German Kultrock Festival
14.08.2010 in der Balver Höhle
Programm German Kukltrock Festival
Balver Höhle
14.08.2010
Konzertbericht
Stil: Kraut Rock


Artikel vom 01.10.2010


Jochen v. Arnim
Gruppenfoto Schon Monate im Voraus stand der Termin im Kalender und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich mich ehrlich freute, als ich die Vorankündigung auf RockTimes entdeckte. Einhundertundsechzig (plus) Jahre deutscher Rockgeschichte sind wahrlich ein guter Grund, ein derart überzeugendes Line-up unter einen Hut, bzw. unter einen Berg zu bekommen. Franz K. = Kult, Epitaph = auch Kult, Nektar = sowieso Kult und Jane = Kult-Kult: Kompliment an die Macher, das war großes Kino!
Nektar Ich musste dann doch mal in die Untiefen meiner Ticketsammlung eintauchen und wurde tatsächlich mit ein paar netten Erinnerungen fündig. Franz K.hatte ich das erste Mal am 14.09.1979 in der Stadthalle Rheinbach (bei Bonn) mit einem etwas nervigen Mal Sondock (R.I.P.) als DJ gesehen. Danach habe ich die Jungs ein wenig aus den Augen verloren, jedoch mitbekommen, dass Peter Josefus Ende der Neunziger an einem Krebsleiden gestorben war. Nektar, daran erinnerte ich mich sofort wieder, denn deren Auftritt beim Doppelkonzert mit Birth Control im Herbst 1980 in der Mehrzweckhalle von Meckenheim (auch bei Bonn) fand ein recht abruptes Ende, als Roye Albrighton seine Les Paul (ich glaube, es war eine und sie war weiß) ins Publikum pfefferte. Es gab ihm wohl zu viele und zu laute »ZZ Top, ZZ Top«-Rufe, die recht penetrant störten. Kurz danach verließ er die Band ja auch zum zweiten und für über 20 Jahre letzten Mal bevor man sich 2001 endlich wieder zusammen raufte. Bei Jane fallen mir immer sofort die guten alten vinylen Brain-Pressungen "Together"," Here We Are" und "Jane III ein, die mich seit Mitte der siebziger Jahre begleiten. Egal, auf nach Balve!
Jane Nach einer wettermäßig recht durchwachsenen Woche schien dann sonnabends wie bestellt die Sonne und die knapp zwei Stunden Fahrt sollten eigentlich auch recht überschaubar sein - sollten! Leider hatten der Verkehrs- und auch der Baustellengott etwas dagegen, so dass ich von Franz K. lediglich ein paar letzte Stücke auf dem Weg vom Auto in die Höhle mitbekam, so auch einen Song, den man üblicherweise mit Drafi Deutscher in Verbindung bringt. Franz K. ist ja erst wieder seit 2009 zusammen und besteht neben den Gründungsmitgliedern Mick Hannes und Stefan Josefus aus den Herren Grimm, Husung und Vanscheidt. Was ich in Balve dann selber mitbekam, überzeugte durch Freude am Spielen und das Publikum nahm den Partyrock dankbar an. "Bock auf Rock", das man durch ständiges Wiederholen des Refrains auch gut und gerne auf eine Stunde ausdehnen kann und "Bye,Epitaph Bye Johnny" waren die beiden letzten Stücke der Darbietung und nach einer Mini-Umbaupause wurde es dann nebelig auf der Bühne, als die Kollegen Bernd Kolbe, Cliff Jackson, Heinz Glass sowie Achim Poret, besser bekannt unter dem Namen Epitaph, die Bretter eroberten. Jetzt bekamen die Besucher eine ganz andere Art von Musik geboten und was die Band live schon immer konnte, nämlich überzeugenden Rock mit ein bisschen Blues präsentieren, das gab es auch hier in der Höhle. Es war ein wirklich schöner Querschnitt durch die gesamte Geschichte der Band bis hin zum neuseten Album
Dancing With Ghosts, das sie neben der musikalischen Vorstellung auch 'dezent' auf allen T-Shirts etc. am Merchandise-Stand anboten. Jeder der Musiker hatte im Gesamtwerk des guten, alten treibenden und sehr melodiösen Rock auch seinen Platz für Soli und sie hatten Spaß - wir hatten alle Spaß! Ich persönlich werde mir den Tourplan von Epitaph in Zukunft sehr genau angucken.
