Publikum begeistern konnte. Eine tighte Rhythmus-Fraktion sorgte für treibende Hintergrund-Aktivitäten und immer wieder übernahm Tahamata die zentrale Position auf der Bühne ein. Oft trafen sich die beiden Saiten-Zauberer vor Heijens Schlagzeug und schwups drifteten beide wie gleichpolige Magnete wieder auseinander.
Hey, der heftig rockende 12-Takter war doch der Treibstoff des Auftritts und da wirkt es schon etwas befremdlich, wenn Sas die Frage ans Publikum stellte, ob man bereit für den echten Blues wäre. Wie jetzt? Ach so, Sas spielte jetzt die ganz langsame Variante aus. Klasse, da kommt sein Feeling für die markanten Töne voll zur Geltung und man weiß die Qualität seiner Stimme zu schätzen.
Julian Sas In Anbetracht seiner schon ziemlich langen Karriere konnte der Frontmann auch schon oft gespielte Klassiker in den Ring werfen. Natürlich wollten die anwesenden Zuschauer die mittlerweile gut abgehangenen Nummern abfeiern und Sas gab den Leuten, was sie wollten. Die Mischung aus brandneuen Songs und Retro-Nummern war in sich stimmig. Mit immer wieder eingestreuten Slow Blues-Stücken gab er sich, seiner Band und dem Publikum Zeit zum Verschnaufen. Dann ging es abermals auf den durchgehärteten Boogie-Schienen nur geradeaus.
Was sich über die Jahre als ansteckender Blues Rock aus den Niederlanden bewährt hat, konnte bei diesem Festival nicht durch das engmaschige Netz der Kritik fallen. Der Rock'n'Roll von Julian Sas explodiert immer noch.
Line-up:
Julian Sas (guitars, vocals)
Tenny Tahamata (bass)
Rob Heijne (drums)
Julian Sas     Julian Sas     Julian Sas
Smokin' Joe Kubek & Bnois King

Smokin' Joe Kubek & Bnois King Ah, endlich war es soweit ... Smokin' Joe Kubek & Bnois King mit ihrer Band. Have Blues Will Travel befindet sich ja schon fast zwei Jahre auf dem Markt, aber gut gespielter Blues (Rock) bleibt immer aktuell. Beim Festival gab es Leute, die bis zu fünfzehn Jahre auf eine Live-Performance dieser Band warten mussten und sich mehrere Löcher in den Bauch freuten, dass es nun endlich soweit war. Die beiden Männer auf der Bühne konnten in ihrer Spielart nicht unterschiedlicher sein und dennoch passten die Gitarrenstile von Smokin' Joe Kubek und Bnois King wie perfekt geschliffene Puzzlestücke zusammen. Einfach grandios war deren Spiel. Vielleicht nebensächlich: King hatte eine schrill gestylte E-Gitarre geschultert und vor Kubeks Bauch hing dagegen ein eher bieder wirkender Sechssaiter.
Smokin' Joe Kubek & Bnois King Blickfänger waren zunächst definitiv Larry Nannies (Schlagzeug) und der ständig auf Wanderschaft befindliche Bassist Coco Henderson. Er hielt den Funk durch häufiges Slapping am Köcheln und hatte zusammen mit dem Drummer einige Showeinlagen in Köcher. Auf den richtig guten Rock'n'Roll auf Blues-Basis musste man bis zu dieser beeindruckenden Band warten. Kubek und King waren mit alle 12-Takter-Wassern gewaschen und immer wieder visierten beide ziemlich unterschiedliche Ziele mit ihrer Gitarren-Zauberei an. Kubek bevorzugte die Texas-Variante und King hatte sich den traditionellen Blues sowie Ausflüge in den Jazz ausgesucht. Konnte man dem in Louisiana geborenen Musiker die Ernsthaftigkeit von so etwas wie "My Heart's In Texas" abkaufen? Diese Frage kam einem eher scherzhaft in den Sinn, denn enorm swingend war auch der "Texas Cadillac".
Smokin' Joe Kubek & Bnois King Diese Band brachte das Schouwkaffee zum Kochen. Die Songs hatten einen treibenden Rhythmus, waren gespickt mit Alleingängen und die Combo ließ die Schwarte krachen. Man gab sich im Frage-Antwort-Schema die Kante und gerade hier wurde die Unterschiedlichkeit der Spielweisen besonders deutlich. Was Kubek mit dem Bottleneck zauberte hatte große Klasse. Diese Combo spielte ein ganz großartiges Konzert. Zu Beginn gab es von The John Henry Orchestra eine gepfefferte Boogie-Ladung. Kubek und King konnten ebenfalls mit dieser knackig-groovenden Spielart aufwarten. Gitarrenkünste gab es in Hülle und Fülle zu bewundern.
Smokin' Joe Kubek & Bnois King Selten erlebte man einen fast tanzenden Bassisten. Coco Henderson hatte Hummeln im Hintern und brauchte Platz für seinen Bewegungsdrang. Was er auf seinem Tieftöner servierte, war ebenfalls erste Sahne. Die derartig klasse auftrumpfende Rhythmus-Fraktion war den beiden Frontmännern ebenbürtig. Auch wenn man für den Blues allgemeine Begriffe wie 12-Takter benutzt, hat der Stil nichts mit Mathematik zu tun. Bezogen auf die beiden Gitarristen geht die Rechnung eins plus eins macht zwei auch nicht auf, denn beide waren bei diesem Gig mehr als die simple mathematische Summe.
Smokin' Joe Kubek & Bnois King Kubeks Spitzname kommt nicht von ungefähr und bezieht sich bestimmt nicht darauf, dass er gerne eine Zigarette raucht. Bei seinem Gitarrenspiel hat 'Smokin'' den richtigen Platz gefunden. Bnois Kings rauchig-soulige Stimme war ebenfalls beeindruckend. Bei diesem Gig wurde schnell deutlich, dass ein ganz besonderes Quartett auf der Bühne stand. Die Musiker wussten, welche Töne man kreieren musste, um die Zuschauer mit richtigem Blues Rock zu begeistern. Respekt! Überhaupt zählte dieser Auftritt zum Feinsten, was das diesjährige Festival zu bieten hatte.
Wir bedanken und bei Frank Gorris für die Akkreditierung.
Line-up:
Smokin' Joe Kubek (guitar)
Bnois King (guitar, vocals)
Coco Henderson (bass)
Larry Nannie (drums)
Smokin' Joe Kubek & Bnois King     Smokin' Joe Kubek & Bnois King     Smokin' Joe Kubek & Bnois King
Auch diese Ausgabe des Blues Alive Festivals in Cuijk konnte rundum begeistern. Wieder einmal wurde deutlich, wie vielfältig der Blues ist und es war richtig schön. Ein internationales Line-up mit acht Bands und über sechs Stunden Musik sprechen für sich. Zuhause angekommen, war die Nacht echt kurz, aber über diese verflixte Zeitumstellung rege ich mich hier nicht mehr auf.
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