GoMusic / 11.02.2011, Coffeehouse, Kleve
GoMusic GoMusic-Session
Kleve, Coffeehouse
11. Februar 2011
Stil: Rock, Blues
Konzertbericht

Artikel vom 17.02.2011


Joachim 'Joe' Brookes
GoMusicDie Februar-Ausgabe der GoMusic war wieder einmal höchst interessant besetzt. Über 'Crazy' Chris Kramer braucht man fast keine Worte mehr zu verlieren. Der preisgekrönte deutsche Harper und Gitarrist begeistert mit seinem Spiel ungemein viele Leute und seine letzten Alben unterwegs sowie Chicago Blues sind vom Feinsten.
Einen Neuling in der GoMusic-Mannschaft präsentiert Martin Engelien mit dem erst 19-jährigen Gitarristen Rocco Wiersch. Als Support hat der junge Dortmunder mit seiner Band Red Cloud bereits bei Chris Farlowe mit der Hamburg Blues Band, Eric Sardinas, Paul Gilbert und Peter Green gespielt. Außerdem hat Wiersch unter dem Titel "Ich bin nicht Bob Dylan" »ein dylaneskes biografiespiel mit songs des meisters« im Programm seiner vielfältigen Aktivitäten.
Bene Neuner ist nicht nur als Lehrer oder Dozent beschäftigt. Der Schlagzeuger kann auf eine lange Liste von Bands beziehungsweise Musikern zurückblicken, für die er bereits getrommelt hat. Unter anderem finden sich dort Claudia Koreck, Elli, sprachlabor, Dennis Hormes, Menschenskinder, Snailshouse, oder Harriet Lewis.
GoMusicPünktlich um 21:00 Uhr war es dann wieder soweit und bei der Vorstellungsrunde gab in klassischer Trio-Besetzung zunächst Rocco seine Visitenkarte aus Wah Wah-Pedal-Einsatz und Saitenzieher-Manier ab. Zu Beginn versah Engelien den Titel mit dem Namen "Jugend forscht" und nach Wierschs Solo hieß er dann "Jugend musiziert". Bene Neuner servierte eine Art Aufbau-Solo. Zunächst nur auf einer Trommel und wenigen Becken aktiv, steigerte sich sein Alleingang zu einem fulminanten, druckvollen sowie akzentuierten Trip von zwei Drumsticks über alle zur Verfügung stehenden Felle. Obendrauf versetzte er die Luftmoleküle mit Doublebass-Einsatz in Vibration. Bei der Einleitung kratzte man an der zwanzig Minuten-Marke.
GoMusicZum Quartett gewachsen, machte die Band aus Dave Dudleys Country-Song "Six Days On The Road" eine ganz starke Rock'n'Roll-Nummer. Was Kramer auf und mit seinem kleinen Instrument anstellte, war unglaublich. Über das gesamte Konzert kam es zu sehens- und hörenswerten Einlagen, die einen nur staunen ließen. Mit seinem nächsten Solo vagabundierte Rocco in unterschiedlichem Tempo um die Häuserblocks und für einen kurzen Moment klang er wie Alvin Lee.
GoMusicMit "Southbound" wurde ein Song der Allman Brothers auf den Plan gerufen und wie für die GoMusic-Musiker üblich, wurde daraus eine Nummer, die durch Roccos grüne Gitarre funkig interpretiert wurde. Zwischendrin wechselte er den Bahnsteig und lieferte schnelle Stakkato-Riffs ab. Es gab bestimmt Leute im Publikum, die ein Kaugummi kauten. Kramer hatte 'ne Mundharmonika im Mund und spielte auch noch darauf. Unglaublich! Dann hielt es ihn nicht mehr auf der Bühne und er spazierte, beeindruckend weiterspielend, soweit durchs Publikum, wie es ihm sein Mikrofonkabel erlaubte. Kramer war echt 'crazy'.