Nektar Ruckzuck ging es dann auch schon mit Nektar weiter und für meinen persönlichen Geschmack enttäuschte das Dargebotene etwas. Irgendwie hatte ich den Eindruck, der Sound war etwas dumpf und vielleicht auch zu laut, auf jeden Fall fiel die Qualität im Vergleich zu Epitaph leider etwas ab. Ich möchte aber ausdrücklich betonen, dass das nicht die spielerischen Qualitäten von Albrighton, Pichl, Henatsch und Lehmann (als Ersatz für Ron Howden am Schlagzeug) betraf, denn die können wirklich was und ihre sonst so üblichen sehr langen Live-Auftritte überzeugen immer. Ein Festivalbesucher und bekennender Nektar-Fan, mit dem ich zwischendurch vor der Höhle ein Bierchen teilte, meinte etwas frustriert: »Hoffentlich bleiben sie heute mal unter zwei Stunden.« Leider wurde seine Bitte erhört, denn trotz der klanglichen Schwächen gab es auch hier ein in Teilen leicht sphärisch angehauchtes gutes Spektrum der Schaffensgeschichte von Roye und Co.
Jane War es nach Franz K. noch möglich, selbst gegen Ende der Umbaupause recht entspannt ein Plätzchen in Bühnennähe zu ergattern - überhaupt war die Grundstimmung während der ganz Veranstaltung sehr locker und fröhlich - so gab es vor dem vierten Akt dann doch etwas mehr Gedränge: alles wollte möglichst viel von möglichst nah sehen und miterleben. Und zu erleben gab es in der Tat eine großartige Show von Charly, Wolfgang, Corvin (der nicht nur eindrücklich an den Tasten überzeugte, sondern auch beeindruckende Haare hatů), Klaus, Arndt und Fritz = Peter Panka's Jane. Der Sound stimmte wieder, Licht und Nebel wechselten einander eindrücklich ab und die Band gab alles. Schöne Stücke für die Erinnerung an alte Zeiten, wie ein herrliches "Daytime" oder "Windows" lösten einander mit neueren Songs von der aktuellen Scheibe Traces ab. Ohne ein "Here We Are" gehe ich auf keinen Fall nach Hause, es gehörte für mich schon immer zu den Must-haves und wir bekamen es dann auch passend in der Zugabe - grandios.
Jane Dem Publikum gefiel's schon arg und als ich mich zu vorgerückter Stunde, dann irgendwann wieder den Wirrungen der sauerländischen Umleitungen entkommen, auf der Autobahn wiederfand, konnte ich den Tag noch einmal Revue passieren lassen. Wir waren in den seltenen Genuss einer tollen Zusammenstellung wichtiger deutscher Bands an einem Tag und unter einem Dach gekommen. Ich möchte jetzt nicht mit der Plattitüde 'Krautrock lebt' schließen, speziell da ich den Begriff Krautrock eigentlich gar nicht mag, aber unter dem Strich kommt es auf irgendetwas in der Richtung raus. Solange diese Bands weiterhin (oder wieder) so guten und melodischen Rock machen und besonders live so viel Freude haben und bereiten, solange brauchen wir keine Angst zu haben, dass Lady Gaga und Konsorten das Ruder übernehmen.
Herzlichen Dank an Guido Simm für die freundliche Genehmigung zum Fotografieren und an Klaus Walz für das coole 'Here we are'-T-Shirt.
Setlists (ohne Gewähr):
Jane Franz K.:
Du bist die Freiheit
Mehr Respekt
Du bist die Gute
Tiger
Flieger, grüß' mir die Sonne
Marmor, Stein und Eisen bricht
Geh zum Teufel
Wir haben Bock auf Rock
Bye, Bye Johnny

Epitaph:
Epitaph Fresh Air
Moving To The Country
Woman
Another Bloody Day
Remember The Daze
Crossroads
Ride The Storm
Stop, Look And Listen
Ain't No Liar
Going To Chicago

Nektar:
Nektar Cryin' In The Dark
Dream Nebula
Desolation Valley
Waves
A Tab In The Ocean
Dr. Kool
King Of The Deep
Day In The Life Of A Preacher
Recycled I

Jane:
All My Friends
Fire, Water, Earth And Air
Jane Hurricane Approaching
Rest Of My Life
Tomorrow
Daytime
Way To Paradise
Windows
Fly Away
Out In The Rain
Hangman
Here We Are
So, So Long
Nektar   Jane
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