GoMusicDann konnte Rocco durch seine Rockröhre und versiertem Finger-Tanz auf dem Fretboard für Eindruck sorgen. "Voodoo Chile" von Hendrix war angesagt. Einen Harper in der Rolle eines Rhythmusspielers hatte ich noch nie gesehen. Kramer schlüpfte in die Rolle und bei seinem sphärischen Solo setzte er die Effekte so ein, dass er auf seine eigenen Harp-Echos die passenden Antworten hatte. Rocco führte die Selbstgespräche auf seinem Sechssaiter entsprechend fort.
GoMusicKramers Eigengewächs "Du musst gehen" ist auf dem Album Komm mit zu finden und abermals hatte der ungemein emotional singende Mann eine weitere Klangvariante drauf. Als er mit seinem Mississippi-Saxofon in Richtung Verstärker ging, wusste man zunächst nicht, was nun geschehen sollte. Abgedrehter ging es wohl nicht mehr: Er erzeugte nicht für möglich gehaltene Rückkopplungen. Kramer, der 'Harp-Hendrix'! Der Mann lebt Musik, die er auch durch Gestik sowie Mimik voll zur Geltung brachte.
GoMusicNach der Pause sorgten zunächst nur zwei Musiker für beste Unterhaltung in anderer musikalischer Form. Ich dachte mir, man könnte es unter dem Begriff 'DAD' laufen lassen, denn Kramer sowie Wiersch standen als 'Dortmunder Akustik Duo' auf der Bühne. Mit "Du gabst mir 7 Kinder" und einer weiteren Kramer-Komposition war es mit Rocco an der Akustischen der ruhigere Part der GoMusic im Coffehouse Kleve. Nichtsdestotrotz konnte man auch an diesem Teil des Auftritts seine Freude haben.
Mit allen Musikern war dann der Box Tops-Hit "The Letter" die Basis für weitere Improviationsreisen. Rocco verschickte sein Stahlsaiten-Solo per Luftpost und Neuner trommelte in der Manier eines Schwaben-Express. Der Schlagzeuger war der Groovemaster und Kramer spielte auf der Harp Sachen, die man sich gar nicht vorstellen konnte. Man musste es gesehen und miterlebt haben.
GoMusicBei Neil Youngs "Rockin' In A Free World" hatte Neuner ein einfach nur geiles Solo auf Lager und den besonderen Pfiff in der GoMusic-Version gab es durch Kramers Instrument. Engelien wechselte die Seite und ging zum Wiersch. Der Frage-Antwort-Part, bei dem der Bassist vorlegte, war ein Zitaten-Streifzug durch die Siebzigerjahre der Rock-Musik, unter anderem mit Deep Purples "Smoke On The Water".
Dem am 06.02.2011 verstorbenen Gary Moore widmete man "Freebird" von Lynyrd Skynyrd und da wurde die Gänsehaut meterdick. Ohne weitere Worte!
GoMusicPartystimmung war angesagt. Beim Blues Brothers-Klassiker "Everybody Needs Somebody To Love" war das Publikum der Chor. In der Zugabe fetzte man mit Led Zeppelins "Rock'n'Roll" und vergrößerte das Coffeehouse imaginär um das Doppelte. Der Track schloss mit einem Jedermann-Ende. In Anspielung auf Kramers Outfit gab es dann noch den "Sharp Dressed Man" von ZZ Top. Top waren auch die Soli der beiden Dortmunder. Die trieben die Meute durch Hörde zum Borsigplatz.
Auch diese GoMusic war wieder ein Genuss. Auf die weitere Entwicklung des noch jungen Rocco Wiersch darf man gespannt sein und Bene Neuner hinterließ einen hervorragenden Eindruck. Ich habe ja schon so einige Harp-Spieler live gesehen, aber 'Crazy' Chris Kramer hat sie alle an die Wand gespielt. Glück auf!
Wir danken Martin Engelien für die problemlose Akkreditierung.
Line-up:
Martin Engelien (bass, backing vocals)
'Crazy' Chris Kramer (harmonica, vocals, backing vocals)
Rocco Wiersch (guitar, vocals, backing vocals)
Bene Neuner (drums, percussion)
Bilder vom Konzert
GoMusic     GoMusic     GoMusic     GoMusic
GoMusic     GoMusic     GoMusic
GoMusic     GoMusic     GoMusic     GoMusic
GoMusic     GoMusic     GoMusic
Externe Links: